Wenn Angst zur Krankheit wird
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Als Hausarzt sind Sie oft die erste Anlaufstelle
Wenn Angst zur Krankheit wird
Klagt ein Patient über Herzrasen, Thoraxschmerzen, Schwindel und Angstzustände, stellt sich die Frage, ob die Angst eine Reaktion auf primär
somatische Beschwerden ist – oder ob die Angst selbst den Patienten krank
macht. Werden Angsterkrankungen frühzeitig diagnostiziert, sind sie in
der Regel gut behandelbar.
– Somatische Ursache?
Differenzialdiagnosen
von Angststörungen
Bevor die Diagnose einer Angsterkrankung gestellt wird, muss eine
Reihe von Differenzialdiagnosen
ausgeschlossen werden: Angst ist
ein Begleitphänomen vieler somatischer Erkrankungen, insbesondere
von kardiovaskulären und pulmologischen Erkrankungen, die mit Atemnot oder Arrhythmien einhergehen.
Auch endokrine Erkrankungen, z. B.
der Schilddrüse, und neurologische
Erkrankungen wie Epilepsie und
Hirntumoren müssen als Angstauslöser diskutiert werden.
Einige Medikamente können ebenfalls Angstgefühle induzieren. Dazu
gehören Appetitzügler, Anticholinergika, L-Dopa, Kortikosteroide, Sympathomimetika und Schilddrüsenhormone. Gleiches gilt für Drogen wie
Cannabis, Amphetamine und Kokain. Der Entzug von Benzodiazepinen,
Barbituraten oder Opiaten geht auch
meist mit Angstgefühlen einher.
MMW-Fortschr. Med. Nr. 48 / 2006 (148. Jg.)
de Angst nach Beseitigung der Bedrohung erfordern ebenfalls eine Therapie.
Situationsgebunden oder nicht?
Im ICD-10 wird zwischen situationsgebundenen Angsterkrankungen, die
auch als Phobien bezeichnet weden,
und nicht situationsgebundenen Ängsten unterschieden. Zu Ersteren gehören
die soziale Phobie und die Agoraphobie, zu Letzteren die Panikstörung und
die generalisierte Angststörung.
Typisch für eine Panikattacke ist,
dass sie innerhalb von ein bis drei Minuten ihr Maximum erreicht und innerhalb von 10–30 Minuten wieder abklingt. Dagegen verläuft die generalisierte Angststörung chronisch: Es besteht eine andauernde Angstsymptomatik, die mit vielfältigen körperlichen
Symptomen wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Hitzewallungen, Tachykardien und Übelkeit einhergehen kann.
Angst kann zusammen mit anderen
psychischen Störungen auftreten. Häufige Komorbiditäten sind Abhängigkeitserkrankungen und die Depression.
Angst ist gut behandelbar
Bei frühzeitiger Diagnose sind Angststörungen gut behandelbar. Unbehandelt neigen sie dagegen zu einem chronischen Verlauf und erhöhen das Risiko von Folgeerkrankungen. Zudem verursachen sie häufig nutzlose und kostspielige somatische Untersuchungen.
„Die Therapie von Angststörungen
erfordert ein mehrdimensionales Vorgehen“, so Dr. Reinhard J. Boerner,
Quakenbrück. Am sinnvollsten ist eine
Kombination aus medikamentöser und
Verhaltenstherapie. Medikamente der
Wahl sind selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Eine ver-
Foto: Superbild
– Von einer Angsterkrankung muss
man ausgehen, wenn die Angst ohne
reale Bedrohung auftritt oder mit starken körperlichen Symptomen einhergeht, erklärte Prof. Klaus Wahle, Münster. Typische körperliche Beschwerden
sind Tachykardie, Thoraxschmerzen,
Beklemmungsgefühl, Hitzewallungen,
Kurzatmigkeit, Zittern, Schwindel, Parästhesien und Hyperventilation. Ein
Krankheitswert besteht laut Wahle auch
dann, wenn eine ausgeprägte Erwartungsangst besteht, die zu einem Vermeidungsverhalten führt. Die lähmende
Angst, die der Bewältigung einer Bedrohung im Wege steht, und die anhalten-
Panikattacken bauen sich sehr schnell
auf und klingen nach etwa 30 Minuten
wieder ab.
gleichbare Wirkung entfalten selektive
Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Für den Einsatz
eines SSRI oder SNRI spricht neben der
guten Verträglichkeit auch die Tatsache, dass begleitende Depressionen
ebenfalls günstig beeinflusst werden.
Der Erfolg einer medikamentösen
Therapie sollte, so Boerner, frühestens
nach drei Wochen abgeschätzt werden.
Bei einer partiellen Besserung ist eine
Dosissteigerung sinnvoll, bei Nichtansprechen ein Wechsel der Substanzgruppe. Wenn der Patient weitgehend
be schwer defrei ist, wird eine me dikamentöse Rezidivprophylaxe über
mindestens zwölf Monate empfohlen.
Vorsicht mit Benzodiazepinen! Wegen ihres Abhängigkeitspotenzials dürfen sie nur bei stärkerer Symptomatik
und auch nur initial und kurzfristig
eingesetzt werden.
Die medikamentöse Therapie sollte
besonders bei schweren Verläufen
durch eine kognitive Verhaltenstherapie ergänzt werden. Sie beinhaltet die
ausführliche Analyse und Therapie
Angst auslösender Faktoren, die gezielte
Behandlung eines ängstlichen Vermeidungsverhaltens und Entspannungsverfahren. Dr. med. Peter Stiefelhagen ó
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Quelle: Pri-Med-Fortbildung, München,
1. November 2006
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