Interdisziplinäres Positionspapier „Perioperatives Schmerzmanagement“
Originalien
Schmerz 2017 · 31:463–482
DOI 10.1007/s00482-017-0217-y
Online publiziert: 13. April 2017
© Der/die Autor(en) 2017. Dieser Artikel ist
eine Open-Access-Publikation.
R. Likar1 · W. Jaksch2 · T. Aigmüller3 · M. Brunner4 · T. Cohnert5 · J. Dieber6 ·
W. Eisner7 · S. Geyrhofer8 · G. Grögl9 · F. Herbst10 · R. Hetterle11 · F. Javorsky12 ·
H. G. Kress13 · O. Kwasny14 · S. Madersbacher15 · H. Mächler16 · R. Mittermair17 ·
J. Osterbrink18 · B. Stöckl19 · M. Sulzbacher20 · B. Taxer21 · B. Todoroff22 ·
A. Tuchmann23 · A. Wicker24 · A. Sandner-Kiesling25
1
Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Klinikum Klagenfurt, Klagenfurt am Wörthersee,
Österreich; 2 Abteilung für Anästhesie, Intensiv- und Schmerzmedizin, Wilhelminenspital der Stadt Wien,
Wien, Österreich; 3 Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, LKH-Universitätsklinikum
Graz, Graz, Österreich; 4 Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Medizinische Universität
Wien/AKH Wien, Wien, Österreich; 5 Universitätsklinik für Chirurgie, Klinische Abteilung für
Gefäßchirurgie, LKH-Universitätsklinikum Graz, Graz, Österreich; 6 Abteilung für Anästhesiologie und
Intensivmedizin, Landeskrankenhaus Hartberg, Hartberg, Österreich; 7 Universitätsklinik für
Neurochirurgie, Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich; 8 Geyrhofer KG
pflegeminusschmerz, Grein, Österreich; 9 Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin,
Krankenhaus Rudolfstiftung, Wien, Österreich; 10 Abteilung für Chirurgie, Krankenhaus der Barmherzigen
Brüder, Wien, Österreich; 11 Klinische Abteilung für Herzchirurgie, LKH-Universitätsklinikum Graz, Graz,
Österreich; 12 Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Donauspital, Wien, Österreich;
13
Klinische Abteilung für Spezielle Anästhesie und Schmerztherapie, Medizinische Universität Wien/AKH
Wien, Wien, Österreich; 14 Klinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie, Kepler Universitätsklinikum,
Linz, Österreich; 15 Urologische Abteilung, Sozialmedizinisches Zentrum Süd – Kaiser-Franz-Josef-Spital,
Wien, Österreich; 16 Klinische Abteilung für Herzchirurgie, LKH-Universitätsklinikum Graz, Graz, Österreich;
17
Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Klinikum Klagenfurt, Klagenfurt am Wörthersee,
Österreich; 18 Institut für Pflegewissenschaft und -praxis, Paracelsus Medizinische Privatuniversität,
Salzburg, Österreich; 19 Abteilung für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, Klinikum Klagenfurt,
Klagenfurt am Wörthersee, Österreich; 20 Abteilung für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie,
Herz-Jesu Krankenhaus, Wien, Österreich; 21 Studiengang Physiotherapie, Fachhochschule Joanneum,
Graz, Österreich; 22 Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, St. Josef Krankenhaus, Wien,
Österreich; 23 Privatklinik Döbling, Wien, Österreich; 24 Universitätsklinik für Physikalische Medizin und
Rehabilitation, Salzburger Landeskliniken – Universitätsklinikum Salzburg, Salzburg, Österreich;
25
Klinische Abteilung für Allgemeine Anästhesiologie, Notfall- und Intensivmedizin, LKHUniversitätsklinikum Graz, Graz, Österreich
Interdisziplinäres Positionspapier
„Perioperatives Schmerzmanagement“
Zusatzmaterial online
Einleitung
Die Online-Version dieses Beitrags (10.1007/
s00482-017-0217-y) enthält weitere Tabellen
3 und 4. Beitrag und Zusatzmaterial stehen
Ihnen im elektronischen Volltextarchiv auf
http://www.springermedizin.de/der-schmerz
zur Verfügung. Sie finden das Zusatzmaterial
am Beitragsende unter „Supplementary
Material“.
In österreichischen Krankenhäusern
werden laut Spitalsentlassungsstatistik
jährlich mehr als 1,2 Mio. Operationen
durchgeführt. Schon vor dem Hintergrund dieser großen Zahl Betroffener
kommt der perioperativen Schmerzversorgung eine große Bedeutung zu.
Trotz aller positiven Entwicklungen
wird jedoch postoperativen Schmerzen
und ihrer Behandlung nach wie vor
nicht jene Aufmerksamkeit geschenkt,
die sie verdienen [50]. Starke Schmerzen
nach chirurgischen Eingriffen betreffen
mit 20–40 % einen erheblichen Anteil
der Patienten [52, 102]. Postoperative
Die in diesem Beitrag verwendeten Personenund Berufsbezeichnungen werden der besseren
Lesbarkeit halber nur in einer Form verwendet,
sind aber natürlich gleichwertig auf beide
Geschlechter bezogen.
Schmerzen bleiben also offenbar nach
wie vor oftmals ungenügend behandelt
[134]. Das ist problematisch, weil sich
diese Tatsache auf den unmittelbaren
Rekonvaleszenzprozess negativ auswirkt
und die Grundlage für eine Schmerzchronifizierung bilden kann.
Ein adäquates und effektives Management perioperativer Schmerzen erfordert geeignete organisatorische Strukturen. Das vorliegende Positionspapier,
das die Österreichische Gesellschaft
für Anästhesiologie, Reanimation und
Intensivmedizin und die Österreichische Schmerzgesellschaft initiiert und
gemeinsam mit zahlreichen mit der
Thematik befassten Fachgesellschaften
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Originalien
Infobox 1
gebiete
Teilnehmende Fach-
4 Allgemeinchirurgie
4 Anästhesiologie
4 Chirurgie
4 Gynäkologie und Geburtshilfe
4 Gefäßchirurgie
4 Herz-Thorax-Chirurgie
4 HNO
4 Minimal-invasive Chirurgie
4 Neurochirurgie
4 Orthopädie und orthopädische Chirurgie
4 Pflege
4 Physikalische Medizin und Rehabilitation
4 Physiotherapie
4 Plastische, ästhetische und rekonstruktive
Chirurgie
4 Schmerzmedizin
4 Unfallchirurgie
4 Urologie
und Berufsverbänden entwickelt haben,
soll dabei unterstützen, das perioperative Schmerzmanagement optimal zu
gestalten und bewährte Konzepte zu
nutzen. Ein ergänzender Abschnitt beschreibt Besonderheiten der perioperativen Schmerztherapie bei ausgewählten
Eingriffsarten.
Zu wichtigen aktuellen Entwicklungen im perioperativen Schmerzmanagement, die in dem Positionspapier aufgegriffen werden, gehören:
4 Das perioperative Schmerzmanagement ist heute eine in hohem Maß
interdisziplinäre Aufgabe.
4 Statt monotherapeutischer Zugänge
stehen heute multimodale Therapieansätze im Mittelpunkt der
Bemühungen.
4 Zunehmend setzten sich auch individualisierte, an die jeweilige patientenspezifische Situation angepasste
therapeutische Strategien durch.
4 Optionen der patientenkontrollierten
Analgesie (PCA) gewinnen an Bedeutung, auch vor dem Hintergrund
neuer Verabreichungsformen [60, 62,
64, 79, 106, 109, 111, 146].
4 Es werden klare Grenzwerte für
schmerztherapeutische Interventionen definiert.
4 Neben medikamentösen Verfahren
wird auch die Bedeutung nichtmedikamentöser Interventionen
diskutiert.
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Der Schmerz 5 · 2017
Methodik
Das vorliegende Positionspapier beschreibt auf der Basis wissenschaftlicher
Evidenz und der Erfahrungen der teilnehmenden Expertinnen und Experten
organisatorische Standards des perioperativen Schmerzmanagements und fasst
den Stellenwert wichtiger schmerztherapeutischer Interventionen zusammen.
Die letzte Empfehlung der Österreichischen Schmerzgesellschaft zu diesem
Thema stammt aus dem Jahr 2003, eine
aktuelle Positionierung war also erforderlich.
Im August 2015 wurden von der Österreichischen Gesel (...truncated)