Geriatrischer BG-Patient

Trauma und Berufskrankheit, Jul 2017

Hintergrund Im Zuge des demografischen Wandels der Bevölkerung sowie der Anhebung des Renteneintrittsalters ist von einer Veränderung der Patientenaltersstruktur auch im BG-Wesen auszugehen. Mit höherem Patientenalter steigt vermutlich auch die Prävalenz vieler internistischer Komorbiditäten. Hieraus stellt sich die Frage, ob die BG sich anders aufstellen muss bzw. wie sich das System auf diese Patienten einrichten kann. Ziel der Arbeit Ziel des Beitrags ist die Darstellung der Epidemiologie und Komorbidität von BG-Patienten mit speziellem Fokus auf den geriatrischen BG-Patienten an einem Universitätsklinikum der Maximalversorgung. Material und Methoden Es erfolgte eine Auswertung der Altersstruktur und kodierten Komorbiditäten bei BG-Patienten jenseits des 60. Lebensjahrs in den Jahren 2005, 2010 und 2015. Schlussfolgerung Bei der Mehrheit der geriatrischen BG-Patienten sind relevante Komorbiditäten vorhanden, die den klinischen Verlauf beeinflussen können und eine interdisziplinäre Zusammenarbeit erfordern werden.

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Geriatrischer BG-Patient

Übersicht Trauma Berufskrankh 2017 · 19 (Suppl 3):S225–S230 C. Kruppa1 · C. Maier2,3 · P. Zahn3 · T. A. Schildhauer1 DOI 10.1007/s10039-017-0276-4 1 Chirurgische Universitätsklinik und Poliklinik, BG-Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum, RuhrOnline publiziert: 28. Juli 2017 Universität Bochum, Bochum, Deutschland © Springer Medizin Verlag GmbH 2017 2 Abteilung für Schmerzmedizin, BG-Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum, Ruhr-Universität Bochum, Bochum, Deutschland 3 Universitätsklinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Palliativ- und Schmerzmedizin, Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum, Ruhr-Universität Bochum, Bochum, Deutschland Geriatrischer BG-Patient Epidemiologie und Komorbidität Hintergrund Die deutsche Gesellschaft für Geriatrie charakterisiert den geriatrischen Patienten mit den Kernmerkmalen „höheres Lebensalter“, „Multimorbidität“ und „alterstypische Vulnerabilität“ mit der Gefahr des „Autonomieverlustes“ [5]. In der Vergangenheit war dieser Patient gar nicht oder nur sehr selten als z. B. Rehabilitand unter den BG-Patienten zu finden. So berichtet die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) in ihrem Jahresbericht 2014 zum Arbeitsunfallgeschehen, dass es sich bei den Patienten jenseits des 65. Lebensjahrs überwiegend um Patienten handelt, die z. B. während eines Reha-Aufenthaltes einen Sturzunfall erlitten hatten [6]. Das Statistische Bundesamt geht von einem starken Anstieg der Bevölkerungsgruppe jenseits des 65. Lebensjahres innerhalb der nächsten 20 Jahre aus. Im Vergleich zum Jahr 2013 auf 2060 wird eine Verdopplung der Menschen über 80 Jahre in Deutschland prognostiziert [3]. In der Vergangenheit hat sich bereits eine Zunahme der Lebenserwartung von 65-Jährigen und 80Jährigen gezeigt. So berichtet das Robert Koch-Institut über eine Erhöhung der ferneren Lebenserwartung von 65-Jährigen im Vergleich 1971/73 zu 2009/2011 um gut 5 Jahre für Männer und Frauen. Bei den 80-Jährigen beträgt diese Zunahme im gleichen Zeitraum knapp 3 Jahre [1]. Eine zunehmend alternde Bevölkerung sowie eine Erhöhung des Renteneintrittsalters werden voraussichtlich zu einer schrittweisen Veränderung der Patientenstruktur bei BG-Patienten führen, sodass auch geriatrische Patienten zunehmend dazukommen werden. Geht man von einer zunehmenden Prävalenz von Komorbidität und Multimorbidität mit zunehmendem Alter aus, wie sie z. B. für die kardiovaskulären Erkrankungen oder den Diabetes mellitus seitens einer von der Gesundheit in Deutschland Aktuell (GEDA) 2009 durchgeführten Patientenbefragung festgestellt wurde [4], werden sich hierdurch zukünftig vermutlich auch im BG-Wesen Veränderungen anbahnen müssen, um diesen Charakteristika in der Behandlung des BG-geriatrischen Patienten gerecht zu werden. Bisher werden im BG-Wesen Komorbiditäten nicht einheitlich statistisch erfasst, und eine systematische Analyse ihrer Anzahl und Auswirkungen auf den klinischen Verlauf wurde bisher nicht durchgeführt. Ziel dieses Beitrags ist die Darstellung von Epidemiologie und Komorbidität bei geriatrischen BG-Patienten an einem Universitätsklinikum der Maximalversorgung. Tab. 1 Material und Methoden Anhand der klinikinternen Daten (OPS [Operationen- und Prozedurenschlüssels] sowie ICD [International Classification of Diseases]-10-Codes) wurden für die Jahre 2005, 2010 und 2015 alle stationär operativ behandelten bg-lich versicherten Patienten ausgewertet. In die Auswertung wurden lediglich Patienten ab dem 60. Lebensjahr eingeschlossen. Die . Tab. 1 zeigt die demografischen Daten der Patienten. Wesentliche internistische und neurologische Komorbiditäten (. Tab. 2 ) wurden erfasst. Als Multimorbidität wurde das Vorhandensein von 3 oder mehr Komorbiditäten bei einem Patienten definiert. Ergebnisse Der Anteil der Patienten, die älter als 60 Jahre waren, lag in den analysierten Jahren zwischen 13,0 und 13,7 %. Bei den Patienten jenseits des 80. Lebensjahres zeigte sich eine prozentuale Verdopplung im Verlauf der letzten 10 Jahre (. Abb. 1). Auchwennderprozentuale Anteil derPatienten jenseits des 60. Lebensjahr ähnlich blieb, kam es jedoch bei der Anzahl Demografische Daten 2005 2010 2015 631 846 1180 Gesamt 86 (13,6 %) 110 (13,0 %) 162 (13,7 %) Männlich 69 (80,2 %) 84 (76,4 %) 128 (79,0 %) Weiblich 17 (19,8 %) 26 (23,6 %) 34 (21,0 %) Gesamtpatientenzahl Patienten >60 Jahre Trauma und Berufskrankheit · Suppl 3 · 2017 S225 Übersicht Tab. 2 Komorbiditäten Kategorie ICDs Infektionen A00–A09, A15–A19, A30–A49, B00–B09, B15–B19, B20–B24, Mykosen B35–B49, B90–B94, B95–B98, B99–B99 Neubildungen C15–C26, C30–C39, C40–C41, C43–C44, C45–C49, C64–C68, C76–C80, C97–C97 Krankheiten des Blutes und der blutbildenden Organe sowie bestimmte Störungen mit Beteiligung des Immunsystems D50–D89 Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten E00–E07, E10–E14, E15–E16, E20–E35, E50–E64, E65–E68, E70–E90 Psychische und Verhaltensstörungen F00–F09, F20–F29, F30–F39 Krankheiten des Nervensystems G00–G09, G20–G26, G30–G32, G35–G37, G40–G47, G50–G59, G60–G64, G70–G73, G80–G83, G90–G99 Glaukom H40–H42 Krankheiten des Kreislaufsystems I10–I15, I20–I25, I26–I28, I30–I52, I70–I79, I80–I89, I95–I99 Krankheiten des Atmungssystems J30–J39, J40–J47, J60–J70, J80–J84, J85–J86, J90–J94, J95–J99 Krankheiten des Verdauungssystems K20–K31, K35–K38, K40–K46, K50–K52, K55–K64, K65–K67, K70–K77, K80–K87, K90–K93 Krankheiten der Haut und der Unterhaut L00–L08, L50–L54, L80–L99 Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes M00–M03, M05–M14, M30–M36, M60–M63, M70–M79, M80–M85 Krankheiten des Urogenitalsystems N00–N08, N10–N16, N17–N19, N20–N23, N25–N29, N30–N39 Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen Z80–Z99 ICD International Classification of Diseases 15,0 160 0,2% 1,2% 3,2% 3,1% 3,0% 14 >80 Jahre 10,0 (%) 70–79 Jahre 60–69 Jahre 5,0 10,0% 9,7% 9,6% Anzahl Paenten 0,5% 35 120 3 80 2 >80 Jahre 26 70–79 Jahre 60–69 Jahre 20 113 40 63 82 0 0,0 2005 2010 2005 2015 Abb. 1 8 Altersverteilung 2005, 2010 und 2015 keine Komorbidität (1–3) 2010 2015 Abb. 2 8 Anzahl der behandelten Patienten jenseits des 60. Lebensjahrs Mulmorbidität (>3) 50,0 100,0 40,0 30,0 60,0 2005 (%) (%) 80,0 40,0 2010 20,0 2015 20,0 10,0 0,0 60–69 70–79 >80 60–69 70–79 >80 60–69 70–79 >80 Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre 2005 2010 Trauma und Berufskrankheit · Suppl 3 · 2017 60–69 Jahre 70–79 Jahre Diabetes mellitus 2015 Abb. 3 8 Komorbidität und Multimorbidität im Vergleich 2005, 2010 und 2015 S226 0,0 Abb. 4 8 Diabetes mellitus über 80 Jahre Zusammenfassung · Abstract der zu behandelnden Patienten zu einer Zunahme (. Abb. 2). Im Jahr 2005 hatten 70,9 % der Patienten mindestens 1 Komorbidität, 11,6 % Patienten davon waren multimorbide. Im Jahr 2010 hatten 82,7 % der Patienten 1 Komorbidität, wovon 18,2 % der Patienten eine Mu (...truncated)


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Dr. C. Kruppa, Prof. Dr. C. Maier, Prof. Dr. P. Zahn, Prof. Dr. T. A. Schildhauer. Geriatrischer BG-Patient, Trauma und Berufskrankheit, 2017, pp. 225-230, Volume 19, Issue 3, DOI: 10.1007/s10039-017-0276-4