Vertrauen durch Transparenz
aktuell
Podiumsdiskussion
Vertrauen durch Transparenz
Transparenz in der Medizin sollte letztlich zum Wohle des Patienten beitragen, hieß es in einer Podiumsdiskussion zwischen Vertretern der Ärztekammer, Pharmig und Industrie in Linz.
FF
2012 lud die Europäische
Redaktion: Reinhard
Hofer
Quelle: Podiumsdiskussion zwischen
Ärztekammer, Pharmig und Industrie
auf der Demenztagung (Demenz 2020
– zwischen Patient,
Arzt und Industrie),
am 12. Mai 2017, Linz,
(www.pharmig.at;
www.transparenzschafft-vertrauen.at)
Kommission die Stakeholder im Gesundheitswesen – Ärzte, Apotheker,
Pharmaindustrie, Großhändler, Krankenhäuser, Patientengruppen – ein,
um unter anderem über die Transparenz in der Zusammenarbeit von Ärzten
und der pharmazeutischen Industrie zu
diskutieren. Im Zuge dessen wurde in
Österreich 2014 ein Verhaltenskodex
zwischen der Österreichischen Ärztekammer und der Pharmig bezüglich
der Offenlegung von Geldflüssen zwischen Ärzteschaft und Industrie eingeführt. Im Gegensatz zum amerikanischen „Sunshine Act“, nach dem jeder
geldwerte Austausch zwischen Ärzten
und Industrie gesetzlich offengelegt
werden muss, ist dieser Verhaltenskodex freiwillig. „Das Ziel muss natürlich
sein, dass wir trotzdem eine 100ige individuelle Zustimmungsrate bekommen“, erklärte Dr. Jan Oliver Huber, Generalsekretär des Dachverbandes der
pharmazeutischen Industrie (Pharmig).
Medikament ist Therapieform
der Wahl
Dass Transparenz auch heißt, Neid und
Unverständnis zu schüren, in dem Daten in der Presse ausgeschlachtet und
© thodonal/stock.adobe.com
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psychopraxis. neuropraxis 4 · 2017
als Befangenheit und korruptionsähnliche Zahlungen interpretiert werden, sei
mitunter politischer Ausdruck der heutigen Medienkultur, wie Dr. Otto Pjeta,
ehemaliger Präsident der Oberösterreichischen und der Österreichischen Ärztekammer, in seinem Impulsreferat feststellte. „Das Arzneimittel ist nach wie
vor die wichtigste Therapieform, und
da die Versorgungssicherheit gewährleistet werden muss, ist es nicht gleichgültig, welche Möglichkeiten uns die
Pharmaindustrie hier bietet“, so Pjeta.
Kauft sich die Pharmaindustrie durch
Fortbildungen die Ärzte und Ärztinnen?
„Ich finde es unglaublich, dass man den
Ärzten die Objektivität abspricht und so
einen ganzen Berufsstand diskreditiert“,
sagte Huber. Pharmazeutische Unternehmen erbringen geldwerte Leistungen für ärztliches Engagement bei
Forschung und Entwicklung, für Dienstund Beratungsleistungen, also etwa
Einladungen zu Fachvorträgen, für die
Ärzte auch bezahlt werden. Spenden
und Förderungen hingegen gebe es nur
für Institutionen und nicht für Personen.
Mangelnde Transparenz
bei den Kosten
„Der Anstieg bei den Arzneimittelausgaben in den letzten Jahren hatte vor
allem mit der Umstellung im Bereich
der Rheuma- und Hypertonietherapie,
aber auch mit der Einführung neuartiger, kostenintensiver Medikamente,
wie etwa den Biologicals zu tun“, erklärte Pjeta. Dem gegenüber hatte der
verstärkte Einsatz von Generika einen
kostendämpfenden Effekt.
„Dass die Ausgaben in den letzten
Jahren auf einem Plateau geblieben
sind, lag auch am Rahmenpharmavertrag, durch den die Pharmawirtschaft
seit dem Jahr 2008 insgesamt einen
Solidarbeitrag von 300 Millionen Euro
zurückgezahlt hat“, so Huber. Bedauerlicherweise werde das in allen offiziellen Statistiken nicht berücksichtigt,
und auch nicht von den Ausgaben abgezogen. Ebenso blieben sogenannte
„individuelle Rabatte“, die die Unternehmen gewähren, unberücksichtigt.
Kulturwandel
Dass einige jüngere Ärzte mehr Distanz zeigen, wenn es um Vereinbarungen mit der Industrie geht, davon ist Dr.
Maria Wendler, ehemalige Obfrau der
jungen Allgemeinmedizin Österreich
(JAMÖ) überzeugt. „In den letzten Jahren ist auch in Österreich ein Kulturwandel zu beobachten“, so Wendler. Junge
Ärzte lernen den Umgang mit Studien
und Zahlen anders, sie hinterfragen diese vermehrt. Sie nehmen die Veröffentlichung und Offenlegung der Interessen
auch wirklich ernst.„Derzeit ist es (noch)
notwendig, dass Pharmafirmen Fortbildungen organisieren, es sollte aber gewährleistet sein, dass sie inhaltlich keinen Einfluss ausüben“, so Wendler.
„Wir arbeiten nicht nur mit öffentlichen Geldern, wir arbeiten vor allem
auch mit lebenden Menschen, weshalb
diese ein berechtigtes Interesse daran
haben, zu wissen was passiert“, erklärte Dr. Martin Peithner, Geschäftsführer
der Firma Austroplant und Mitglied des
Vorstands der Pharmig. Das Beste seien möglichst breit gestreute Informationen, wobei der Einzelne entscheiden
könne, was er mit dieser Information macht. „Das ist auch das Wesen einer Demokratie, denn ein nordkoreanisches System zentraler Fortbildung
funktioniert einfach nicht“, so Peithner.
psychopraxis. neuropraxis 2017 · 20:182
DOI 10.1007/s00739-017-0411-9
© Springer-Verlag Wien 2017
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