Lithium therapy in older patients with bipolar disorder
Psychiatrie
psychopraxis. neuropraxis
https://doi.org/10.1007/s00739-018-0459-1
© Der/die Autor(en) 2018.
Armand Hausmann · Julia Dehning
Department für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Medizinische Universität Innsbruck,
Innsbruck, Österreich
Lithiumtherapie bei älteren
Patienten mit bipolarer
Erkrankung
Teil 2: Chronische Niereninsuffizienz
Zusatzmaterial online
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doi.org/10.1007/s00739-018-0459-1) finden
Sie weiterführende Literatur zum Thema.
Lithiuminduzierte potenziell reversible Nierenveränderungen
Polyurie und reduzierte
Konzentrationsfähigkeit
Nierenfunktionsveränderungen müssen
nicht kausal mit Lithiumintoxikationen
in Zusammenhang stehen (s. Teil 1, psychopraxis.neuropraxis Ausgabe 3/2018).
Diese können sich auch langsamer entwickeln. Bei diesen Nebenwirkungen
handelt es sich um eine Polyurie sowie
eine reduzierte Fähigkeit, Harn konzentrieren zu können, sowie um eine
Reduktion der GFR.
Bei Erwachsenen entwickelt sich unter
Lithiumtherapie zuerst eine Polyurie mit
sekundärem Durst (Polydipsie).
Bei älteren Patienten steigt mit dem
Grad der Polyurie das Risiko einer Lithiumintoxikation durch Dehydratation.
Ältere Patienten trinken in der Regel zu
wenig und substituieren in unzureichender Menge das ausgeschiedene Volumen.
Glücklicherweise kommt eine Polyurie in
dieser Altersgruppe offensichtlich seltener vor als bei jüngeren Patienten. In einer Studie wurde ein inverses Verhältnis
zwischen Alter und Frequenz der Polyurie festgestellt. Die Prävalenz bei jüngeren Erwachsenen unter 65 Jahre betrug 52 % und 10 % bei den ≥65-jähri-
gen (p < 0,0005). Andere Daten sprechen
von 33 % Polyurie mit >3 l Harn/Tag bei
Älteren.
Die der Polyurie zugrunde liegende
Pathologie besteht aus einer reduzierten
Harnkonzentrationsfähigkeit. Diese kann
sich allerdings auch ohne offensichtliche
Polyurie entwickeln. 12–19 % älterer Patienten zeigen eine Reduktion der Harnosmolarität.
Potenziell irreversible
Nierenveränderungen
Der nephrogene Diabetes
insipidus
Die Polyurie ist bis zu 6 Jahre reversibel,
kann aber nach längerer Therapiedauer (≥15 Jahre) irreversibel werden und
mündet dann in einen nephrogenen Diabetes insipidus (NDI). Der NDI besteht
aus einer Resistenz auf das antidiuretische Hormon (ADH) und einer Resistenz
der distalen Tubuli auf Vasopressin. Trotz
Anwesenheit des Hormons ADH kann
die Niere keinen normal konzentrierten
Harn bilden, da die Rückresorption des
Wassers aus dem Primärharn gestört
ist. Der NDI ist definiert durch eine
Polyurie >3 l/Tag sowie einem hypotonen Urin (Umax <300 mOsm/kg; UrinPlasma-Osmolarität-Ratio <1). Unterschiedliche Schwellenwerte wie Umax
<600 mOsm/kg sind in der Literatur zu
finden.
Wenige pharmakokinetische Daten
gibt es zum Diabetes insipidus bei Älteren.
Die Daten schwanken je nach Schwellen-
wert (Umax <300 oder <600 mOsm/kg)
sehr stark. In einer populationsbasierten
Querschnittsstudie bei 2480 über 70jährigen Lithiumpatienten wurde die
6-Jahres-Prävalenz (2005–2011) einer
sNDI untersucht. Diese betrug 3 %. Eine
Prävalenz von 8,3 % wurden bei 80-jährigen in einer kleinen Studie gefunden.
Es werden aber auch 73 % berichtet.
Die Symptomatik des
»Diabetes
insipidus ist bei älteren
Patienten weniger ausgeprägt
Eine rezente Arbeit der McGill Universität in Montreal (McGLIDICS-Studie)
untersuchte das Verhältnis zwischen NDI
und der reduzierten Harnosmolarität unter Lithiumtherapie bei Erwachsenen im
Vergleich zu geriatrischen Patienten mit
ähnlich langer Lithiumeinnahme. Die
beiden Gruppen zeigten eine ähnliche
Reduktion der Harnosmolarität, aber die
geriatrischen Patienten verspürten signifikant weniger Symptome wie z. B. Durst
und Harndrang. Die Autoren schlussfolgern, dass bei Lithiumgabe bei Älteren
eine erhöhte Aufmerksamkeit auf die
Harnosmolarität gelegt werden sollte,
da die klassischen klinischen Symptome
eines NDI bei älteren Patienten in eingeschränktem Ausmaß auftreten. Dies
könnte helfen Lithiumintoxikationen
und das Entstehen von Tubulusschäden
zu verhindern. Das gilt besonders für
sehr alte Patienten mit langer Lithiumeinnahme in hohen Dosen.
psychopraxis. neuropraxis
Psychiatrie
Tab. 1
Stadien der Niereninsuffizienz. (Quelle: [1])
Die „American National Kidney Foundation“ definiert die chronische Nierenerkrankung als eine
Nierenpathologie oder eine Reduktion der GFR <60 ml/min/1,73 m2 für ≥3 Monate. Die Nierenpathologie schlägt sich entweder als Abnormität von Blut- oder Urinwerten oder einer pathologischen Bildgebung nieder
Die Stadien:
Stadium 1
Nierenschaden mit normaler oder erhöhter GFR (GFR ≥ 90)
Stadium 2
Nierenschaden mit leichter Reduktion der GFR (GFR = 60–89)
Stadium 3
Moderate Reduktion der GFR (GFR = 30–59)
Stadium 4
Stadium 5
Schwere Reduktion der GFR (GFR = 15–29)
liert mit der Dauer der Einnahme. Die
Entwicklung dieser Zysten scheint in direktem Zusammenhang mit der Aufnahme von Lithium in den Tubuluszellen zu
stehen, denn sie entstehen aus den distalen Tubuli und Sammelrohren. Insgesamt
sind diese mithilfe des Ultraschalls verifizierten Veränderungen aber rar und
treten erst nach einer Therapiedauer von
mindestens 20 Jahren auf.
Nierenversagen (GFR < 15)
Stadium 5 wird auch als Endstadium der Nierenerkrankung (ESRD) bezeichnet.
In diesem Stadium ist der Patient auf eine Nierentransplantation angewiesen
Entstehung von chronischen
Nierenerkrankungen bei älteren
Populationen
Tab. 2 Klinisches Management der Lithiumtherapie im Alter
– Erheben der Lithium-Serum-Spiegel sowie der eGFR alle 2 bis 3 Monate
Epidemiologie
– Adäquates Lithium-Monitoring kann eine Lithiumintoxikation verhindern, da die Dosen die zu
einem therapeutischen Lithium-Serum-Spiegel im Alter notwendig sind, sich um 30 bis 50 %
oder mehr reduziert werden müssen
In der Allgemeinbevölkerung der USA betrug der Anteil älterer Patienten mit einer
chronischen Niereninsuffizienz 30–40 %
(. Tab. 1).
In den letzten Jahren waren es besonders nationale groß angelegte krankenregistergestützte Kohortenstudien, die ein
2- bis 3-fach erhöhtes CKD-Risiko bei Lithiumbenutzern belegten. Die rezenteste
Kohortenstudie mit einer gemischtaltrigen Population bipolarer Patienten fand
eine erhöhte Rate an CKD bei Lithiumpatienten im Vergleich zu Patienten
mit anderen Phasenprophylaktika wie
Valproat, Olanzapin oder Quetiapin. Die
Literatur bei geriatrischen Lithiumpatienten ist nicht besonders ausgeprägt. Bei
2480 über 70-jährigen Lithiumpatienten
wurden in einer populationsbasierten
Querschnittsstudie die 6-Jahres-Prävalenz (2005–2011) chronischer Nierenerkrankungen untersucht. Sie liegt bei
13,9 %. Diese Daten sind auch im Licht
der Prävalenz chronischer Nephropathie
(moderat bis schwer) der Allgemeinbevölkerung zu sehen. Diese beträgt
bei >70-jährigen Amerikanern 37,8 %.
Das Problem von Querschnittsstudien
besteht darin, dass solche Studien nur
einen Augenblick der Entwicklung wiedergeben, respektive eine Punktprävalenz und nicht, wie bei einer langjährigen
Erkrankung wie der bipolaren affektiven (...truncated)