Individualisierte Implantate auf der Basis digitaler Daten
Übersichten
Trauma Berufskrankh 2018 · 20 (Suppl 2):S80–S81
https://doi.org/10.1007/s10039-018-0360-4
Online publiziert: 14. März 2018
© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von
Springer Nature 2018
B. Riecke
Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Unfallkrankenhaus Berlin, Berlin, Deutschland
Individualisierte Implantate auf
der Basis digitaler Daten
Mit Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) und
digitaler Volumentomographie (DVT;
engl. „cone beam computed tomography“ [CBCT]) werden digitale Daten
generiert. Mit ihrer Hilfe kann man knöcherne und weichgewebige Situationen
räumlich aufschlüsseln und virtuell darstellen. Traditionellerweise werden diese
dreidimensionalen Daten in den klassischen 3 Ebenen koronar, transversal und
sagittal dargestellt. Neuerdings werden
dreidimensionale Darstellungsvarianten
verwendet, die man beliebig im Raum
drehen, kippen und neigen kann. Damit
kann sich sowohl der Radiologe als auch
der Chirurg ein exaktes räumliches Bild
des Situs machen. Diese Möglichkeit
ist ein bemerkenswerter Fortschritt in
Bezug auf räumliche Vorstellung sowie
für die Operationsplanung.
Herstellung dreidimensionaler
Modelle
Des Weiteren kann der Datensatz für
die Herstellung dreidimensionaler Modelle genutzt werden. Für die Fertigung
von Modellen können unterschiedliche Methoden verwendet werden. Es
werden additive (Stereolithographie,
selektives Lasersintern, digitale Lichtprozessierung, Pulver- oder Elektronenstrahldruck, Schichtklebeverfahren)
wie subtraktive (CAD[Computer Aided
Design]/CAM[Computer Aided Manufacturing]-Fräsen) Methoden verwendet. Für den 3-D-Druck stehen bereits
medizinproduktegesetzkonforme Geräte
bereit, die auf dem Schreibtisch im Büro
des Chirurgen Platz finden. Sie versetzen
den Operateur in die Lage, eine dreidimensionale Operationsplanung anhand
S80
Trauma und Berufskrankheit · Suppl 2 · 2018
eines ohne Zeitverzug gefertigten, greifbaren Modells vorzunehmen.
Neueste Behandlungsmethoden stellen individualisierte Implantate, beispielsweise Osteosyntheseplatten, auf der
Basis digitaler Daten dar. Diese patientenspezifischen Implantate werden nach
computerassistierter virtueller Planung
individuell computerassistiert gefertigt
(CAD/CAM). Hier kommen selektives Laserschweißen oder CAD/CAMFräsen zur Anwendung.
CAD/CAM-gefertigte individuelle
Implantate ermöglichen höchstmögliches Präzisionsniveau, die Planung
komplexer Eingriffe und ersparen Operationszeit.
Weitere Vorteile der digitalen
Daten
Des Weiteren kann man über diesen
Weg beispielsweise für Umstellungsosteotomien individuelle Sägeschablonen
anfertigen, nach denen dann intraoperativ geführte Osteotomien vorgenommen
werden.
Vervollständigend kann man die digitalen Daten zur intraoperativen Navigation nutzen. Hierbei ist eine Qualitätskontrolle bereits während der Operation
möglich. Unerwartete postoperative Ergebnisse werden auf ein Minimum reduziert.
Fazit für die Praxis
Die Vorteile aus der Nutzung digitaler
Daten lassen sich wie folgt zusammenfassen:
4 exakte räumliche Darstellung komplizierter hart- und weichgewebiger
Sachverhalte,
Zusammenfassung · Abstract
4 Anfertigung dreidimensionaler Mo-
4
4
4
4
4
4
delle zum körperlichen räumlichen
Verständnis,
Operationsplanung und präoperatives Ermitteln intraoperativer
Herausforderungen,
präzise virtuelle Planung patientenspezifischer Implantate oder
Sägeschablonen,
genaueste Fertigung individualisierter Implantate,
Präzisionsverbesserung,
Verkürzen der Operationszeit,
intraoperative Qualitätskontrolle.
Korrespondenzadresse
PD Dr. med. Dr. med. dent. B. Riecke
Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie,
Unfallkrankenhaus Berlin
Warener Str. 7, 12683 Berlin, Deutschland
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt. B. Riecke gibt an, dass kein
Interessenkonflikt besteht.
Dieser Beitrag beinhaltet keine vom Autor durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren.
The supplement containing this article is not sponsored by industry.
Trauma Berufskrankh 2018 · 20 (Suppl 2):S80–S81
https://doi.org/10.1007/s10039-018-0360-4
© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil
von Springer Nature 2018
B. Riecke
Individualisierte Implantate
auf der Basis digitaler Daten
Zusammenfassung
Mit Computertomographie (CT),
Magnetresonanztomographie (MRT)
und digitaler Volumentomographie
(DVT) werden digitale Daten generiert,
mithilfe derer dreidimensionaler
Darstellungsvarianten man sich ein exaktes
räumliches Bild des Situs machen kann.
Außerdem kann der Datensatz für die
Herstellung dreidimensionaler Modelle
wie individualisierte Implantate sowie zur
intraoperativen Navigation genutzt werden.
Schlüsselwörter
Computertomographie · Magnetresonanztomographie · Digitale Volumentomographie ·
Operationsplanung · Dreidimensionale
Modelle
Individualized implants based
on digital data
Abstract
Using computed tomography (CT), magnetic
resonance imaging (MRI) and digital
volume tomography (DVT) digital data are
generated and an exact spatial image of
the location can be made by utilizing their
3-dimensional presentation variations. In
addition, the dataset can be used for the
construction of 3-dimensional models,
such as individualized implants and for
intraoperative navigation.
Keywords
Computed tomography · Magnetic
resonance imaging · Digital volume
tomography · Operation planning · Threedimensional models
Trauma und Berufskrankheit · Suppl 2 · 2018
S81
(...truncated)