Massenspektrometrische Analyse von Phospholipiden aus Liposomen
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Zellbiologische Methoden
Massenspektrometrische Analyse
von Phospholipiden aus Liposomen
MELISSA FRICK, CARLA SCHMIDT
INTERDISZIPLINÄRE WISSENSCHAFTLICHE EINRICHTUNG ZIK HALOMEM,
CHARLES-TANFORD-PROTEINZENTRUM, UNIVERSITÄT HALLE-WITTENBERG
Mass spectrometry-based lipidomics gained importance and nowadays
allows the identification of complete lipidomes. Challenging are, however,
the differing properties of the diverse lipid classes. Phospholipids are the
main constituents of biological membranes and, in aqueous solutions,
spontaneously form lipid bilayers. They are therefore often used to prepare membrane mimics. Here, we report on a recent strategy identifying
and quantifying phospholipids from the lipid bilayer of liposomes.
DOI: 10.1007/s12268-019-1017-y
© Die Autoren 2019
ó Lipide sind Biomoleküle, die an einer Reihe von biologischen Prozessen, wie z. B. der
Energiespeicherung oder Signalweiterleitung,
beteiligt sind. Darüber hinaus sind sie wichtige Komponenten von Biomembranen. Glycerophospholipide (auch Phospholipide
genannt) bestehen aus Glycerin, welches an
zwei der drei Hydroxylgruppen mit zwei Fettsäuren verestert ist. An der dritten, endständigen Hydroxylgruppe ist eine Phosphatgruppe gebunden, die mit verschiedenen
Alkoholen verestert sein kann. Entsprechend
dieser Kopfgruppe werden Phospholipide in
unterschiedliche Klassen eingeteilt. Beispiele sind Phosphatidylglycerol (PG), Phosphatidylcholin (PC), Phosphatidylethanolamin
(PE), Phosphatidylserin (PS) und Phosphatidylinositol (PI) [1, 2].
Aufgrund ihrer amphipathischen Struktur
bilden Phospholipide in wässrigen Lösungen
Mizellen oder Lipiddoppelschichten (z. B.
Liposomen) aus. So bilden sie auch das
Grundgerüst von Biomembranen und bestimmen ihre physikochemischen Eigenschaften
wie Dicke, Krümmung, Fluidität oder die Ausbildung von Mikrodomänen [3]. Die Identifizierung der Lipidbestandteile von Biomembranen ist somit essenziell, um ihren Aufbau
und ihre Organisation zu verstehen.
Lipidomik
Das Lipidom ist die Gesamtheit aller Lipide
einer Zelle oder eines Organismus zu einem
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bestimmten Zeitpunkt unter definierten
Bedingungen. Die Lipidomik befasst sich folglich mit der Analyse des Lipidoms. Durch die
Verwendung neuester hochauflösender und
sensitiver Massenspektrometer können heutzutage komplette Lipidomanalysen durchgeführt werden [4]. Dafür werden für gewöhnlich Lipide aus zellulärem Gewebe extrahiert
[5, 6]. Anschließend werden sie direkt in shotgun-Experimenten oder nach Auftrennung
mittels Flüssigkeitschromatographie massenspektrometrisch analysiert. Die Identifizierung der Lipide erfolgt anhand ihrer charakteristischen Fragmentspektren [7]. Aufgrund von Löslichkeitsproblemen sowie der
unterschiedlichen Eigenschaften der verschiedenen Lipidklassen ist die Probenvorbereitung allerdings noch immer eine Her-
ausforderung. Kürzlich wurde deshalb ein
speziell für die Massenspektrometrie optimiertes Protokoll etabliert [8].
Wir haben eine neue und innovative Strategie entwickelt, welche die massenspektrometrische Lipidanalyse direkt aus der Lipiddoppelschicht ermöglicht [9]. Die Verifizierung dieser Methode erfolgte anhand von
Modellliposomen.
Liposomenpräparation
Im ersten Schritt der Liposomenpräparation
(Abb. 1) werden die in organischen Lösungsmitteln gelösten Lipide im gewünschten Verhältnis gemischt und das Lösungsmittel verdampft, sodass ein trockener Lipidfilm entsteht. Dieser Lipidfilm wird dann in flüchtigem Ammoniumacetat hydratisiert, wobei sich
multilamellare Vesikel (MLVs) bilden. Diese
bestehen aus mehreren zwiebelförmig angeordneten Lipiddoppelschichten. Mittels Extrusion durch eine Polycarbonatmembran definierter Porengröße werden dann MLVs in unilamellare Vesikel (ULVs, das heißt Liposomen)
überführt. Die durchschnittliche Größe der
gebildeten Liposomen kann dann durch dynamische Lichtstreuung bestimmt werden.
Identifizierung der Lipide
Zur Analyse der Lipide wurden diese direkt in
das Massenspektrometer eingebracht. Es wird
angenommen, dass die Liposomen während
der Ionisierung vollständig dissoziieren und
so die direkte Lipidanalyse aus Lipiddoppel-
˚ Abb. 1: Liposomenpräparation. Lipide verschiedener Klassen werden in den gewünschten Verhältnissen gemischt und das organische Lösungsmittel verdampft. Der trockene Lipidfilm wird in
Ammoniumacetat hydratisiert. Die gebildeten multilamellaren Vesikel (MLVs) werden mittels
Extrusion in unilamellare Vesikel (ULVs) einer bestimmten Größe überführt. Lipide können
anschließend mithilfe der Massenspektrometrie (MS) identifiziert werden. PC: Phosphatidylcholin;
PG: Phosphatidylglycerol.
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W I S S EN S CH AFT · S PECIA L : L IQ UID H ANDLI NG & P ROBE NVORBE RE I T UNG
A
Mischungsverhältnisse der Lipide während
der Liposomenpräparation wider (Abb. 3A).
Die Linearität dieser Messungen ist über den
gesamten Bereich der Lipidmischungen gegeben (Abb. 3B).
Quantifizierung niedrig abundanter
Lipide
B
˚ Abb. 2: Lipididentifizierung. Im negativen und positiven Ionenmodus wurden Lipidspezies
beobachtet. Anhand der Fragmentspektren (rechts) können die Lipide eindeutig identifiziert
werden. A, Phosphatidylglycerol(PG)-Spezies, negativer Ionenmodus. B, Phosphatidylcholin(PC)Spezies, positiver Ionenmodus.
A
B
Anschließend sollten niedrig abundante Lipide identifiziert und quantifiziert werden. Hierfür wurden Liposomen verwendet, welche
zum Großteil aus PG und PS und zu einem
geringen Anteil aus einem PI-Extrakt aus Soja
präpariert wurden. Das aufgenommene Massenspektrum zeigt die PG- und PS-Spezies
mit vergleichsweise hohen Intensitäten.
Außerdem wurden zwei Signalverteilungen
im Bereich m/z 831–837 und 857–865 beobachtet (Abb. 3C). Diese Signale wurden als
PI-Spezies mit verschiedener Fettsäurezusammensetzung identifiziert. Ihr Anteil konnte durch Simulation der theoretischen Isotopenverteilungen bestimmt werden (Abb. 3D).
Fazit
C
D
˚ Abb. 3: Quantifizierung von Lipiden aus Liposomenmembranen. A, zwei PG-Spezies, gemischt
in variierenden Verhältnissen (2:1 und 1:50). B, Die relativen Intensitäten beider PG-Spezies sind
linear. C, Liposomen, präpariert aus PG:PS:PI (1:1:0,3). Mehrere PI-Spezies wurden identifiziert
(m/z 831–837 und 857–865). D, Anhand der theoretischen Isotopenverteilung wurden die Anteile
der PI-Spezies bestimmt. PG: Phosphatidylglycerol; PC: Phosphatidylcholin; PS: Phosphatidylserin;
PI: Phosphatidylinositol.
schichten möglich ist (Abb. 1). In der Tat können im negativen und positiven Ionenmodus
Lipidspezies mit entsprechenden Masse-zuLadung-Verhältnissen (m/z) beobachtet werden. Eine anschließende Isolierung und Fragmentierung ermöglicht die Identifizierung
der Lipidspezies. In Abbildung 2 wurden eine
PG-Spezies (m/z 773, negativer Ionenmodus)
und eine PC-Spezies (m/z 786, positiver
Ionenmodus) aus Liposomen identifiziert.
Relative Intensitäten der Lipide
Um zu testen, ob die hier vorgestellte Strategie auch eine Quantifizierung der Lipide
ermöglicht, wurden zwei PG-Spezie (...truncated)