Darmkrebsscreening mit 50 Jahren — für Männer und Frauen
Gastroonkologie
Literatur kompakt
Gastroonkologie
12 CRC: FIT-Screening reduziert Inzidenz von fortgeschrittenen Stadien // 13 Pankreaskarzinom: mutKRAS ctDNA als Prädiktor in der Chemotherapie // 13 Kombichemotherapie
bei fortgeschrittenem Pankreaskarzinom // 14 Aktuelle Strategien für die palliative
Sequenztherapie // 19 Palliative systemische Therapie des hepatozellulären Karzinoms
CRC: FIT-Screening reduziert Inzidenz fortgeschrittener Stadien
Durch den fäkalen immunologischen Bluttest (FIT) lässt sich die Inzidenz von
metastasiertem bzw. fortgeschrittenem Kolorektalkarzinom (CRC) bereits
innerhalb der ersten Screeningrunde im Vergleich zu Nichtgescreenten
vermindern; die Inzidenz von metastasiertem CRC ist um 70% reduziert.
Z
iel von onkologischen Screening-Tests
ist die möglichst frühe Diagnosestellung und einem damit verbundenen Rückgang der Mortalität. Dies ist z. B. für regelmäßige Testungen mit dem FIT zur Früherkennung des CRC belegt. Ob zusätzlich
eine Veränderung in der Epidemiologie
des CRC durch die regelmäßigen FIT-
Testungen gelingt, überprüften jetzt italienische Onkologen in der IMPATTO-Studie. Anhand der konsekutiven Daten von
11.663 neu diagnostizierten CRC-Patienten zwischen 50 und 71 Jahren mit und
ohne FIT-Screeningvorgeschichte errechneten die Wissenschaftler die relative Risiko-Ratio (RRR) der CRC-Stadien I + IV
Darmkrebsscreening mit 50 Jahren – für Männer
und Frauen
Alle 10 Jahre mindestens 2 Koloskopien spätestens ab dem 50. Lebensjahr für Männer
und Frauen – dies wären die optimalen Bedingungen für ein Darmkrebsscreening, wie
Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) mithilfe von
Modellrechnungen anhand von Registerdaten herausgefunden haben [Chen C et al.
Gastrointest Endosc. 2019;89(5):1017-1025.e12]. Bisher haben gesetzlich Krankenversicherte jedes Jahr Anspruch auf einen Stuhlbluttest. Ab dem Alter von 55 Jahren
übernimmt die Krankenkasse eine Vorsorge-Darmspiegelung, die nach 10 Jahren einmal wiederholt werden kann. „In der Altersgruppe ab 55 Jahren, in der Vorsorgekoloskopien angeboten werden, ist die Neuerkrankungs- und Sterberate an Darmkrebs
deutlich zurückgegangen in den letzten Jahren“, berichtet der Studienleiter Hermann
Brenner in einer Pressemitteilung des DKFZ. „Wir haben errechnet, dass bei einer ersten Vorsorgedarmspiegelung bereits im Alter von 50 Jahren und einer Wiederholung
der Untersuchung nach 10 Jahren der darmkrebsbedingte Verlust an Lebenszeit deutlich geringer ausfallen würde als mit dem derzeitigen Beginn mit 55 Jahren, und zwar
sowohl für Männer als auch für Frauen“, erklärt Brenner.
In Deutschland ist noch im Jahr 2019 geplant, die Altersgrenze für die Vorsorgekoloskopie zu senken – bisher allerdings nur für Männer. Da Männer ein höheres Darmkrebsrisiko haben, wird ihnen die Darmspiegelung künftig bereits ab 50 Jahren
angeboten. „Unseren Berechnungen zufolge sollten jedoch auch Frauen bereits ab
dem 50. Lebensjahr zur Vorsorge-Koloskopie eingeladen werden“, betont Brenner in
der Pressemitteilung.
Sabrina Kempe
12
im Vergleich zu den Stadien II + III jeweils
nach Adjustierung auf Alter, Geschlecht,
geografischem Gebiet und Inzidenzjahr.
Anhand der RRRs ermittelten die Forscher
dann die Inzidenzratenverhältnisse (IRR)
in Abhängigkeit vom Screeningstatus.
5.698 der CRC-Patienten waren regelmäßig zu einem FIT eingeladen worden,
3.425 waren der Einladung nachgekommen, 5.965 hatten keine Einladung erhalten. Verglichen mit den Nichteingeladenen hatten die eingeladenen CRC-Patienten eine RRR von 2,04 (95 %-Konfidenzintervall [95 %-KI] 1,84–2,46) für ein
Stadium I-Karzinom und ein RRR von
0,77 (95 %-KI 0,69–0,87) für ein Stadium
IV-Karzinom. Intervallkarzinome waren
bei den Eingeladenen im Stadium I häufiger als bei den Nichteingeladenen (RRR
1,54), beim Stadium IV ergaben sich keine
Unterschiede. Die RRRs bei den Gescreenten in der ersten Runde im Vergleich zu
Nichtgescreenten betrugen 4,6 für Stadium I-CRC, 1,4 für die Stadien II + III und
0,7 im Stadium IV, die IRRs von Gescreenten in den folgenden Runden vs. Nichtgescreente lagen in den 3 Stadiengruppen bei
1,4, 0,8 und 0,3. Die Inzidenz von metastasiertem CRC ging durch das FIT-Screening nach der ersten Runde um 70 % zurück.
Fazit: CRC-Patienten, die sich einem FITScreening unterzogen hatten, hatten im
Vergleich zu Nichtgescreenten eine erhöhte Inzidenz für ein Stadium I-Karzinom
und eine niedrigere Inzidenz für ein Stadium IV-Karzinom. Barbara Kreutzkamp
Vicentini M et al. Impact of screening programme using the faecal immunochemical test
on stage of colorectal cancer: results form the
IMPATTO study. Int J Cancer. 2019;145(1):110-21
Im Fokus Onkologie
2019; 22 (3)
(...truncated)