Schilddrüse in speziellen Situationen
editorial
Wien Med Wochenschr (2020) 170:377–378
https://doi.org/10.1007/s10354-020-00789-4
Schilddrüse in speziellen Situationen
Peter Mikosch
Online publiziert: 19. Oktober 2020
© Springer-Verlag GmbH Austria, ein Teil von Springer Nature 2020
Die Indikationsstellung zur Schilddrüsenoperation
und vor allem in welchem Ausmaß die Schilddrüse
reseziert werden soll, ist Thema anhaltender Diskussionen. In deren Beitrag „Moderne Schilddrüsenchirurgie – das endokrin-chirurgische Verständnis
des Operateurs und seine Verantwortung für das
Resektionsausmaß und Komplikationsrate“ stellen
Hermann et al. in differenzierter Weise das chirurgische Vorgehen bei den einzelnen Indiktionen zu
einer Schilddrüsenoperation dar. Die notwendige Radikalität einer Schilddrüsenoperation wird den möglichen Komplikationen gegenübergestellt. Die Autoren
fordern eine enge Zusammenarbeit zwischen den
Diagnostikern und den Chirurgen sowie frühzeitige
Einbindung des Chirurgen. Um die differenzierten
Entscheidungsfindungen betreffend Resektionsausmaß ausreichend gut treffen zu können, fordern die
Autoren des Weiteren ein ausreichendes Verständnis und Eigenerfahrung betreffend Sonographie und
Labordiagnostik vom Chirurgen.
Jod spielt eine essentielle Rolle bei der Schilddrüsenhormonsynthese. Jodmangelzustände haben in
der Vergangenheit in vielen Regionen der Welt Jodmangelstrumen hervorgerufen. Durch die Einführung
der Zugabe von Jod zu Lebensmitteln, so z. B. in Österreich durch Jodierung des Speisesalzes, konnten
diese Jodmangelzustände und die Inzidenz der Jodmangelstruma deutlich gesenkt werden. Demgegenüber können jedoch zu hohe Jodbelastungen zu einer
Häufung von Immunthyreopathien, Dekompensation
von autonomen Adenomen führen. Mikosch et al.
Prim. Univ.-Prof. Dr. P. Mikosch ()
Teaching Unit, Medizinische Universität Wien/Medical
University Vienna, Wien, Österreich
Innere Medizin 2, Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf,
Liechtensteinstraße 67, 2130 Mistelbach, Österreich
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beleuchten in deren Artikel über „Kuranwendungen
mit jodhaltigen Thermalwasser aus thyreologischer
Sicht“ die bislang in der Literatur wenig beachtete
Konstellation einer gezielten Jodzufuhr im Rahmen
von Kuranwendungen mit jodhaltigem Thermalwasser. Neben positiven Effekten einer Kuranwendung
mit jodhaltigen Thermalwassern werden mögliche
negative Auswirkungen auf die Schilddrüse und deren Funktion dargestellt. Für den täglichen klinischen
Einsatz bei der Abwägung positiver versus negativer
Auswirkungen auf die Schilddrüse werden Kurorte
mit jodhaltigen Thermalwasser aufgelistet und ein
Workflow vorgestellt, um Patienten mit eventueller
Gefährdung betreffend einer Anwendung mit jodhaltigen Thermalwassern noch vor Kurantritt zu erfassen.
Die Hemiagenesie der Schilddrüse stellt eine seltene Anlageanomalie der Schilddrüse dar. Die meisten in der Literatur beschriebenen Fälle wurden durch
weitere Erkrankungen im vorhandenen Schilddrüsenlappen festgestellt. Anhand eines Fallberichts, bei dem
der Patient mit Hemiagenesie der Schilddrüse keine
weitere Schilddrüsenerkrankung aufwies, stellten Mikosch et al. in deren Manuskript die Frage, welche
Auswirkungen eine Hemiagenesie der Schilddrüse für
sich alleine haben kann.
Eine weitere spezielle Situation stellt die Schilddrüse im höheren Alter dar. Im Beitrag „Schilddrüse im Alter – Physiologie und Pathologie“ von Tugendsam und Kurtaran geben die Autoren einen Überblick von Schilddrüsenerkrankungen im Alter. Die Frage nach altersspezifischen TSH-Werten wird beleuchtet und darauf aufbauend ein differenziertes therapeutisches Vorgehen bei der Behandlung von Schilddrüsenfehlfunktionen bei alten Menschen präsentiert.
Die altersassoziierten Veränderungen des Schilddrüsenstoffwechsels werden des Weiteren mit im höheren Alter regelmäßig vorkommenden Komorbiditäten
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verknüpft und ein auf den alten Menschen adaptiertes
Therapiemanagment dargestellt.
Als Editor dieses Schilddrüsen-Themenheftes verbleibe ich in der Hoffnung, dem Leser interessante
und neue Einblicke in die dargestellten speziellen
Themenbereiche der Schilddrüse übermitteln zu können.
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Interessenkonflikt P. Mikosch gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Hinweis des Verlags Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
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