Welche Frauen von einer Geburtseinleitung nach 41 Wochen profitieren
Literatur kompak t
Wie Kontrazeptiva die spätere Fruchtbarkeit
beeinflussen
Die Forschung zur Kontrazeption und Fruchtbarkeit hatte sich bislang auf
orale hormonelle Kontrazeptiva konzentriert. Doch mit steigender Beliebtheit
der Methoden zur reversiblen Langzeitverhütung brauchte es neue Daten.
Die lieferten nun Forscher aus den USA.
R
eversible Langzeitverhütungsmethoden, speziell Intrauterinpessare, werden zunehmend beliebter. Daten zu den
Auswirkungen dieser Verhütungsmethode auf die Fruchtbarkeit sind bislang
kaum verfügbar, weshalb US-amerikanische Wissenschaftler diesen Zusammenhang nun an rund 18.000 Frauen
mit Kinderwunsch prospektiv untersucht haben. Die Frauen aus Dänemark,
Kanada und den USA hatten an einer
von drei prospektiven Studien (Snart
Gravid, Snart Foraeldre, PRESTO) teilgenommen, in denen evaluiert wurde,
nach wie vielen Zyklen im Durchschnitt
eine Schwangerschaft eintritt. Nach
sechs Monaten waren 56 % der Frauen
schwanger, nach 12 Monaten 77 %.
Auf die Frage, welche Verhütungsmethode zuvor überwiegend genutzt worden war, nannten 38 % der Teilnehmerinnen orale Kontrazeptiva (OC),
13 % reversible Langzeitverhütungsmethoden und 31 % Barrieremethoden. Das
Intrauterinpessar – entweder hormonhaltig (8 %) oder aus Kupfer (4 %) – war
die meist genutzte reversible Langzeitverhütungsmethode weit vor Hormonimplantat oder Depotspritze.
Bis sich nach Absetzen der Verhütungsmethode die Fruchtbarkeit wieder
normalisierte, brauchte es methodenabhängig unterschiedlich lange. Anwenderinnen der Dreimonatsspritze mussten
am längsten warten; im Vergleich zu
Barrieremethoden dauerte es fünf bis
Welche Frauen von einer Geburtseinleitung nach
41 Wochen profitieren
Je länger eine Schwangerschaft nach der 40. Woche dauert, desto höher die
Wahrscheinlichkeit für perinatalen Tod und schwere Morbidität. Eine neue
Metaanalyse liefert jetzt Hinweise darauf, dass Erstgebärende und ihre Kinder
davon profitieren, wenn die Geburt in der 41. Woche eingeleitet wird, statt bis
zur 42. Woche abzuwarten.
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in internationales Forscherteam hat
drei Studien zum richtigen Zeitpunkt
einer Geburtseinleitung analysiert. Alle
Teilnehmerinnen waren zum Untersuchungszeitpunkt gesund und in der 41.
Woche schwanger. Von fast 4.600 Frauen wollten knapp 2.300 zu diesem Zeitpunkt eine Weheninduktion. Bei 80 %
davon erfolgte sie wie geplant, bei den
anderen begann die Geburt spontan. In
einer zweiten Gruppe von rund 2.300
Schwangeren wurde bis zur 42. Schwangerschaftswoche abgewartet. Bei 30 %
dieser Frauen musste die Geburt anschließend eingeleitet werden, während
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die Wehen bei den übrigen von allein
einsetzten.
Vom kombinierten Endpunkt aus perinatalem Tod und schwerer Morbidität,
definiert als Krankheit, Trauma oder
andere Verletzung, waren zehn Neu
geborene (0,4 %) in der 41-WochenGruppe und 23 Kinder (1,0 %) in der
42-Wochen-Gruppe betroffen. Perinatale Todesfälle traten bei einer (< 0,1 %)
gegenüber acht (0,4 %) Schwangerschaften auf. 24 (1,1 %) versus 46 (1,9 %) Kinder mussten für mehr als vier Tage in
eine Neugeborenenstation aufgenommen werden.
acht Zyklen länger. Vier Zyklen länger
dauerte es bei Anwenderinnen von Verhütungspflastern; ein Plus von drei Zyklen ergab sich für orale Kontrazeptiva
und Verhütungsring. Nach Entfernen
eines Intrauterinpessars – egal ob k upferoder hormonhaltig – brauchte es zwei
zusätzliche Zyklen.
Fazit: Wie lange es nach Absetzen einer
Verhütungsmethode dauert, bis sich die
Fruchtbarkeit normalisiert, variiert in
Abhängigkeit der verwendeten Methode.
Die längste Zeitverzögerung im Vergleich zu Barrieremethoden ergab sich
für Depotspritzen, gefolgt von Hormonpflastern und oralen Kontrazeptiva. Für
Intrauterinpessare war der Verzug mit
einem Plus von zwei Zyklen relativ gering. Allerdings wollen die Studienautoren das Ergebnis zur Depotspritze mit
Vorsicht interpretiert wissen, denn der
Zeitpunkt der letzten Injektion war in
den Patientenunterlagen nicht dokumentiert.
Dr. Dagmar Kraus
Yland J J et al. Pregravid contraceptive use and
fecundability: prospective cohort study. BMJ
2020;371:m 3966
Die Unterschiede waren signifikant,
galten aber nur für Erstgebärende. Bei
allen anderen Frauen war die Anzahl der
unerwünschten Ereignisse zu gering,
um einen Effekt nachzuweisen. Der Gesundheitszustand der Mütter nach der
Geburt war in Interventions- und Kontrollgruppe ähnlich, genauso wie der
Anteil an Sectio- und Zangenentbindungen sowie Vakuumextraktionen. In einer Subgruppenanalyse mit Frauen über
und unter 35 Jahren zeigten sich keine
Unterschiede und auch auf den BMI
schien es nicht anzukommen.
Fazit: Eine Weheninduktion in der 41.
Schwangerschaftswoche scheint im Vergleich zu einem abwartenden Management die Prognose der Neugeborenen zu
verbessern. Das gilt zumindest für Erstgebärende.
Joana Schmidt
Alkmark M et al. Induction of labour at 41 weeks
or expectant management until 42 weeks: A
systematic review and an individual participant
data meta-analysis of randomised trials. PLoS
Med 2020;17:e1003436
gynäkologie + geburtshilfe
2021; 26 (1)
(...truncated)