Antientzündlich, antioxidativ und immunmodulierend

psychopraxis. neuropraxis, Mar 2021

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Antientzündlich, antioxidativ und immunmodulierend

aktuell Melatonin Antientzündlich, antioxidativ und immun modulierend Erste Untersuchungen zeigen, dass Melatonin durch verschiedene Mechanismen bei S ARS-CoV-2 sowohl präventives als auch therapeutisches Potenzial haben dürfte. FF Als wirksamer Taktgeber für den diese Weise die Auswirkungen einer SARS-CoV-2-Infektion vermindern [1]. Als Adjuvans könnte es auch die Wir kung von SARS-CoV-2-Impfungen verstärken. Allerdings nimmt die kör pereigene Produktion von Melatonin im Alter deutlich ab, was zusätzlich ein Grund für schwerere Verläufe von COVID-19 bei älteren Personen sein könnte. Eine aktuelle Literaturanalyse zeigte Ende vergangenen Jahres den Stand der Forschung bezüglich Mela tonin als Wirkstoff in Therapie und Prä vention. Einfluss auf die Entzündung Einen Ansatzpunkt in der aktiven Infektion stellt der Eintrittsweg von SARS-CoV-2 in den menschlichen Orga nismus über das Angiotensin-Con verting Enzym (ACE) 2 in die Epithel zellen der Lunge und anderer Gewebe und Organe dar. Da Melatonin ein wirksamer Inhibitor der Angiotensin II Aktivierung ist, könnte sich hier ein Wirkungsansatz ergeben. Seine über ©©©koto_feja/Getty Images/iStock Schlaf-Wachrhythmus ist die Bedeu tung des in der Zirbeldrüse gebildeten Hormons Melatonin anerkannt, und es hat sich als exogen verabreichte Anwendung in den vergangenen Jahren gut etabliert. Die positiven Fol gewirkungen eines gesunden und erholsamen Schlafs wurden bei unter schiedlichen chronischen Krankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislaufer krankungen, aber auch auf neurologi sche Morbiditäten und auf die Entwick lung eines Delirs bei Intensivpatienten nachgewiesen. Nun zeigen erste Unter suchungen, dass Melatonin durch ver schiedene Mechanismen ebenso bei SARS-CoV-2 sowohl präventives als auch therapeutisches Potenzial haben dürfte. Melatonin kommt in allen aeroben Organismen vor, mit der primären Aufgabe, die Zellen zu schützen. Es hat antioxidative, anti-inflamm atorische und immunmodulie rende Eigenschaften und könnte auf 8 Auf verschiedenen Ebenen könnte sich Melatonin als hilfreich im Kampf gegen SARS-CoV-2-Infektionen erweisen 76 psychopraxis. neuropraxis 2 · 2021 unterschiedliche Mechanismen gene rierte antiinflammatorische Wirkung setzt bei einer der massivsten Ursachen für die Schwere der Krankheitsentwick lung einer S ARS-CoV-2-Infektion an: die dramatische Erhöhung der proinflammatorischen Zytokine, die durch die Aktivierung von Neutrophilen, Makrophagen und Mastzellen ausge löst wird. Melatonin seinerseits führt zu einer Reduktion der proinflammatori schen Zytokine und zu einer Erhöhung der antiinflammatorischen Zytokine. Sowohl im Zellplasma als auch im Zellkern weist Melatonin antioxi dative und reinigende Wirkung auf freie Radikale aus. Bei Krankheiten mit einem hohen Entzündungsge schehen wie beispielsweise Diabetes mellitus, Peridontitis und schwerer Multipler Sklerose zeigte Melatonin bereits vielversprechende Ergebnisse mit einer deutlichen Reduktion der zirkulierenden Zytokinspiegel. Auch in der Akutphase einer Entzündung, beispielsweise bei hohem Stress wäh rend einer Operation, bei zerebraler Reperfusion oder der Koronararte rien, reduzierte Melatonin den Spiegel proinflammatorischer Zytokine. Pa tienten mit schwerem Verlauf einer COVID-19 weisen ein erhöhtes Risiko für Sepsis und Herzstillstand auf. Ver fügbare Daten deuten darauf hin, dass Melatonin die Kaskade des septischen Schocks abmildern kann [1]. Bessere Schlafqualität – weniger Langzeitfolgen Etwa 15 % der hospitalisierten COVID- Patienten sind von kognitiven Stö rungen betroffen, die von Bewusst seinstrübung über Verwirrtheit bis zu Delirium, Stupor und Koma rei chen können. 80 % der Patienten an einer Beatmungsmaschine leiden unter einem Delir und es ist erwiesen, dass eine tiefe Sedierung bei kritisch kranken Patienten mit einer erhöhten Langzeitsterblichkeit assoziiert ist. Da Melatonin die Notwendigkeit für Sedierung, die Häufigkeit von Schmer zepisoden, Agitiertheit und Ängst lichkeit reduzieren kann, sowie die Schlafqualität erhöht, kann damit das Risiko eines Delirs und so eine Reduk tion von negativen Langzeitfolgen erreicht werden. Verbesserte Immunantwort Im Tiermodell wurde nachgewiesen, dass Melatonin die Immunantwort auf einen Impfstoff verbessern kann, indem es die CD4+ T-Zellen und die IgG bildenden B-Zellen im peripheren Blut erhöht [1]. Die Verabreichung von exogenem Melatonin könnte also die Immunantwort einer Impfung und die Dauer deren Wirksamkeit unter stützen. Die aktuelle Datenlage weist auf die Kapazität von Melatonin hin, einen positiven (immunmodulie renden) Effekt sowohl auf die zell vermittelte als auch auf die humorale Immunantwort zu haben. Da auch das Immunsystem einem starken zir kadianen Rhythmus unterliegt, sollte eine Dosierung angestrebt werden, die einen anhaltenden Blutspiegel des Hormons über mindestens sieben bis acht Stunden erreicht. Aufgrund der kurzen Halbwertszeit müssen kurzwirksame Präparate sehr hoch dosiert verabreicht werden, während verzögert freigesetzte Melatoninzu bereitungen mit einer Dosis von 2 mg pro Tag eingesetzt werden können. Zu hoch dosierte Präparate können dagegen eine Reduktion der Immu nantwort zur Folge haben und sollten vermieden werden, stellt Maestroni fest [2]. Die antioxidativen Eigen schaften und die Mehrfachwirkung von Melatonin auf das Immunsystem können darüber hinaus mögliche Nebenwirkungen der Impfung ver hindern. Exogenes Melatonin ist gut verträglich und mögliche Nebenwir kungen sind lediglich mild und stehen in Zusammenhang mit dem Potenzial, die Schlafstruktur zu verändern. Autor: Dr. Verena Kienast Literatur 1. Cardinali DP et al (2020) Can Melatonin Be a Potential „Silver Bullet“ in Treating C OVID-19 Patients? Diseases. https://doi.org/10.3390/ diseases8040044 2. Maestroni G (2020) Exogenous melatonin as potential adjuvant in anti-SarsCov2 vaccines. J Neuroimmune Pharmacol 15:572–573. https://doi.org/10.1007/s11481-020-09956-1 Hinweis des Verlags. Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröf fentlichten Karten und Institutsadressen neutral. psychopraxis. neuropraxis 2021 · 24:76–77 https://doi.org/10.1007/s00739-021- 00714-3 © Springer-Verlag GmbH Austria, ein Teil von Springer Nature 2021 Hier steht eine Anzeige. 123 (...truncated)


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Antientzündlich, antioxidativ und immunmodulierend, psychopraxis. neuropraxis, 2021, pp. 76-77, Volume 24, Issue 2, DOI: 10.1007/s00739-021-00714-3