Propionyl-CoA-Synthase: ein Nanoreaktor mit Megapotenzial
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KA R R I ER E, KÖP FE & KON Z E P TE
Iria Grundling
(geb. Bernhardsgrütter)
2010–2016 Biologiestudium an
der ETH Zürich, Schweiz. 2016–
2020 Promotion am Max-PlanckInstitut für Terrestrische Mikrobiologie in Marburg bei Prof. Dr.
Tobias Erb. Seit 2020 Senior
Protein Engineer bei CarboCode
Germany GmbH, Konstanz.
VAAM-Promotionspreis 2021
Propionyl-CoA-Synthase: ein Nanoreaktor
mit Megapotenzial
IRIA GRUNDLING
MAX-PLANCK-INSTITUT FÜR TERRESTRISCHE MIKROBIOLOGIE, MARBURG
DOI: 10.1007/s12268-021-1578-4
© Die Autorin 2021
ó In Mikroorganismen entstanden im Laufe
der Evolution verschiedene Enzyme und
Stoffwechselwege zur CO2-Fixierung, die uns
als Inspiration zur nachhaltigen Umwandlung von CO2 dienen können. Ein autotropher
Stoffwechselweg ist der 3-HydoxypropionatBizyklus, mit seinem Schlüsselenzym Propionyl-CoA-Synthase (PCS) [1]. PCS ist ein
Fusionsenzym aus drei Domänen, das die
Umwandlung von 3-Hydroxypropionat in
Propionyl-CoA katalysiert (Abb. 1A).
Proteinkristallographie der PCS aus Erythrobacter sp. NAP1 offenbarte im Innern des
Enzyms eine Kammer, die von den drei
Domänen (Ligase, Dehydratase und Reduktase) umschlossen wird und alle drei aktiven
Zentren enthält (Abb. 1C, [2]). Wir konnten
zeigen, dass die gesamte Reaktionskaskade
innerhalb dieser Kammer abläuft, ohne dass
Zwischenprodukte freigesetzt werden. Auf
diese Weise wird verhindert, dass das toxische Zwischenprodukt Acrylyl-CoA im Cytoplasma akkumuliert. Mit einem Volumen von
nur 33 nm3 ist die Proteinkammer der PCS
die kleinste bisher beschriebene selbstorganisierte Multireaktionskammer und repräsentiert eine neue Strategie, um reaktive
Zwischenprodukte zu kanalisieren.
Doch wie gelangen Substrate und Produkte
aus der Reaktionskammer? Wir identifizierten die Ligase-Domäne als Gatekeeper. Die
CoA-Ligase durchläuft während ihrer Reakti-
on eine Konformationsänderung, welche die
Öffnung und Schließung der Reaktionskammer bewirkt. Diese hoch koordinierte Dynamik stellt sicher, dass das reaktive Zwischenprodukt nur in der geschlossenen Reaktionskammer entsteht, und macht die PCS zu
einem wahrlich raffinierten Nanoreaktor.
Die Reduktase-Domäne der PCS weist hohe
Ähnlichkeit mit Enzymen aus der Klasse der
Enoyl-CoA-Carboxylasen/Reduktasen (ECR)
auf. ECRs sind höchst effizient in der CO2Fixierung. Der Grund dafür liegt in einer
ausgereiften CO2-Bindungstasche, worin das
CO2-Molekül optimal für die Reaktion positioniert wird [3]. Zudem ist das aktive Zentrum
vom umgebenden Wasser abgeschirmt, das
andernfalls das CO2 in seiner Rolle als Elektrophil verdrängen kann. Überraschenderweise entdeckten wir die konservierten Aminosäuren dieser Bindungstasche auch in der
Reduktase-Domäne der PCS, was uns eine
bisher unbekannte Aktivität der PCS als Carboxylase vermuten ließ.
In Gegenwart von CO2 konnten wir tatsächlich Methylmalonyl-CoA als carboxyliertes
Endprodukt der PCS nachweisen, allerdings
zu einem sehr geringen Anteil von ungefähr
drei Prozent. In den restlichen 97 Prozent
katalysiert PCS die Reduktion zu PropionylCoA (Abb. 1A). Ein genauer Vergleich der
CO2-Bindungstasche in PCS und ECRs zeigt
Unterschiede in der
zweiten Schale um
A
das aktive Zentrum.
Molekular-dynamische Simulationen
bestätigten, dass dieB
C
se Unterschiede zur
Fehlorientierung
eines Asparagins im
aktiven Zentrum führen, was destabilisierend auf die CO 2Bindung wirkt (Abb.
1B).
˚ Abb. 1: Trifunktionielle Propionyl-CoA-Synthase. A, Die drei DomäDurch gezielte
nen (Ligase, Dehydratase und Reduktase) katalysieren die ReaktionsMutation konnten
kaskade von 3-Hydroxypropionat zu Propionyl-CoA bzw. Methylmalowir die korrekte Ausnyl-CoA. B, Ein Aspartat blockiert das Asparagin des aktiven Zentrums
richtung des Asparain einer Fehlorientiertung. C, Blick in die Reaktionskammer nach [2].
gins wiederherstelLigase: orange; Dehydratase: violett; Reduktase: grün.
len, wodurch sich
die Effizienz der CO2-Fixierung um das Siebenfache steigerte. Eine weitere Mutation
außerhalb des aktiven Zentrums minimiert
den Eintritt von Wasser in die CO2-Bindungstasche und somit die Reduktionsaktivität. Die
Kombination beider Mutationen resultierte
in einer PCS-Variante, die in 95 Prozent aller
Reaktionen CO2 fixiert [4]. Damit gelang es
uns, einen echten CO2-fixierenden Nanoreaktor zu erzeugen und den Kreis vom fundamentalen Verständnis der natürlichen CO2Katalyse zur Konstruktion neuer CO2-Biokatalysatoren erfolgreich zu schließen.
Danksagung
Ein herzliches Dankeschön geht an Tobias
Erb und die ganze Arbeitsgruppe. Vielen
Dank auch an die verschiedenen Kollaborationspartner und an SFB 987 und IMPRS für
die finanzielle Unterstützung.
ó
Literatur
[1] Zarzycki J, Fuchs G (2011) Coassimilation of organic
substrates via the autotrophic 3-hydroxypropionate bi-cycle
in Chloroflexus aurantiacus. Appl Environ Microbiol 77:
6181–6188
[2] Bernhardsgrütter I, Vögeli B, Wagner T et al. (2018) The
multicatalytic compartment of propionyl-CoA synthase
sequesters a toxic metabolite. Nat Chem Biol 14: 1127
[3] Stoffel GMM, Saez DA, DeMirci H et al. (2019) Four
amino acids define the CO2 binding pocket of enoyl-CoA carboxylases/reductases. PNAS 116: 13964–13969
[4] Bernhardsgrütter I, Schell K, Peter DM et al. (2019)
Awakening the sleeping carboxylase function of enzymes:
engineering the natural CO2-binding potential of reductases.
JACS 141: 9778–9782
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BIOspektrum | 03.21 | 27. Jahrgang
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