Buchrezension zu: The Doctor Who Fooled the World
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B Ü C H ER & ME DIE N
Buchrezension zu:
The Doctor Who Fooled
the World
© Johns Hopkins University Press
The Doctor Who Fooled the
World
Science, Deception and the
War on Vaccines
Brian Deer
394 S., Johns Hopkins University Press,
2020. HC, 24,99 O.
ISBN: 9781421438009
Auch als E-Book erhältlich
DOI: 10.1007/s12268-021-1557-9
© Der Autor 2021
ó Ein aktuelleres Buch kann es
nicht geben: Der britische Investigativjournalist Brian Deer zeichnet in diesem Buch einen der
größten Wissenschaftsskandale
der jüngsten Vergangenheit nach.
Normalerweise beschäftigen
Wissenschaftsskandale nur die
Spezialisten, aber leider hatte dieser Skandal bis heute weitreichende gesellschaftliche Folgen:
Andrew Wakefield, ein britischer
Arzt, dem inzwischen die Berufserlaubnis entzogen wurde, setzte
vor ca. 15 Jahren die Behauptung
in die Welt, dass Impfstoffe eine
besondere Form von kindlichem
Autismus verursachen würden.
Dies führte dazu, dass die Impfbereitschaft in etlichen Ländern
herunterging und es wieder Ausbrüche von längst verschwunden
geglaubten Infektionserkrankungen wie Masern gab – mit etlichen
(vermeidbaren) Todesfällen. Obwohl Wakefield des Betrugs überführt wurde und die entsprechenden Publikationen in sehr namhaften Journalen zurückgezogen
wurden, hält sich hartnäckig das
Gerücht, Impfungen verursachten
Autismus, und wird in entsprechenden Publikationen von Impfgegnern wie „Virus-Wahn“ von
T. Engelbrecht und C. Köhnlein
unkritisch wiederholt. Impfgegnerschaft stellt gerade bei der
Bewältigung der SARS-CoV2-Pandemie ein immenses Problem dar. Nach einem furiosen
Impfstart hat Israel jetzt ein Problem, und wer weiß, wie es in
Deutschland laufen wird.
Vor diesem Hintergrund ist das
Buch über den Wakefield-Skandal
sehr nützlich, um zu verstehen,
wie es überhaupt so weit kommen
konnte und warum eindeutig als
Fälschung identifizierte Publikationen in der Öffentlichkeit eine
so lange Halbwertszeit besitzen.
Leider gestaltete sich die Lektüre
des Buchs anstrengender als gedacht. Der Schreibstil des Autors
ist sehr speziell und für einen Wissenschaftler, der sachliche trockene Texte gewöhnt ist, nicht
leicht verdaubar. Außerdem verliert sich der Autor manchmal
sehr in unwichtigen Details. Dennoch gebührt Brian Deer großer
Dank dafür, diesen Skandal exponiert und aufgeklärt zu haben.
Denn Wakefield war kein Einzeltäter, sondern konnte seine Fälschungen nur mithilfe von Kollegen, auf impact bedachten ehrgeizigen Editoren wissenschaftlicher
Zeitschriften und potenten Geldgebern aus dem Dunstkreis von
Impfgegnern verbreiten.
Der Rezensent empfiehlt dem
Leser, zunächst die timeline im
Appendix des Buchs zu lesen, aus
der die Chronologie der Ereignisse gut hervorgeht. Dann verliert
man sich nicht so sehr in den einzelnen Kapiteln. Insgesamt war
das Buch sehr viel weniger Lesegenuss und weniger spannend als
erwartet, was nicht am Inhalt
liegt, sondern am Schreibstil.
Aber das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, und man hat mit diesem Buch ein aktuell passendes
Geschenk für jeden Wissenschaftlerkollegen parat.
Ein weiteres Buch, das mit dem
hier rezensierten Buch große thematische Überlappungen aufweist, ist „Stuck: How Vaccine
Rumors Start -- And Why They
Don‘t Go Away“ von Heidi J. Larson. Letzteres Buch betont vor
allem die unrühmliche Rolle sogenannter „sozialer“ (in diesem Falle aber asozialer) Medien bei der
Verbreitung von Lügen und Verschwörungstherorien.
ó
Roland Seifert,
Medizinische Hochschule
Hannover,
Diese Rezension erscheint Open Access.*
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BIOspektrum | 03.21 | 27. Jahrgang
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