Produktion von Öl in Cyanobakterien
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Neue Produktionsmechanismen
Produktion von Öl in Cyanobakterien
wendet. Leinöl wird z. B. aufgrund seines
hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren
für die Ernährung, aber auch als Firnis zum
Holzschutz produziert. Während ein Teil der
Fett- und Ölproduktion aus tierischen Quellen stammt, wird der größte Teil der Fette
und Öle aus Pflanzen gewonnen. Die mit
Abstand wichtigste Ölpflanze ist die Afrikanische Ölpalme, gefolgt von Sojabohne, Raps
und Sonnenblume. In Europa werden Rapsöl
und Palmöl zum großen Teil zur Biodieselproduktion eingesetzt (Beimischung von bis
zu 7 % Biodiesel zum Dieselkraftstoff gemäß
Biokraftstoffquotengesetz), daneben finden
die Öle in der Lebensmittelindustrie Verwen-
GEORG HÖLZL, PETER DÖRMANN
INSTITUT FÜR MOLEKULARE PHYSIOLOGIE UND BIOTECHNOLOGIE DER PFLANZEN
(IMBIO), UNIVERSITÄT BONN
Cyanobacteria are photosynthetically active organisms like plants and
algae, but their cell structure is less complex and they can therefore be
changed more easily. The elucidation of the biosynthetic pathway for
oil in cyanobacteria in 2020 will now enable new strategies for biotechnological oil production in microorganisms. Due to the simpler possibility of genetic modification and their photosynthetic activity, cyanobacteria are ideally suited for the biotechnological production of oil.
DOI: 10.1007/s12268-021-1563-y
© Die Autoren 2021
ó Fette und Öle biologischen Ursprungs
spielen eine entscheidende Rolle in der
menschlichen Ernährung und als nachwachsende Rohstoffe. Sie werden in großen Mengen in der Lebensmittelindustrie verwendet,
aber auch als Nahrungsergänzungsstoffe
(z. B. Fischöle mit ω-3- und ω-6-Fettsäuren)
eingesetzt. Große Mengen an pflanzlichen
Ölen werden für die Produktion von Biokraftstoffen (Biodiesel, Flugzeugtreibstoff) ver-
A
B
˘ Abb. 1: Biosynthese von Triacylglycerin in
Cyanobakterien. A, Biosyntheseweg von Triacylglycerin. Triacylglycerin entsteht in den Zellen
durch den Transfer einer dritten Fettsäure an
Diacylglycerin katalysiert durch eine Acyltransferase. B, Phylogenetischer Baum der Acyltransferasen der Triacylglycerin-Biosynthese aus verschiedenen Organismen. Der phylogenetische
Baum zeigt die Verwandtschaft (Sequenzähnlichkeit) der Acyltransferasen aus dem Cyanobakterium Synechocystis (slr2103), aus Pflanzen (Arabidopsis thaliana PES2/At3g26840 und
DGAT1, At2g19450), dem Bakterium Acinetobacter baylyi (WS/DGAT/AF529086), aus Hefe
(Saccharomyces cerevisiae, DGA1/DGAT2) und
Maus (Mus musculus, DGAT1). C, SynechocystisZellen gehören zu den photosynthetisch aktiven
Cyanobakterien. Sie können als Kolonien auf
der Oberfläche von Nährmedium in einer Petrischale wachsen. D, Eine Synechocystis-Zelle
nach einer elektronenmikroskopischen Aufnahme. Man erkennt außen ringförmige Thylakoide,
in denen die Proteine der Photosynthese eingebettet sind. In der Mitte der Zelle befinden sich
Öltröpfchen (Pfeile), die u. a. mit Triacylglycerin
gefüllt sind.
BIOspektrum | 03.21 | 27. Jahrgang
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B I O T ECH NOLOGIE
˚ Abb. 2: Strategie zur Produktion von Öl in Cyanobakterien. Geeignete Cyanobakterien mit hoher Ölproduktion werden ausgewählt und durch die
Umleitung des Kohlenstoffflusses zur Ölproduktion optimiert. Diese optimierten Stämme können in Fermentern zur biotechnologischen Ölproduktion
eingesetzt werden. Eine weitere Steigerung der Ölproduktion könnte durch stärkere Expression geeigneter Acytransferasen (X, Y, Z) erreicht werden.
DAG: Diacylglycerin (Ölvorstufe); TAG: Triacylglycerin (Öl).
dung. Fette und Öle bestehen aus Triacylglycerin (TAG), welches Glycerin enthält, das
mit drei Fettsäuren verestert ist (Abb. 1A).
Triacylglycerin wird in den Zellen aus Diacylglycerin (DAG) und einer aktivierten Fettsäure durch Enzyme, die Acyltransferasen,
synthetisiert und in Lipidtröpfchen (lipid
droplets) gespeichert. Die entsprechenden
Acyltransferasen wurden aus Tieren, Pflanzen, Algen, Hefen und Bakterien isoliert
(Abb. 1, [1]).
Neben der Isolierung von tierischen und
pflanzlichen Fetten gewinnen biotechnologische Strategien zur Produktion von Triaycylglycerin immer mehr an Bedeutung. Hierzu
werden insbesondere Grünalgen (z. B. Chlamydomonas) oder Heterokont-Algen (Nannochloropsis) aufgrund ihrer Fähigkeit zur Photosynthese verwendet [2]. Wie Pflanzen können Algen durch Photosynthese aus Kohlenstoffdioxid und Wasser Zucker synthetisieren. Algen können diesen Zucker in Triacylglycerin umwandeln, allerdings tun sie dies
bevorzugt unter bestimmten Wachstumsbedingungen, wie Stress. Diese Bedingungen
und die Tatsache, dass sie nur schwer gentechnisch verändert werden können, beeinträchtigen den großtechnischen Einsatz von
Algen zur Ölproduktion. Algen gehören wie
Tiere, Pflanzen und Hefen zu den eukaryoten
Organismen, die Zellen mit Organellen einschließlich eines Zellkerns enthalten, der
über ein Genom aus Chromosomen verfügt.
Die Komplexität der eukaryoten DNA, in
Kombination mit der in Kompartimente aufgeteilten Zellstruktur, erschwert in der Praxis die Möglichkeiten zu genetischen Verän-
derungen. Prokaryote Organismen (z. B.
Bakterien) enthalten keine Organellen und
die DNA liegt ohne Zellkern im Cytosol der
Zelle vor. Bakterien können einfach genetisch modifiziert werden, indem fremde Gene
in übertragbaren genetischen Einheiten
(Plasmiden) in die Zellen eingebracht oder
ins Genom integriert werden. Außerdem können zelleigene Gene durch homologe Rekombination ausgeschaltet werden.
Die Cyanobakterien stellen ein Phylum
innerhalb der Bakterien dar und können
ebenso wie eukaryote Algen und Pflanzen
durch Photosynthese Kohlenstoffdioxid und
Wasser in Sauerstoff und Zucker umwandeln. Der so erzeugte Zucker wird in Cyanobakterien hauptsächlich in Form von Glycogen (Zuckerpolymer) oder Polyhydroxyalkanoat (ein Polyester zur Speicherung von
Kohlenstoff) gespeichert (Abb. 2, [3]). Cyanobakterien sind aufgrund ihrer prokaryoten
Natur ideal für biotechnologische Anwendungen geeignet. Gentechnisch angepasste
Cyanobakterienstämme werden bereits zur
Produktion von Ethanol oder Wasserstoff eingesetzt [4, 5]. Allerdings blieb die Antwort
auf die Frage, ob Cyanobakterien auch Triacylglycerin synthetisieren können, kontrovers.
Im Jahr 2020 gelang es unserer Arbeitsgruppe, das Gen für die Triacylglycerinsynthese aus dem Cyanobakterium Synechocystis
zu isolieren und zu charakterisieren [6]. Dieses Gen enthält die Erbinformation für eine
neue Acyltransferase (slr2103), die eine Ähnlichkeit zu pflanzlichen Enzymen zeigt, die
an der Wachsestersynthese in Chloroplasten
beteiligt sind [7]. Diese Acyltransferase aus
Synechocystis ist ein Mitglied einer neuen
Klasse von Triacylglycerin-Synthasen, welche verschieden von den bisher bekannten
Acyltransferasen aus Tieren, Hefen, Pflanzen
und nicht photosynthetischen Bakterien (z.
B. Acinetobacter) sind (Abb. 1B, [1]).
Der Gehalt an Triacylglycerin in Synechocystis ist zu gering für eine biotechnologische
Nutzung [6]. Daher ist es notwendig, nach
anderen Cyanobakterienstämmen zu suchen,
die größere Mengen an Triacylglyce (...truncated)