Buchrezension zu: Kann Wissenschaft witzig?
570
B Ü C H ER & ME DIE N
Buchrezension zu:
Kann Wissenschaft
witzig?
© Springer
Kann Wissenschaft witzig?
Wissenschaftskommunikation
zwischen Kritik und Kabarett
Marc-Denis Weitze, Wolfgang
C. Goede, Wolfgang M. Hecke
(Hrsg.)
266 S., Springer, 2021. SC, 20,00 O.
ISBN: 9783662615812
Auch als E-Book erhältlich
DOI: 10.1007/s12268-021-1634-0
© Der Autor 2021
ó Witzigkeit kennt keine Grenzen, das wissen wir spätestens
seit dem letzten Jahrtausend. Ob
Witzigkeit auch vor der Wissenschaft nicht haltmachen kann
oder darf und diese nachhaltig
bereichert, muss jede:r Leser:in
nach der Lektüre dieses Buchs
von Marc-Dennis Weitze, Wolfgang Goede und Wolfgang Heckl
für sich entscheiden. Ein Blick
lohnt sich auf jeden Fall. Denn
diese drei Herren, ihres Zeichens
Wissenschaftler und erfahrene
Lehrende bzw. Dozenten, haben
dafür andere Herren eingeladen,
ihre (wissenschaftliche) Komik
sowie ihre Gedanken und Erfahrungen dazu in Beiträgen vorzustellen. Und so findet man neben
sehr bekannten Namen wie
Eckart von Hirschhausen und
Jean Pütz auch eher unbekannte
und jüngere Komödianten jeder
Couleur. Allerdings mit Ausnahme
einer Münchner Komikerin und
einer spanischen Kabarettistin als
Ko-Autorinnen keine Frauen; witzige Wissenschaft scheint auf den
ersten Blick also entweder sehr
männlich zu sein oder fast nur von
Männern beherrscht zu werden.
Das Ziel der Herausgeber ist es,
ein „Kochbuch“ mit Rezepten für
den humorvollen Umgang mit
Wissenschaft zu schreiben und zu
zeigen, dass „die Wissenschaft“
nicht immer bierernst, humorbefreit und hochgelehrt daherkommen muss. Das ist eine gute und
wichtige Sache, denn Wissenschaft, die breitentauglich sein
und rezipiert werden will, muss
die Zuhörer:innen bzw. Leser:innen erreichen und eine Geschichte (ebenfalls bekannt als
das Narrativ) daraus machen.
Somit ist es im Ende ein Buch
über Kommunikation aus Sicht
der Sender, die sich versuchen in
die Empfänger:innen hineinzuversetzen, Erfahrungswerte vorzustellen und die Leserschaft im
besten Sinne auch zu unterhalten.
Ist das nun ein „fesselndes
Feuerwerk“ geworden? Humor ist
subjektiv, und so mögen die einen
Leser:innen die Beiträge und Beispiele witzig und hilfreich finden,
die anderen sie eher für durchschnittlich unterhaltsam bis abwegig halten. Es sind gute Ideen
und Ansätze für eine unterhaltsame, wirksame Wissenschaftskommunikation dabei. Sicherlich
ist Komik als Kommunikationselement ebensowenig neu wie Wissenschaftshumor, doch die Verbindung zwischen den beiden ist
relativ modern und frisch – und
wichtig. Vermutlich hat nicht
jede:r Lust, gleich einen Science
Slam zu organisieren oder ein
Lied mit gereimtem Text zu kreieren. Doch dem eigenen Vortrag,
dem Artikel in einer Publikation
oder der Präsentation im Seminar
etwas mehr Würze mit Humor zu
verleihen, sich Ideen aus dem
Drehbuch zu holen und es mit
Selbstironie zu versuchen, kann
niemandem schaden.
Womit auch die Frage beantwortet ist, an wen sich die Herausgeber wenden: an alle, die
Wissenschaft „machen“ und diese in die Welt bringen wollen, vom
Beginn des Studiums bis zum professoralen Gipfel der akademi-
schen Weihen. Probieren Sie es
aus!
ó
Jochen O. Ley,
Humboldt-Universität zu Berlin,
Diese Rezension erscheint Open Access.*
* Funding note: Open Access funding
enabled and organized by Projekt DEAL.
Open Access: Dieser Artikel wird unter
der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und
Wiedergabe in jeglichem Medium und
Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle
ordnungsgemäß nennen, einen Link zur
Creative Commons Lizenz beifügen und
angeben, ob Änderungen vorgenommen
wurden. Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial
unterliegen ebenfalls der genannten
Creative Commons Lizenz, sofern sich
aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das betreffende Material nicht unter der genannten Creative
Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung nicht nach gesetzlichen
Vorschriften erlaubt ist, ist für die oben
aufgeführten Weiterver wendungen des
Materials die Einwilligung des jeweiligen
Rechteinhabers einzuholen. Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der
Lizenzinformation auf
http://creativecommons.org/licenses/
by/4.0/deed.de.
BIOspektrum | 05.21 | 27. Jahrgang
(...truncated)