Duale Rezeptorsignale: Wie setzen Adhäsions-GPCR Signale in Funktion um?
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G-Protein-gekoppelte Rezeptoren
Duale Rezeptorsignale: Wie setzen Adhäsions-GPCR Signale in Funktion um?
VICTORIA ELISABETH GROSS, SIMONE PRÖMEL
INSTITUT FÜR ZELLBIOLOGIE, UNIVERSITÄT DÜSSELDORF
Adhesion GPCR are exceptional receptors due to their functional and
structural diversity. A key to their function/signalling, setting them
apart from other GPCR, is their extraordinarily large, complex
N terminus, via which they mediate different molecular mechanisms
and integrate diverse biological functions. Here, we discuss dual
modes of adhesion GPCR action and how they translate into physiological functions: activation of G protein pathways and signals solely
elicited by the N terminus.
DOI: 10.1007/s12268-021-1625-1
© Die Autorinnen 2021
ó Um miteinander und mit der Umwelt
kommunizieren zu können, nutzen unsere
Zellen eine Vielzahl an Oberflächenmolekülen. Eine Familie dieser Moleküle sind
G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR),
welche verschiedenste Stimuli – wie beispielsweise Hormone, Metabolite, oder auch
Photonen – außerhalb der Zelle detektieren
und in Form von Signalen ins Zellinnere
A
B
übersetzen. Aufgrund ihrer Lage auf der Zelloberfläche und ihrer damit verbundenen
guten Zugänglichkeit sowie ihrer Beteiligung
an einer Vielzahl von (patho)physiologischen
Prozessen werden GPCR oft als pharmakologische Zielstrukturen genutzt. Jedoch ist das
pharmakologische Potenzial nicht von allen
GPCR gleichermaßen erschlossen. Zu den
kaum erschlossenen Rezeptoren gehören die
Adhäsions-GPCR, welche mit 33 Paralogen
im Menschen die zweitgrößte Klasse der
GPCR bilden. Ihre diversen Funktionen in
neurobiologischen, immunologischen, entwicklungsbiologischen oder metabolischen
Prozessen [1] zeigen ihre Bedeutung für den
Organismus. Zudem deuten Defekte in
bestimmten Vertretern, die zu schwerwiegenden Erkrankungen wie dem Usher-Syndrom, der bilateralen frontoparietalen Polymikrogyrie oder der vibratorischen Urtikaria
führen [2], ihre klinische Relevanz an.
Adhäsions-GPCR vermitteln
verschiedenste Funktionen
Adhäsions-GPCR sind besondere GPCR. So
sind sie nicht nur insgesamt in ihren Funktionen divers, auch ein einzelner Rezeptor
spielt meist mehrere unterschiedliche Rollen
in verschiedenen Kontexten. Um diese zu
realisieren, besitzen die Moleküle neben den
typischen strukturellen GPCR-Charakteristika, wie der Siebentransmembrandomäne
und einem intrazellulären C-Terminus,
außergewöhnlich große und komplexe extrazelluläre N-Termini (Abb. 1). Sie enthalten je
nach Adhäsions-GPCR eine spezifische Kombination an Domänen, wie beispielsweise
Cadherin-, Laminin-, EGF-(epidermal growth
factor), Ig-(Immunglobulin), oder PentraxinDomänen. Aufgrund der adhäsiven Eigenschaften dieser Domänen war schon früh
bekannt, dass Adhäsions-GPCR nicht nur
Signale in Zellen weiterleiten, sondern auch
¯ Abb. 1: Cis-Signale von Latrophilinen und
ihre physiologische Funktionen. A, Der von
LPHN3 vermittelte Gi-Signalweg (links) führt
nach Rezeptoraktivierung durch die Stachelsequenz über Inhibition der Adenylylcyclase
(AC) zu einem verringerten cAMP-Spiegel in
Zellen (Mitte) und zu einer Reduktion der
Insulinausschüttung aus pankreatischen Inseln
(rechts). B, Das Latrophilin-Homolog LAT-1 in
Caenorhabditis elegans aktiviert einen Gs-Signalweg (links), wodurch die Produktion von
cAMP erhöht wird (Mitte), was die korrekte
Ausrichtung der anterior-posterioren (a-p) Zellteilungsebene im Embryo bewirkt (rechts).
Erstellt mit BioRender.
BIOspektrum | 05.21 | 27. Jahrgang
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Adhäsion vermitteln. Eine Domäne ist fast
allen Adhäsions-GPCR gemeinsam: die
GAIN(GPCR-autoproteolysis-inducing)-Domäne, in der sich in vielen Fällen die GPCR proteolysis site (GPS) befindet, die der Ort einer
autokatalytischen Spaltung ist [3]. Obwohl
etliche Rezeptoren an dieser Stelle prozessiert werden, ist ihre Bedeutung noch nicht
geklärt.
Die vielen unterschiedlichen Domänen in
den N-Termini von Adhäsions-GPCR deuten
auf ein großes Repertoire an Liganden hin.
Jedoch sind bislang nur einige identifiziert,
bei denen es sich meist um Komponenten der
extrazellulären Matrix oder um Moleküle auf
benachbarten Zellen handelt [4]. Die Aktivierung von Adhäsions-GPCR ist derzeit noch
nicht hinreichend verstanden. Es ist allerdings bekannt, dass sie mechanosensitive
Eigenschaften besitzen und dass sie über
einen gebundenen Agonisten aktiviert werden, der in ihren N-Termini gelegen ist und
Stachelsequenz genannt wird (Abb. 1, [5]).
Die Rezeptoraktivierung führt dabei, wie bei
anderen GPCR auch, meist zu einem klassischen Signal, das intrazellulär über heterotrimere G-Proteine vermittelt wird.
All diese strukturellen und funktionellen
Eigenschaften von Adhäsions-GPCR deuten
– zusätzlich zu den klassischen Mechanismen – auf diverse ungewöhnliche molekulare Funktionen und Signale hin. Wie Adhäsions-GPCR ihre verschiedenen Funktionen
auf molekularer Ebene realisieren und vor
allem, wie die großen, komplexen N-Termini
als Drehscheibe der Rezeptoren die Funktionen koordinieren, ist derzeit Gegenstand
aktiver Forschung.
Signale in die Zelle – cis signalling
Viele Adhäsions-GPCR sind hochkonserviert,
es existieren Vertreter in Vertebraten sowie
Invertebraten. Diese lassen sich gut als
„prototypische“ Adhäsions-GPCR nutzen, um
ein detailliertes Verständnis darüber zu
erlangen, welche Signale die Rezeptoren vermitteln und wie sie diese in physiologische
Funktionen übersetzen. Eine Gruppe solcher
Adhäsions-GPCR sind beispielsweise die
Latrophiline. Während in Säugern drei
Homologe existieren (Lphn1-3/Adgrl1-3),
weist der Fadenwurm Caenorhabditis elegans
zwei Vertreter auf (lat-1, lat-2). Alle drei
Latrophiline in Säugern besitzen, wie viele
andere Adhäsions-GPCR auch, verschiedene
Funktionen. So spielen LPHN1 und LPHN3
sowohl in Neuronen eine wesentliche Rolle
[6, 7], als auch in pankreatischen Inseln. In
BIOspektrum | 05.21 | 27. Jahrgang
Letzteren konnte unsere Gruppe mit zeigen,
dass LPHN3 die Insulinsekretion moduliert
– die Aktivität des Rezeptors reduziert die
Ausschüttung des Hormons [8]. Dabei ist
zwar noch nicht bekannt, welche Moleküle
in diesem Fall an den Rezeptor binden,
jedoch wird er über die im N-Terminus gelegene Stachelsequenz aktiviert. Der so aktivierte Rezeptor vermittelt über eine Gi-Protein-Kaskade ein Signal in die Zelle (cis-Signal). Das aktivierte Gi-Protein (GTP-bindend)
bewirkt eine Inhibition der Adenylylcyclase,
welche im aktiven Zustand ATP zum second
messenger zyklisches AMP (cAMP) umwandelt. Die Inhibition führt somit zu einer
Reduktion des cAMP, was wiederum über
mehrere, noch unbekannte Schritte, zu
einem Herabsenken der Insulinausschüttung
führt (Abb. 1A).
Interessanterweise unterscheidet sich dieses LPHN3-Molekül in pankreatischen Zellen
in seinem Aufbau von dem in Neuronen. Verschiedene Splicevarianten führen hier zu
zwei Rezeptorversionen, welche sich hauptsächlich im Bereich der Siebentransmem-
brandomäne und dem intrazellulären C-Terminus unterscheiden. Diese Unterschiede
bewirken, da (...truncated)