Buchrezension zu: Die Idee des Humanen
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B Ü C H ER & ME DIE N
Buchrezension zu:
Die Idee des Humanen
© Hirzel
Die Idee des Humanen
Rudolf Virchow und Hermann
von Helmholtz
Das Erbe der Charité
Ernst Peter Fischer und
Detlev Ganten
263 S., Hirzel, 2021. HC, 22,90 O.
ISBN: 9783777629025
Auch als E-Book erhältlich
DOI: 10.1007/s12268-021-1656-7
© Der Autor 2021
ó Der Titel des Buchs „Die Idee
des Humanen“ ist „A Tall Order“,
wie man in den USA so schön
sagt, um sie auf gerade einmal
250 Seiten Text abzuhandeln.
Ernst Fischer ist ein bekannter
Wissenschaftshistoriker und
Detlev Ganten ein bekannter klinischer Pharmakologe, der über
viele Jahre das Max-DelbrückZentrum in Berlin leitete. Das
Buch entstand zum Anlass des
200. Geburtstags der beiden großen Forscherpersönlichkeiten
Rudolf Virchow und Hermann von
Helmholtz in diesem Jahr. Beide
Forscher haben auf verschiedene
Weise sehr wichtige Beiträge zur
Medizin geleistet und haben unterschiedlich starke Wurzeln in
Berlin.
Die große Stärke des Buchs
liegt in den sehr lebendigen und
einprägsam beschriebenen Biografien der beiden Protagonisten
im Mittelteil auf den Seiten 73–
168. Dieser Abschnitt ist sehr lesenswert und zeigt gut auf, wie
Virchow und Helmholtz, zwei ganz
unterschiedliche Persönlichkeiten, ihren eigenen Weg gingen,
um eine Wissenschaft mit
Menschlichkeit voranzubringen.
Diesen Teil kann man sehr gut
unabhängig vom Rest des Buchs
in wenigen Stunden lesen.
Warum betont der Rezensent
dies? Im vorderen und hinteren
Teil versuchen die beiden Autoren, „das Humane“ nicht nur im
Zusammenhang mit Virchow und
Helmholtz darzustellen, sondern
im weiteren Sinne mit der Charité,
der Wissenschaftsstadt Berlin
vom 19. Jahrhundert bis zum heutigen Tage und darüber hinaus mit
globalen Entwicklungen in der
Wissenschaft bis hin zu CRISPR/
Cas (Emmanuelle Charpentier)
sowie der SARS-CoV-2-Pandemie
(Christian Drosten). Das ist es,
was der Rezensent als „A Tall
Order“ bezeichnet. Es ist einfach
sehr schwer, so viele unterschiedliche Aspekte der Wissenschaft
auf dem naturgemäß begrenzten
Platz eines typischen Sachbuchs
unterzubringen. Daher bleibt das
Buch im vorderen und hinteren
Abschnitt oft recht oberflächlich
und unfokussiert. Der Bogen ist
sehr weit gespannt, aber „you
can’t get it all“ auf 250 Seiten.
Man merkt doch deutlich, dass
das Buch von zwei sehr unterschiedlich denkenden Autoren
geschrieben wurde. Wenn sich
der Leser über die Biografien von
Virchow und Helmholtz informieren möchte, so ist es eine kurzweilige und interessante Lektüre.
Auch werden wichtige Aspekte
der Wissenschaftsgeschichte und
Wissenschaftsphilosophie angerissen, aber ohne ausreichend
vertieft zu werden. Die erfahrenen
Autoren sollten überlegen, ob sie
die Thematik in weiteren fokussierten Büchern vertiefen. Der
Preis des technisch sehr gut aufgemachten Buchs ist angemessen. Nützlich sind Zeittafeln zur
Geschichte der Charité sowie
ein Verzeichnis weiterführender
Literatur.
ó
Roland Seifert,
Medizinische Hochschule
Hannover,
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Diese Rezension erscheint Open Access.*
BIOspektrum | 07.21 | 27. Jahrgang
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