ProFiT: eine MS-basierte Methode zur Skelettmuskelfasertypisierung
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Methoden der Proteinforschung
ProFiT: eine MS-basierte Methode
zur Skelettmuskelfasertypisierung
SEBASTIAN KALLABIS 1, MARCUS KRÜGER 1,2
1 CECAD RESEARCH CENTER, UNIVERSITÄT ZU KÖLN
2 ZENTRUM FÜR MOLEKULARE MEDIZIN KÖLN (ZMMK), UNIVERSITÄT ZU KÖLN
Skeletal muscle tissue is composed of different fiber types which
differ in their metabolic activity and molecular expression patterns.
Mass spectrometric analyses revealed muscle fiber-specific traits but
the number of detected proteins is limited due to low protein abundance and high dynamic range. We have developed a new LC-MS/MS
method to circumvent the bottleneck of low protein abundance and we
have applied this method to measure fiber type-specific phosphoproteomes for the first time.
DOI: 10.1007/s12268-021-1671-8
© Die Autoren 2021
ó Der menschliche Körper besteht zu
30–40 Prozent aus Skelettmuskeln, die in
mehr als 650 verschiedene Muskeln einteilbar sind. Jeder Muskel besteht aus einer großen Anzahl an Muskelfasern, jede Faser wiederum enthält viele parallel angeordnete
Myofibrillen. Diese setzen sich aus aneinandergereihten Sarkomeren zusammen und
sind die kleinste funktionelle Einheit eines
Muskels. Im Sarkomer erzeugt eine
Adenosintriphosphat(ATP)-abhängige Interaktion zwischen Myosin- und Aktinfilamenten schließlich die eigentliche Muskelkontraktion, die auch als cross bridge cycle
beschrieben wird [1]. Auf molekularer Ebene
wird die Einteilung der Skelettmuskelfasern
bezüglich ihrer Ausdauer und Kontraktionsgeschwindigkeit u. a. durch die Expression
unterschiedlicher Myosine (MYH) reguliert
(Abb. 1A). Bei Säugetieren gibt es vier verschiedene Muskelfasertypen. Langsame Typ-
˘ Abb. 1: Bestimmung von Muskelfasertypen.
A, Fasertypcharakteristika. B, Detektion oxidativer Fasertypen (gekennzeichnet mit *) mittels
des Succinat-Dehydrogenase-Assays. C, antikörperbasierte Immunfluoreszenz gegen fasertypspezifische Myosine. Maßstabsbalken:
100 μm. Arbeitsablauf zur Auftrennung (D),
Quantifizierung (E) und Identifizierung (F) tryptischer Peptide mittels LC-MS/MS.
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I-Fasern exprimieren MYH7, weisen die
geringste Kontraktionsgeschwindigkeit auf
und produzieren ATP größtenteils durch oxidative Phosphorylierung innerhalb der Mitochondrien (Abb. 1B, C). Schnelle Typ-IIAFasern exprimieren MYH2, Typ-IIX-Fasern
MYH1 und Typ-IIB-Fasern MYH4. Die Kontraktionsgeschwindigkeit der IIX-Fasern
liegt dabei zwischen den langsameren IIAund den schnelleren IIB-Fasern [2]. Typ-IIBFasern gewinnen ATP hauptsächlich durch
Glykolyse und ermüden deutlich schneller
als oxidative Typ-I-Fasern. Zusätzlich existieren gemischte Fasertypen, z. B. Typ I/IIA,
IIA/IIX oder IIX/IIB, die Merkmale mehrerer
Typen aufweisen [3].
A
B
D
C
E
F
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W I S S EN S CH AFT · S PECIA L : PROTE INANALYTI K
A
Jeder Muskel hat eine individuelle Zusammensetzung an Fasertypen und reagiert dementsprechend unterschiedlich auf externe
Stimuli, z. B. Training, Ernährung oder
Erkrankungen. Fasertypspezifische Untersuchungen der Muskeln sind essenziell, um
die Physiologie und molekularen Anpassungsmechanismen der Skelettmuskulatur
besser zu verstehen.
B
Biochemische Methoden zur
Bestimmung von Muskelfasertypen
C
˚ Abb. 2: ProFiT-Arbeitsablauf. A, Isolation einzelner Muskelfasern aus Muskeln und Proteinextraktion. B, 10 Prozent der Lysate werden auf eine Testplatte übertragen, tryptisch verdaut und
mittels einer kurzen LC-MS/MS-Methode analysiert. C, Nach Bestimmung der Fasertypen mittels
Myosin-Expressionslevel werden gleiche Fasertypen vereinigt. Adaptiert nach [7].
A
B
Bisher wurde eine Vielzahl biochemischer
Methoden zur Bestimmung von Muskelfasertypen entwickelt. Myosin-ATPase-Aktivitätsassays oder immunhistologische Anfärbungen fasertypspezifischer Myosine auf
Muskelschnitten haben dazu beigetragen,
molekulare Mechanismen der Skelettmuskulatur zu verstehen [4]. In den letzten Jahren
hat sich zusätzlich die Massenspektrometrie
(MS) als analytisches Werkzeug für eine
unvoreingenommene Analyse globaler Proteinexpressionsmuster (Proteomik) in Muskelfasern etabliert [5, 6].
In der von uns verwendeten shotgun-Proteomik (LC-MS/MS) werden Proteingemische
zunächst enzymatisch mittels der Endoprotease Trypsin verdaut. Nach Aufreinigung
der Peptide werden diese mittels Umkehrphasenchromatographie aufgetrennt, um
die Komplexität der Probe zu verringern
(Abb. 1D). Die Signalintensitäten intakter
C
D
˚ Abb. 3: Anwendungsmöglichkeiten. A, Fasertypverteilungen bestimmt durch ProFiT (Balken: % MYH-Isoform/Faser) und Immunhistochemie. B,
TPM1/MYH4-Expression in TA und EDL der Maus. MYH4-positive Fasern markiert durch a (TA) oder b (EDL). C, MYL1-Protein- und -Phosphopeptidlevel
in Typ-I- und Typ-IIA-Muskelfasern. D, Titin-Phosphorylierung in Typ-I- und Typ-IIA-Muskelfasern. Adaptiert nach [7].
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Peptide werden zur Quantifikation verwendet (Abb. 1E) und Peptidfragmentierungsmuster erlauben, nach Abgleich mit
einer Proteindatenbank, die Identifikation
der Peptidsequenz (Abb. 1F).
Trotz vieler Vorteile globaler Proteomikexperimente ist die Analyse komplexer
biologischer Proben auch limitiert. In
Muskelfasern dominieren einige Dutzend
strukturelle und sarkomerische Proteine
(u. a. MYH), während der Großteil anderer
Proteine deutlich niedriger konzentriert
vorliegt. Diese hohe Dynamik erschwert
die Detektion gering exprimierter Proteine, da in LC-MS/MS-Analysen hoch konzentrierte Peptide bevorzugt werden.
Zusätzlich beeinträchtigt die geringe
Menge des Probenmaterials einzelner
Muskelfasern die LC-MS/MS-Analyse.
ProFiT – eine robuste Methode zur
Charakterisierung von
Muskelfasertypen
Um das Problem geringer Proteinmengen
einzelner Fasern zu umgehen, haben wir
die ProFiT(proteomics fiber typing)-Methode zur schnellen und robusten Bestimmung von Muskelfasertypen mittels LCMS/MS entwickelt [7].
Die Probenvorbereitung erfolgt folgendermaßen: Nach der Isolierung verschiedener Muskeln, wie Soleus und Extensor
digitorum longus (EDL) aus dem Hinterbein der Maus, werden einzelne Muskelfasern aus der extrazellulären Matrix
mittels Collagenaseverdau gelöst und die
Proteine extrahiert. Im nächsten Schritt
werden ca. zehn Prozent der Proteinlysate
entnommen und für die massenspektrometrische Bestimmung der Muskelfasertypen mittels ProFiT verwendet (Abb. 2A).
Da Myosine zu den abundantesten Proteinen im Muskel gehören, reichen kurze
chromatographische Gradienten von ca.
fünf Minuten aus, um die am häufigsten
vorkommenden Proteine zu detektieren
und daraus den jeweiligen Fasertypen zu
bestimmen (Abb. 2B). Beispielsweise ist
eine Typ-I-Faser dadurch charakterisiert,
dass MYH7 zu mehr als 80 Prozent der
Gesamtmenge aller muskelspezifischen
Myosine beiträgt. Zusätzlich können auch
gemischte Fasertypen, die mehrere Myosine exprimieren, akkurat identifiziert
werden. Da wir für ProFiT nur ca. zehn
Prozent der Muskellysate verwenden,
kann das restliche Lysat jeder einzelnen
Probe mit Fasern des gleichen MuskelfaBIOspektrum | 07.21 | 27. (...truncated)