Buchrezension zu: Robert Kochs Affe

BIOspektrum, Mar 2022

Seifert, Roland

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Buchrezension zu: Robert Kochs Affe

227 Buchrezension zu: Robert Kochs Affe © Hirzel Robert Kochs Affe Der grandiose Irrtum des berühmten Seuchenarztes Michael Lichtwarck-Aschoff 283 S., Hirzel, 2021. HC, 24,00 O. ISBN: 9783777629179 Auch als E-Book erhältlich DOI: 10.1007/s12268-022-1696-7 © Der Autor 2022 ó Um dieses Buch richtig verstehen und einordnen zu können, sollten geneigte Leser über gute Grundlagen der Mikrobiologie und Hygiene verfügen, und das Leben von Robert Koch sowie einer Schlüsselperson („Typhoid Mary“, einer gesunden Trägerin von Salmonella typhimurium) kennen. Außerdem sind gute Grundkenntnisse der Geschichte des deutschen Kaiserreiches (1871−1918) sowie der deutschen Kolonialgeschichte von Vorteil. Ordentliche Vorkenntnisse der Medzingeschichte sind ebenfalls von Nutzen. Dadurch lassen sich bestimmte Handlungen, Ansichten und Irrtümer von Robert Koch besser einordnen. Als Crashkurs sollten zumindest die einschlägigen, sehr informativen WikipediaSeiten gelesen werden. Ohne diese Vorkenntnisse und Einordnung kann man leicht zu dem (Fehl-)Urteil kommen, dass Robert Koch eine ganz grauenvolle Person mit niedrigem ethischmoralischen Standard war; ein Rassist mit Ansichten, die einen Vorgeschmack auf den Nationalsozialismus geben. Denn dieses Buch ist kein normales Sachbuch über eine sehr interessante historische Epoche, sondern ein Hybrid aus Sachbuch BIOspektrum | 02.22 | 28. Jahrgang und Roman (mit Tendenz zum Roman), in dem Begebenheiten aus dieser Zeit in einem durchaus unterhaltsamen und locker geschriebenen Stil dargestellt werden. Im ersten Teil wird die Thyphusepidemie in der Eifel nachgezeichnet und die Bemühungen von Koch, diese in den Griff zu bekommen. Der zweite Teil stellt die gescheiterte Afrikaexpedition von Koch nach Ostafrika zur Bekämpfung der Schlafkrankheit dar und der dritte Teil (mit dem geringsten direkten Bezug zu Koch) die Geschichte von Typhoid Mary in New York City. Aus heutiger Sicht besteht kein Zweifel, dass viele der Handlungen und Ansichten Kochs indiskutabel waren, aber man muss den historischen Kontext, das gesellschaftliche Umfeld und das damalige unzulängliche wissenschaftliche Wissen berücksichtigen. Natürlich ist es erschreckend, wie an ostafkrikanischen Menschen „Heilversuche“ mit toxischen Arsenpräparaten durchgeführt wurden. Aber man darf nicht vergessen, dass man noch in den 1940er-Jahren Arzneistoffe am Menschen einfach „ausprobierte“ und dadurch per Zufall zu einem der wertvollsten psychiatrischen Arzneistoff bis zum heutigen Tag, dem Lithium, gelangte, dessen Entdeckungsgeschichte vor einiger Zeit in dieser Rubrik dargestellt wurde (BIOspektrum 26: 117 (2020)). Alles in allem sollte man das Buch am besten mit kritischer Distanz und dem entsprechenden Vorwissen lesen. Dem Rezensenten hätte ein „echtes“ kritisches Sachbuch über Robert Koch mehr gebracht. ó Roland Seifert, Medizinische Hochschule Hannover, Diese Rezension erscheint Open Access.* * Funding note: Open Access funding enabled and organized by Projekt DEAL. Open Access: Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das betreffende Material nicht unter der genannten Creative Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für die oben aufgeführten Weiterver wendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der Lizenzinformation auf http://creativecommons.org/licenses/ by/4.0/deed.de. (...truncated)


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Seifert, Roland. Buchrezension zu: Robert Kochs Affe, BIOspektrum, 2022, pp. 227, Volume 28, Issue 2, DOI: 10.1007/s12268-022-1696-7