Studie stützt Virushypothese bei Multipler Sklerose

psychopraxis. neuropraxis, Mar 2022

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Studie stützt Virushypothese bei Multipler Sklerose

aktuell Das Wichtigste in Kürze Frage: Welche psychischen Langzeitfolgen hat COVID-19? Antwort: In der Postakutphase im ersten Jahr nach der Infektion besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für Depressionen, Angst- und Suchterkrankungen – auch bei Patienten, die aufgrund ihrer Infektion nicht stationär behandelt werden mussten. Bedeutung: Offenbar sind COVID- Genesene besonders empfänglich für psychische Probleme. Einschränkung: Geringer Frauenanteil in der Studie, reverse Kausalität möglich. Quelle: www.aerztezeitung.de/ Thomas Müller Über mögliche Ursachen wird spekuliert Offenbar sind COVID-Genesene besonders empfänglich für psychische Probleme. Ein Grund könnte schlicht die stärkere Krankheitslast sein: C OVID verläuft auch bei vielen Patienten ohne Klinikaufnahme deutlich schwerer als eine Influenza. Die Entzündungsprozesse könnten nachhaltig die Psyche beeinflussen, so Xie und Mitarbeiter. Auf der anderen Seite ist vielleicht auch eine reverse Kausalität von Bedeutung: In mehreren anderen Studien wurde ein erhöhtes Infektionsrisiko für psychisch Kranke erkannt. Literatur 1. Xie Y, Xu E, Al-Aly Z (2022) Risks of mental health outcomes in people with covid-19: cohort study BMJ 376:e068993. https:// doi.org/10.1136/bmj-2021-068993 Hinweis des Verlags. Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral. psychopraxis. neuropraxis 2022 · 25:60–62 https://doi.org/10.1007/s00739- 022-00801-z © The Author(s), under exclusive licence to Springer-Verlag GmbH Austria, ein Teil von Springer Nature 2022 EBV als notwendiger Faktor Studie stützt Virushypothese bei Multipler Sklerose Ohne Epstein-Barr-Virus (EBV) keine Multiple Sklerose – diese Beobachtung wird durch eine neue Studie bestätigt. Danach steigt das MS-Risiko nach einer spät auftretenden EBV-Infektion drastisch, nicht so im Anschluss an andere virale Infekte. FF Eine frappierende Erkenntnis alle M S-Kranken sind seropositiv für das Epstein-Barr-Virus (EBV), dagegen kann sich in der übrigen Bevölkerung ©©jarun011/Getty Images/iStock zu Multipler Sklerose (MS) beschäftigt Forscher schon lange: Praktisch 8 Einer US-Analyse zufolge scheint EBV ein notwendiger Faktor für eine MS-Erkrankung zu sein. Eine frühe und wirksame Impfung gegen EBV könnte vor MS schützen 62 psychopraxis. neuropraxis 2 · 2022 ein kleiner Teil einer EBV-Infektion entziehen, zumindest einer Infektion, die Antikörper hinterlässt. Da sich aber rund 95 % aller Menschen im Laufe ihres Lebens mit EBV infizieren und davon nur ein winziger Bruchteil an MS erkrankt, ist EBV allenfalls einer von mehreren relevanten MS-Risikofaktoren. Die fast vollständig fehlende Existenz von EBV-seronegativen M S-Kranken legt nahe, dass E BV zwar kein ausreichender, aber doch ein notwendiger kausaler Faktor sein könnte. Dies zu belegen ist nicht einfach, so fehlten bislang klare Hinweise auf einen zeitlichen Zusammenhang mit der EBV-Exposition, auch könnte eine generelle Infektionsneigung bei M S- Patienten hinter dem Risiko stehen – EBV wäre dann nur ein Marker für ein infektbedingt erhöhtes MS-Risiko. Schließlich wäre auch denkbar, dass immunologische Störungen bei einer beginnenden MS das Risiko für eine EBV-Infektion erhöhen – hier läge dann eine reverse Kausalität vor. 32-fach erhöhtes MS-Risiko nach EBV-Infektion Ein Team von Forschern um Dr. Kjetil Bjornevik von der Harvard Medical School in Boston sowie dem Universitätsspital in Basel konnte nun in einer aufwendigen Arbeit die meisten dieser Erklärungen ausschließen. EBV wäre danach tatsächlich ein notwendiger Faktor für die M S-Entwicklung, eine wirksame Impfung gegen E BV könnte im Umkehrschluss die allermeisten M S- Fälle verhindern [1]. Das vermuten die Forscher um Bjornevik, nachdem sie bei 801 US- Militärangehörigen, die im Laufe ihres Dienstes an M S erkrankt waren, konservierte Serumproben auf EBV-Antikörper untersucht hatten. Die Proben stammten aus einer Serumdatenbank von zehn Millionen U S-Amerikanern, sie wurden primär für HIV-Tests entnommen, Militärangehörige müssen sich alle zwei Jahre auf HIV untersuchen lassen. Bei der ersten Probe, die zumeist beim Beginn des Militärdiensts mit 18 bis 20 Jahren entnommen worden war, waren 35 der späteren MS-Kranken (4,4 %) noch E BV-seronegativ. Den MS-Patienten stellten die Neurologen knapp 1600 Personen gegenüber, die während ihrer Zeit beim Militär nicht an MS erkrankten. Von diesen waren zu Beginn 107 seronegativ (6,8 %). Von den Seronegativen ohne spätere MS wurden mit der Zeit nur 57 % seropositiv, von denen mit MS alle bis auf einen (97 %). Daraus berechneten die Neurologen um Bjornevik ein 32-fach erhöhtes Risiko, nach einer EBV-Infektion an MS zu erkranken. Die Zahl ist insofern mit Vorsicht zu betrachten, als sie sich letztlich an einem einzigen seronegativen MS-Kranken festmacht, die Botschaft ist jedoch klar: Ohne E BV-Infektion gibt es praktisch keine MS. Erkrankten mit E BV durchinfizierten, kann bei der geringen Zahl von analysierten Proben zum Teil auch auf Zufall beruhen. Möglich ist zudem, dass primär eine spät im Leben erfolgende EBV-Infektion das M S-Risiko anhebt, nicht aber eine frühe. Am ehesten ließe sich die Kausalität durch eine EBV-Impfung belegen. „Die Studie zeigt, dass sich MS ohne EBV fast nicht entwickeln kann. Wenn es gelänge, einer EBV-Infektion komplett vorzubeugen, sollte dementsprechend die Frequenz von MS fallen“, sagte Professor Henri-Jacques Delecluse vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg zum „Science Media Center“. „Allerdings sind andere Faktoren zum Beispiel MHC-Gene, die die Immunantwort regulieren, auch wichtig. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass andere, bis jetzt nicht eindeutig identifizierte Faktoren eine bedeutsame Rolle spielen, wie das Alter bei der ersten Infektion mit EBV. Letztlich ist MS eine seltene Krankheit und die allermeisten EBV-positiven Menschen haben kein MS“, so Delecluse. FL-Anstieg nach Infektion N Um den kausalen Zusammenhang zu klären, schauten die Forscher anhand der seriellen Serumproben nach dem Zeitpunkt der Serokonversion: Diese trat im Median 7,5 Jahre vor der MS auf. Sie prüften die Proben zudem auf Cytomegaloviren (CMV), die wie EBV zu den Herpesviren zählen und mit Blick auf sozioökonomische und demografische Faktoren eine ähnliche Verbreitung aufweisen: Bei einer C MV-Infektion war das MS-Risiko eher verringert. Das schließt solche Faktoren als Erklärung weitgehend aus. Die Neurologen schauten weiter anhand eines speziellen Assays auf bekannte virale Antikörper nach der Zahl und Art der Infekte in der Vergangenheit, hier gab es mit Ausnahme von EBV praktisch keine Unterschiede; eine allgemeine Infektionsneigung erklärt den Zusammenhang zwischen EBV und MS ebenfalls nicht. Schließlich untersuchten sie die Proben auf den Neurodegenerationsmarker NFL. So nehmen NFL-Werte schon Jahre vor einer klinisch manifesten MS zu – NFL markiert die bereits subkli (...truncated)


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Studie stützt Virushypothese bei Multipler Sklerose, psychopraxis. neuropraxis, 2022, pp. 62-63, Volume 25, Issue 2, DOI: 10.1007/s00739-022-00793-w