Rekrutierung von Natürlichen Killerzellen durch optimierte Immunliganden
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Effektorzellaktivierung
Rekrutierung von Natürlichen Killerzellen durch optimierte Immunliganden
AMMELIE SVEA BOJE 1, KATJA KLAUSZ 1, LUKAS PEKAR 2 , CHRISTIAN KELLNER 3 ,
STEFAN ZIELONKA 2 , MATTHIAS PEIPP 1
1 SEKTION FÜR ANTIKÖPERBASIERTE IMMUNTHERAPIE, KLINIK FÜR INNERE MEDIZIN II,
UNIVERSITÄTSKLINIKUM SCHLESWIG-HOLSTEIN UND UNIVERSITÄT ZU KIEL
2 PROTEIN ENGINEERING AND ANTIBODY TECHNOLOGIES, MERCK KGAA, DARMSTADT
3 ABTEILUNG FÜR TRANSFUSIONSMEDIZIN, ZELLTHERAPEUTIKA UND
HÄMOSTASEOLOGIE, KLINIKUM DER UNIVERSITÄT MÜNCHEN, LMU MÜNCHEN
NK cells emerged as promising immune cells for cancer therapy.
Beyond antibody-based approaches triggering NK cell activity via the
FcγRIIIa, also multifunctional approaches are being exploited to redirect NK cell cytotoxicity against malignant cells. In this respect, immunoligands which are fusion proteins composed of an antibody-derived
targeting arm and a natural ligand for an activating receptor on NK
cells show great promise in inducing effector cell activation against
tumor cells.
DOI: 10.1007/s12268-022-1836-0
© Die Autorinnen und Autoren 2022
ó Natürliche Killerzellen (NK-Zellen) wurden erstmals in den 1970er Jahren erwähnt
und werden klassischerweise der angeborenen Immunität zugeschrieben. Diese Immunzellpopulation übernimmt eine wichtige
Funktion in der frühen Immunabwehr und
-überwachung, beispielsweise gegen Infektionserreger oder entartete Zellen. Im Gegensatz zu T-Zellen, welche Antigene spezifisch
mittels dem hypervariablen T-Zellrezeptorrepertoire erkennen, diskriminieren NK-Zellen
gesunde und gestresste Zellen durch ein
komplexes Zusammenspiel von unterschiedlichen invariablen aktivierenden und inhibitorischen Rezeptoren sowie deren Liganden
[1]. So exprimieren NK-Zellen beispielsweise
unterschiedliche inhibitorische Killer-Immunoglobulin-like Receptors (KIRs) oder den
inhibitorischen Rezeptor Natural Killer Group
2A (NKG2A), welche „sichere“ oder „selbst“Liganden erkennen, die typischerweise von
gesunden körpereigenen Zellen exprimiert
werden [2]. Dagegen exprimieren NK-Zellen
ebenfalls aktivierende Rezeptoren, wie beispielweise die Natural Cytotoxicity Receptors
(NCRs) NKp30 oder NKp46 sowie NKG2D,
2B4 und DNAM-1. Diese erkennen typischerBIOspektrum | 06.22 | 28. Jahrgang
weise Stress-induzierte Liganden infizierter
oder transformierter Zellen, wie beispielsweise MIC-A/B, B7-H6 oder ULBP1-6
(Abb. 1A, [3]). Allerdings ist die proteolytische Spaltung (shedding) oder die Herabregulation dieser Liganden als eine Form von
tumor immune escape beschrieben [3, 4].
Darüber hinaus exprimieren NK-Zellen
den Rezeptor Fcγ receptor IIIa (FcγRIIIa). Die
Fc-vermittelte Bindung eines IgG-Antikörpers nach Antigenerkennung auf der Zielzelle bewirkt die effiziente Aktivierung des
zytotoxischen Potenzials von NK-Zellen, ein
Prozess der antibody-dependent cell-mediated
cytotoxicity (ADCC) genannt wird. Die Kapazität eines Antikörpers, ADCC auszulösen,
hängt allerdings von verschieden Faktoren
ab, wie beispielsweise der Antigendichte auf
der Zielzelle oder FcγRIIIa-Polymorphismen.
Negativ beeinträchtigt wird diese außerdem
durch Herunterregulation oder shedding des
FcγRIIIa [1].
Die Aktivierung von NK-Zellen bewirkt in
der Regel die Ausschüttung von Perforinen
und Granzymen in die immunologische
Synapse, wodurch die Lyse der Zielzelle eingeleitet wird. Eine weitere Form der NK-Zell-
vermittelten Tumorzelltötung besteht in der
Aktivierung eines death receptors durch
Expression von TRAIL oder CD95 [1]. Neben
der direkten Zytotoxizität modulieren NKZellen nach Aktivierung die weitere Immunantwort, z. B. durch die Freisetzung proinflammatorischer Zytokine, Chemokine
oder durch den Crosstalk mit anderen Zellen
des Immunsystems wie T-Zellen, Makrophagen oder Dendritischen Zellen [5].
Modulierung der NK-Zellaktivität zur
Tumortherapie
ADCC vermittelt durch NK-Zellen ist ein
wichtiger Wirkmechanismus therapeutischer Antikörper für onkologische Indikationen [1, 5, 6]. Neben der klassischen Therapie
mittels therapeutischer Antikörper gibt es
seit einigen Jahren diverse Neuentwicklungen, um NK-Zellen effizienter in der Krebstherapie nutzbar zu machen. Viele dieser
Ansätze werden bereits in klinischen Studien
an Patienten getestet. Diese umfassen u. a.
die adoptive Zelltherapie ex vivo expandierter
und aktivierter NK-Zellen, teilweise in Kombination mit therapeutischen Antikörpern,
die Nutzung ex vivo expandierter gentechnisch veränderter chimeric antigen receptor
NK-Zellen, das Fc-Engineering therapeutischer Antikörper um spezifischer oder mit
erhöhter Affinität gegenüber dem FcγRIIIa
NK-Zellen aktivieren zu können sowie die
Nutzung bispezifischer Antikörper zur
gezielten NK-Zellrekrutierung, genannt
NK cell engager (NKCE) [1, 5, 7]. Ein bispezifischer NKCE besteht üblicherweise aus
einem Paratop oder mehreren Paratopen
gerichtet gegen ein Tumor-assoziiertes Antigen (TAA), sowie einem oder mehreren
Paratop(en), welche die Bindung an FcγRIIIa
oder einen anderen aktivierenden Rezeptor
der NK-Zelle vermitteln (Abb. 1B). Die simultane Bindung des bifunktionellen Moleküls
sowohl an die Tumorzelle als auch an die NKZelle bewirkt die Formierung der lytischen
Synapse, welche letztlich zur Lyse der
Tumorzelle führt, sowie zur Modulation der
weiteren Immunantwort.
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W I S S EN S CH AFT · S PECIA L : A NTI KÖRP E R-FORSCH UNG
A
B
C
˚ Abb. 1: Modulation der NK-Zellaktivierung durch Antikörperderivate. A, Aktivierung und Inhibition von NK-Zellen durch Integration der Signale von
Wirtszell-exprimierten Liganden für aktivierende oder inhibitorische Rezeptoren. NK-Zellen verfügen über einen Satz an aktivierenden Rezeptoren wie
beispielsweise FcγRIIIa, die Natural Cytotoxicity Receptors oder NKG2D sowie über diverse inhibitorische Rezeptoren (u. a. KIR2DL1 oder NKG2A).
Tumorzellen und gestresste Zellen exprimieren Liganden für diese Rezeptoren (u. a. B7-H6 als Ligand für einen aktivierenden Liganden oder HLA-E für
einen inhibitorischen Liganden). Die Integration dieser Signale entscheidet, ob eine NK-Zelle aktiviert wird oder nicht. TAA: Tumor-assoziiertes Antigen.
B, Verschiedene Strategien für die Rekrutierung und Tumor-spezifische Aktivierung von NK-Zellen. Durch den Einsatz eines monoklonalen Antikörpers
(mAb) kann die Tumorzelle spezifisch über das Tumor-assoziierte Antigen (TAA) gebunden werden. Durch den Fc-Teil des Antikörpers kann anschließend die NK-Zelle über die Bindung an FcγRIIIa aktiviert werden (oben). Ein bispezifischer Antikörper (bsAb) besteht aus zwei unterschiedlichen Paratopen und kann simultan an das TAA sowie entweder an FcγRIIIa oder an einen anderen aktivierenden Rezeptor binden und somit die NK-Zelle aktivieren
(Mitte). Ein Immunligand besteht aus einem Paratop gerichtet gegen ein TAA sowie aus einem Liganden für einen aktivierenden Rezeptor der NK-Zelle
und kann ebenfalls durch simultane Bindung diese aktivieren. C, Durch Bindung eines Immunliganden an die Tumorzelle wird diese artifiziell mit dem
Liganden für den aktivierenden (...truncated)