Buchrezension zu: Inventing Synthetic Methods to Discover how Enzymes work

BIOspektrum, Nov 2022

Hucho, Ferdinand

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Buchrezension zu: Inventing Synthetic Methods to Discover how Enzymes work

769 Buchrezension zu: Inventing Synthetic Methods to Discover how Enzymes work © GNT-Verlag Inventing Synthetic Methods to Discover how Enzymes work Stephen B. H. Kent 336 S., GNT-Verlag, 2022. HC, 39,80 O. ISBN: 9783862251292 Auch als E-Book erhältlich DOI: 10.1007/s12268-022-1868-5 © Springer Verlag GmbH 2022 ó Zitat aus dem Vorwort (S.13/14) „…I developed novel approaches to both the synthesis and analysis of peptides and proteins motivated by the goal of having better tools to understand the chemistry of enzyme catalysis“. Hier hat man beides, die Leistung des großen Proteinchemikers und seine Motivation. Zunächst die Leistung: Stephen Kent sieht sich in der Tradition von Emil Fischer, der im Berlin des 19. Jahrhunderts die Totalsynthese von Proteinen als eine Aufgabe der Chemie sah. Also total überholt von der Molekularbiologie und dem Klonieren? Keineswegs, denn es gibt eine Vielzahl denkbarer Proteine, die nicht in den Genomen dieser Welt codiert und klonierbar zu finden sind. Dazu gehören ungezählte Peptide und Proteine, einschließlich ihrer posttranslationalen Modifikationen, die als Antibiotika, Antikörper und andere Anwendungen in der Grundlagenforschung und Biotechnologie dringend gebraucht werden; Substanzen wie die proteaseresistenten und nicht immunogenen, aus D-Aminosäure-Bausteinen besteBIOspektrum | 07.22 | 28. Jahrgang henden Spiegelisomere. Kent erzählt lebhaft und anschaulich in seiner Autobiografie, kürzlich im Emil-Fischer-Hörsaal der Humboldt-Universität Berlin als jüngstes Mitglied der gelungenen bibliophil gestalteten Serie „Lives in Chemistry“ präsentiert, seinen Weg aus seiner Heimat Neuseeland in die besten Labore der USA zu den optimalen Mentoren, die man für den großen Erfolg braucht. Kents Motivation war es, einen Beitrag zum Verständnis der enzymatischen Katalyse zu leisten. Als Modell hierfür diente ihm die HIV-1-Protease, als Methode die von ihm entwickelte „Native Protein Ligation“. Ein Fest für jeden Chemiker, die entsprechenden Kapitel seiner Autobiografie zu lesen! Zwei Begriffe tauchen immer wieder in seinem wunderbaren Buch auf: peripatetisch und idiosynkratisch. Von „Down Under“ (Neuseeland) wanderte er um die wissenschaftliche Welt durch fünf der führenden Institutionen der USA und zugleich durch eine Vielzahl damals aktueller Themen. Idiosynkratisch nennt Kent seinen persönlichen Forschungsstil, seinen individuellen Ansatz, häufig gegen den Strom zu arbeiten: In der Proteinsynthese arbeitete der mainstream mit der Schutzgruppenmethodik, d. h. man blockierte funktionelle Gruppen, die bei der schrittweisen Verknüpfung einzelner Aminosäuren nicht reagieren durften, mit leicht zu entfernenden Gruppen, wie z. B. der Boc-(tertiarybutyloxycarbonyl-) gruppe. Kent vermied die offensichtlichen Nachteile dieser Methode (die Unlöslichkeit der BocDerivate und die resultierende Heterogenität der Produkte): Er entwickelte seine eigene Methode und fusionierte Peptidsegmente durchaus über „nicht peptiderge“ Bindungen zu synthetischen Proteinen (Native Peptide Ligation). Für wen ist dieses Werk gedacht? Für Freund:innen schöner Bücher als Geschenk und Sammlerobjekt; für Wissen schaftshistoriker:innen als Dokument einer wichtigen Zeit der Naturwissenschaftsgeschichte, als es noch galt, Prinzipien der Chemie des Lebens zu entdecken und zu verstehen; für Student:innen der Chemie und Biochemie, die wissen wollen „wie es geschah“ und wer dabei war; und schließlich für jede:n Chemiker:in in Grundlagenforschung und Industrie, der:die elegante Chemie und starke Persönlichkeiten liebt. ó Ferdinand Hucho, Berlin, (...truncated)


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Hucho, Ferdinand. Buchrezension zu: Inventing Synthetic Methods to Discover how Enzymes work, BIOspektrum, 2022, pp. 769, Volume 28, Issue 7, DOI: 10.1007/s12268-022-1868-5