Vorlagen für Patientenverfügungen bei neurologischen Erkrankungen
Herausgeberbrief
psychopraxis. neuropraxis 2024 · 27:178–179
https://doi.org/10.1007/s00739-024-01010-6
Angenommen: 23. Mai 2024
© Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an
Springer-Verlag GmbH Austria, ein Teil von
Springer Nature 2024
Vorlagen für
Patientenverfügungen bei
neurologischen Erkrankungen
Stefan Oberndorfer1 für AG Neuropalliation der ÖGN · Peter Kapeller2 für AG
Neuropalliation der ÖGN
1
Klinische Abteilung für Neurologie, Universitätsklinikum St. Pölten – Lilienfeld, Karl Landsteiner
Privatuniversität (KLPU), St. Pölten, Österreich
2
Abteilung für Neurologie, Landeskrankenhaus Villach, Villach, Österreich
© Privat
Prim. Assoc.
Prof. PD
Dr. Stefan
Oberndorfer
Klinische
Abteilung für
Neurologie, Universitätsklinikum
St. Pölten –
Lilienfeld, Karl
Landsteiner
Privatuniversität
(KLPU), St. Pölten
Prim.
Univ.-Prof. Dr.
Peter Kapeller
Landeskrankenhaus
Villach, Villach
© Privat
QR-Code scannen & Beitrag online lesen
178
psychopraxis. neuropraxis 4 · 2024
In Österreich besteht im internationalen
Vergleich nach wie vor Aufholbedarf was
das Erstellen von Patientenverfügungen
(PV) betrifft. Nur etwa 3–4 % aller Österreicherinnen und Österreicher besitzen eine
registrierte Patientenverfügung.
Aus der Erfahrung der Praxis sind die
im Rahmen von stationären Aufnahmen
vorgelegten PV meist sehr allgemein formuliert. Spezielle krankheitsspezifische
Gesichtspunkte, insbesondere bei bestehenden neurologischen Erkrankungen,
finden hier leider selten Berücksichtigung. Dementsprechend eröffnen sich in
der klinischen Praxis bei der Auslegung
der in der PV festgehaltenen Punkte oft
Unsicherheiten, vor allem was das weitere
diagnostische oder therapeutische Vorgehen betrifft. Entsprechende allgemeine
Vorlagen liegen auf der Webpage des Bundesministeriums für Soziales und Gesundheit vor. (https://www.sozialministerium.
at/Themen/Gesundheit/Medizin-undGesundheitsberufe/Medizin/Patienten
verfuegung.html).
Gerade aber bei neurologischen Erkrankungen, wie z. B. der amyotrophen
Lateralsklerose, Hirntumorerkrankungen,
Schlaganfällen, Autoimmunerkrankungen des Gehirns, neurodegenerativen
Erkrankungen und anderen, kommt es zu
krankheitsspezifischen Einschränkungen
in Form von neurologischen Defiziten,
wie z. B. Lähmungen und kognitiven
Beeinträchtigungen, welche die Urteilsfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit
der Patientinnen und Patienten wesentlich beeinträchtigen können. Dies ist für
das Verfassen einer PV jedenfalls zu berücksichtigen. Zusätzliche zu erwartende
krankheitsspezifische Beeinträchtigungen
wie Mobilitätsverlust, Schluckstörung,
Sprachstörung, Atemstörungen, etc. sind
von der neurologischen Grunderkrankung
abhängig und stellen ebenfalls wichtige
Aspekte dar, welche in der PV erörtert
werden sollten. Um diesen neurologischen Besonderheiten gerecht zu werden,
bedarf es der gezielten Aufklärung hinsichtlich der Grunderkrankung und der
zu erwartenden Komplikationen bzw.
Beschwerden im weiteren Verlauf.
Aus diesem Grunde initiierte die Arbeitsgemeinschaft für Neuropalliation der
Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) im Jahre 2023 das Projekt
der krankheitsspezifischen Patientenverfügung in der Neurologie (https://www.
oegn.at/patientenverfuegungen/). Diese PV wurden in Zusammenarbeit mit
Spezialistinnen und Spezialisten aus den
jeweiligen neurologischen Fachgebieten
bzw. in Zusammenarbeit mit assoziierten
Gesellschaften erarbeitet. Diese krankheitsspezifischen Patientenverfügungen
sollen Kolleginnen und Kollegen dabei unterstützen, eine entsprechende individualisierte Patientenverfügung gemeinsam
mit Betroffenen zu erstellen. Einerseits
sollen damit gezielt und strukturiert zu
erwartende krankheitsspezifische neurologische Komplikationen und Symptome
erläutert werden und andererseits auch
die daraus folgenden vom Patientenseite
gewünschten Konsequenzen in der PV
festgehalten werden. Die entsprechenden
Hier steht eine Anzeige.
K
krankheitsspezifischen Patientenverfügungen sind als Unterstützung gedacht
und können/sollen selbstverständlich
nach individuellen Ermessen modifiziert
werden.
Bislang stehen entsprechende Vorlagen für PV zu folgenden neurologischen
Erkrankungen zur Verfügung: Amyotrophe
Lateralsklerose, Hirntumorerkrankungen,
chronische entzündliche Erkrankung des
Gehirns (v. a. „Multiple Sklerose“), Schlaganfall und Bewegungsstörungen. Weitere
sind in Planung. Diese Vorlagen sind auf
der Webpage der ÖGN jederzeit und kostenfrei verfügbar. (https://www.oegn.at/
patientenverfuegungen/).
Wir möchten uns auch auf diesem Wege ausdrücklich bei allen Autorinnen und
Autoren der derzeit verfügbaren PV für
Ausarbeitung und zur Verfügungstellung
derselben bedanken. Eine Ausarbeitung
von PV-Vorlagen für weitere neurologische
Krankheitsbilder ist nach Bedarf natürlich
jederzeit möglich. Bei diesbezüglichen Anregungen bitte um Kontaktaufnahme mit
den Autoren.
Korrespondenzadresse
Prim. Assoc. Prof. PD Dr. Stefan Oberndorfer
Klinische Abteilung für Neurologie,
Universitätsklinikum St. Pölten – Lilienfeld, Karl
Landsteiner Privatuniversität (KLPU)
Dunant-Platz 1, 3100 St. Pölten, Österreich
Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Kapeller
Abteilung für Neurologie, Landeskrankenhaus
Villach
Nikolaigasse 43, 9500 Villach, Österreich
Interessenkonflikt. S. Oberndorfer und P. Kapeller
geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Hinweis des Verlags. Der Verlag bleibt in Hinblick
auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
(...truncated)