Resilienzförderung durch Musik und Kunst
Psychiatrie
psychopraxis. neuropraxis
https://doi.org/10.1007/s00739-024-01058-4
Angenommen: 22. November 2024
© The Author(s) 2024
Resilienzförderung durch Musik
und Kunst
Musikwerkstatt: Universitätsübergreifendes Seminar von
Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und
Medizinische Universität Wien
Beate Hennenberg1 · Henriette Löffler-Stastka2
1
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mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Wien, Österreich
Klinik für Psychoanalyse und Psychotherapie, Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich
Zusammenfassung
Für die Krankheitsverarbeitung und Erhaltung der psychischen Gesundheit spielen
das Zusammenwirken von Medizin, Krankheitswahrnehmung und Musik sowie
die Musik im Krankenhaussetting eine Rolle. Die als musikpädagogisches Seminar
der Universität für Musik und darstellende Kunst am Comprehensive Center for
Pediatrics (CCP) an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde (UKKJ) Wien
veranstaltete Musikwerkstatt You Smile richtet sich an Kinder und Jugendliche, die
aufgrund schwerer und schwerster Erkrankungen für längere Zeit im Krankenhaus
betreut werden müssen. Dieses pädagogische Projekt zielt darauf ab, Kindern zu
zweit oder in Kleingruppensettings nicht nur einen Zugang zur Musik zu bieten,
sondern sie auch in ihren musikalischen und sozialen Kompetenzen zu stärken und
ihnen in einer schwierigen Lebensphase emotionale Unterstützung zu geben. Die
Instrumentalpädagogik konzentriert sich traditionell auf den Unterricht in formellen
Bildungseinrichtungen, so auch in diesem neuen edukativen, kommunikativen
musikpädagogischen Kontext im Krankenhaussetting.
Schlüsselwörter
Situatives · Instrumentalpädagogik im Krankenhaus · Aktives Musizieren mit Langzeitpatient:innen
and einer Spitalschule · Methodenvielfalt · Interdisziplinarität
Einleitung
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Im Rahmen der erfahrungsorientierten
Verhaltenswissenschaften, beispielsweise
rund um das Thema der Resilienz, konzentriert sich die Forschung auf intrapsychische, propriozeptive, selbstbezogene und
interpersonelle sowie umweltbezogene
Netzwerke. Systemtheoretische Sichtweisen sind hier wesentlich, um der Komplexität von Interaktionsprozessen gerecht zu
werden. Psychoanalytische Konzepte zur
mentalisierten Affektivität, Forschung zu
Primäraffekten und evolutionäre Erkenntnisse über Affektsysteme, einschließlich
ihrer Beziehung zu Gehirnnetzwerken wie
dem Salienz- oder dem Default-ModeNetzwerk, sind von besonderem Interes-
se [2]. Studien zur Embodimenttheorie,
zu unbewussten Prozessen, zu subliminalen Wahrnehmungsprozessen [1],
welche die Identität(sentwicklung), psychische Prozesse und mentale Funktionen
beeinflussen, sind für die Resilienzförderung relevant. Arbeiten, die sich mit der
Flexibilität des Gedächtnisses und dem
epistemischen Vertrauen befassen und
für bidirektionale, transdisziplinäre Ansätze plädieren, welche für eine integrierte
Versorgung unerlässlich sind, leisten wesentliche Beiträge in der Erforschung der
Resilienz und von Verarbeitungsprozessen.
Forschung stattet Klinik und Lehre mit
der notwendigen Perspektive aus, um aktuelle Herausforderungen zu meistern, indem sie vernetzte, sich entwickelnde Stra-
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Psychiatrie
tegien anerkennt und beim Aufbau eines reaktionsfähigen Verständnisses komplexer, voneinander abhängiger Realitäten
unterstützt.
Die Etablierung von Versorgungsstrukturen, die das Subjektive des Menschen
berücksichtigen [7], ist komplex, wie auch
die Implementierung sozial- und geisteswissenschaftlicher Forschung in naturwissenschaftliche Bereiche. Medical Humanities und Psychotherapie verfolgen damit
die Verbesserung der Behandlung. Bringt
nundieAuseinandersetzungzwischen Medizin, Gesellschaft und Kunst eine bessere Patient:innenversorgung? Wirkt die Beschäftigung mit Musik auf die Behandlungseffizienz? Das Heranbringen der Medical Humanities und Psychotherapie mit
ihren Menschbildern an das Krankenbett
unterstützt die Klinik/Versorgung und Lehre durch kreative Lösungen. Gerade in
Zeiten der Unsicherheit, die alleine durch
fortschreitende Technisierung, Verrechtlichung, Präzisierung der Behandlungspläne (vgl. Digitale Medizin, Präzisionsmedizin, Gesetzesnovellierungen, Ökonomisierung, etc.) automatisch gegeben ist, kann
durch die Theoriefassung, Theorieüberprüfung und nachfolgende reflektierte Anwendungsbeobachtung eine Richtung gegeben werden.
Medizin und Kunst – ein wirksames
Zusammenspiel
Personzentriertes Musizieren, das Erreichen höchstmöglicher Bildung von Kindern und Jugendlichen auch in schweren
Lebenssituationen und die dabei erlebbare
emotionale Stärkung sind eng miteinander verbundene Bereiche, die besonders
bei Langzeitpatient:innen im Krankenhauskontext zunehmend an Bedeutung
gewinnen. Die Förderung des physischen,
psychischen, sozialen und spirituellen
Wohlbefindens durch gemeinsames Musizieren bildet einen wichtigen Bestandteil
der Ziele für nachhaltige Entwicklung
(Sustainable Development Goals, SDGs)
der UNESCO Agenda 2030 [8]. Diese Ziele
betonen die Bedeutung der Gesundheitsförderung und Bildung im sozialen
Kontext und legen damit eine Grundlage
für Initiativen, die auf Kinderstationen in
Krankenhäusern durch den Einsatz von
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musikpädagogischen Interventionen das
Wohlbefinden unterstützen können.
Die Musikwerkstatt, die im Rahmen eines Seminars mit schwerkranken Kindern
wöchentlich auf der Klinischen Abteilung
für PädiatrischeKardiologiesowieder Klinischen Abteilung für Pädiatrische Nephrologie und Gastroenterologie als Lehrveranstaltung durchgeführt wird, verbindet
diese Ansätze, indem das Musizieren nicht
nur zur Förderung der Lebensqualität der
hospitalisierten Kinder beiträgt, sondern
eine neue Facette in die universitäre Ausbildung von Instrumentalpädagog:innen
im Bereich der inklusiven Musikpädagogik bringt.
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Stärkung der Familienbindung
und des emotionalen Rückhaltes für
junge Patient:innen
In Zusammenarbeit mit der Universität
für Musik und darstellende Kunst Wien
und der Medizinischen Universität Wien
wird das Projekt Musikwerkstatt als wissenschaftliches und pädagogisch-künstlerisches Projekt umgesetzt. Es umfasst
spezifische, unter Leitung der Lehrveranstaltungsleiterin konzipierte musikalische
Einheiten, die von den Studierenden des
Seminars Inklusive Musikpädagogik mitentwickelt werden (vgl. [6]). Dabei wird ein
praxisorientierter Ansatz verfolgt, um Kinder und Jugendliche in Kleingruppen oder
Einzelsettings, mit oder ohne Teilnahme
der Eltern, durch instrumentalpädagogische Interaktionen, durch Angebote aus
der elementaren Musikpädagogik oder
auch der schulischen Musikerziehung in
ihrer persönlichen Entwicklung zu stärken.
Auf diese Weise kann soziale Interaktion
die als beengt empfundene Lebenssituation erleichtern. Mit personzentriertem Ansatz wird auf die besonderen Bedürfnisse
jedes einzelnen Kindes in seinem aktuellen
Kraftlevel eingegangen.
Im Zeitraum von März 2022 und April
2023 wurde eine Interviewstudie durchgeführt, (...truncated)