Resilienzförderung durch Musik und Kunst

psychopraxis. neuropraxis, Dec 2024

Für die Krankheitsverarbeitung und Erhaltung der psychischen Gesundheit spielen das Zusammenwirken von Medizin, Krankheitswahrnehmung und Musik sowie die Musik im Krankenhaussetting eine Rolle. Die als musikpädagogisches Seminar der Universität für Musik und darstellende Kunst am Comprehensive Center for Pediatrics (CCP) an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde (UKKJ) Wien veranstaltete Musikwerkstatt You Smile richtet sich an Kinder und Jugendliche, die aufgrund schwerer und schwerster Erkrankungen für längere Zeit im Krankenhaus betreut werden müssen. Dieses pädagogische Projekt zielt darauf ab, Kindern zu zweit oder in Kleingruppensettings nicht nur einen Zugang zur Musik zu bieten, sondern sie auch in ihren musikalischen und sozialen Kompetenzen zu stärken und ihnen in einer schwierigen Lebensphase emotionale Unterstützung zu geben. Die Instrumentalpädagogik konzentriert sich traditionell auf den Unterricht in formellen Bildungseinrichtungen, so auch in diesem neuen edukativen, kommunikativen musikpädagogischen Kontext im Krankenhaussetting.

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Resilienzförderung durch Musik und Kunst

Psychiatrie psychopraxis. neuropraxis https://doi.org/10.1007/s00739-024-01058-4 Angenommen: 22. November 2024 © The Author(s) 2024 Resilienzförderung durch Musik und Kunst Musikwerkstatt: Universitätsübergreifendes Seminar von Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und Medizinische Universität Wien Beate Hennenberg1 · Henriette Löffler-Stastka2 1 2 mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Wien, Österreich Klinik für Psychoanalyse und Psychotherapie, Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich Zusammenfassung Für die Krankheitsverarbeitung und Erhaltung der psychischen Gesundheit spielen das Zusammenwirken von Medizin, Krankheitswahrnehmung und Musik sowie die Musik im Krankenhaussetting eine Rolle. Die als musikpädagogisches Seminar der Universität für Musik und darstellende Kunst am Comprehensive Center for Pediatrics (CCP) an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde (UKKJ) Wien veranstaltete Musikwerkstatt You Smile richtet sich an Kinder und Jugendliche, die aufgrund schwerer und schwerster Erkrankungen für längere Zeit im Krankenhaus betreut werden müssen. Dieses pädagogische Projekt zielt darauf ab, Kindern zu zweit oder in Kleingruppensettings nicht nur einen Zugang zur Musik zu bieten, sondern sie auch in ihren musikalischen und sozialen Kompetenzen zu stärken und ihnen in einer schwierigen Lebensphase emotionale Unterstützung zu geben. Die Instrumentalpädagogik konzentriert sich traditionell auf den Unterricht in formellen Bildungseinrichtungen, so auch in diesem neuen edukativen, kommunikativen musikpädagogischen Kontext im Krankenhaussetting. Schlüsselwörter Situatives · Instrumentalpädagogik im Krankenhaus · Aktives Musizieren mit Langzeitpatient:innen and einer Spitalschule · Methodenvielfalt · Interdisziplinarität Einleitung QR-Code scannen & Beitrag online lesen Im Rahmen der erfahrungsorientierten Verhaltenswissenschaften, beispielsweise rund um das Thema der Resilienz, konzentriert sich die Forschung auf intrapsychische, propriozeptive, selbstbezogene und interpersonelle sowie umweltbezogene Netzwerke. Systemtheoretische Sichtweisen sind hier wesentlich, um der Komplexität von Interaktionsprozessen gerecht zu werden. Psychoanalytische Konzepte zur mentalisierten Affektivität, Forschung zu Primäraffekten und evolutionäre Erkenntnisse über Affektsysteme, einschließlich ihrer Beziehung zu Gehirnnetzwerken wie dem Salienz- oder dem Default-ModeNetzwerk, sind von besonderem Interes- se [2]. Studien zur Embodimenttheorie, zu unbewussten Prozessen, zu subliminalen Wahrnehmungsprozessen [1], welche die Identität(sentwicklung), psychische Prozesse und mentale Funktionen beeinflussen, sind für die Resilienzförderung relevant. Arbeiten, die sich mit der Flexibilität des Gedächtnisses und dem epistemischen Vertrauen befassen und für bidirektionale, transdisziplinäre Ansätze plädieren, welche für eine integrierte Versorgung unerlässlich sind, leisten wesentliche Beiträge in der Erforschung der Resilienz und von Verarbeitungsprozessen. Forschung stattet Klinik und Lehre mit der notwendigen Perspektive aus, um aktuelle Herausforderungen zu meistern, indem sie vernetzte, sich entwickelnde Stra- psychopraxis. neuropraxis 1 Psychiatrie tegien anerkennt und beim Aufbau eines reaktionsfähigen Verständnisses komplexer, voneinander abhängiger Realitäten unterstützt. Die Etablierung von Versorgungsstrukturen, die das Subjektive des Menschen berücksichtigen [7], ist komplex, wie auch die Implementierung sozial- und geisteswissenschaftlicher Forschung in naturwissenschaftliche Bereiche. Medical Humanities und Psychotherapie verfolgen damit die Verbesserung der Behandlung. Bringt nundieAuseinandersetzungzwischen Medizin, Gesellschaft und Kunst eine bessere Patient:innenversorgung? Wirkt die Beschäftigung mit Musik auf die Behandlungseffizienz? Das Heranbringen der Medical Humanities und Psychotherapie mit ihren Menschbildern an das Krankenbett unterstützt die Klinik/Versorgung und Lehre durch kreative Lösungen. Gerade in Zeiten der Unsicherheit, die alleine durch fortschreitende Technisierung, Verrechtlichung, Präzisierung der Behandlungspläne (vgl. Digitale Medizin, Präzisionsmedizin, Gesetzesnovellierungen, Ökonomisierung, etc.) automatisch gegeben ist, kann durch die Theoriefassung, Theorieüberprüfung und nachfolgende reflektierte Anwendungsbeobachtung eine Richtung gegeben werden. Medizin und Kunst – ein wirksames Zusammenspiel Personzentriertes Musizieren, das Erreichen höchstmöglicher Bildung von Kindern und Jugendlichen auch in schweren Lebenssituationen und die dabei erlebbare emotionale Stärkung sind eng miteinander verbundene Bereiche, die besonders bei Langzeitpatient:innen im Krankenhauskontext zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Förderung des physischen, psychischen, sozialen und spirituellen Wohlbefindens durch gemeinsames Musizieren bildet einen wichtigen Bestandteil der Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) der UNESCO Agenda 2030 [8]. Diese Ziele betonen die Bedeutung der Gesundheitsförderung und Bildung im sozialen Kontext und legen damit eine Grundlage für Initiativen, die auf Kinderstationen in Krankenhäusern durch den Einsatz von 2 psychopraxis. neuropraxis musikpädagogischen Interventionen das Wohlbefinden unterstützen können. Die Musikwerkstatt, die im Rahmen eines Seminars mit schwerkranken Kindern wöchentlich auf der Klinischen Abteilung für PädiatrischeKardiologiesowieder Klinischen Abteilung für Pädiatrische Nephrologie und Gastroenterologie als Lehrveranstaltung durchgeführt wird, verbindet diese Ansätze, indem das Musizieren nicht nur zur Förderung der Lebensqualität der hospitalisierten Kinder beiträgt, sondern eine neue Facette in die universitäre Ausbildung von Instrumentalpädagog:innen im Bereich der inklusiven Musikpädagogik bringt. » Stärkung der Familienbindung und des emotionalen Rückhaltes für junge Patient:innen In Zusammenarbeit mit der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und der Medizinischen Universität Wien wird das Projekt Musikwerkstatt als wissenschaftliches und pädagogisch-künstlerisches Projekt umgesetzt. Es umfasst spezifische, unter Leitung der Lehrveranstaltungsleiterin konzipierte musikalische Einheiten, die von den Studierenden des Seminars Inklusive Musikpädagogik mitentwickelt werden (vgl. [6]). Dabei wird ein praxisorientierter Ansatz verfolgt, um Kinder und Jugendliche in Kleingruppen oder Einzelsettings, mit oder ohne Teilnahme der Eltern, durch instrumentalpädagogische Interaktionen, durch Angebote aus der elementaren Musikpädagogik oder auch der schulischen Musikerziehung in ihrer persönlichen Entwicklung zu stärken. Auf diese Weise kann soziale Interaktion die als beengt empfundene Lebenssituation erleichtern. Mit personzentriertem Ansatz wird auf die besonderen Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes in seinem aktuellen Kraftlevel eingegangen. Im Zeitraum von März 2022 und April 2023 wurde eine Interviewstudie durchgeführt, (...truncated)


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Hennenberg, Beate, Löffler-Stastka, Henriette. Resilienzförderung durch Musik und Kunst, psychopraxis. neuropraxis, 2024, pp. 1-4, DOI: 10.1007/s00739-024-01058-4