Naturwissenschaftliche Grundlagen der Apothekerausbildung

Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, Apr 2025

Pharmazie ist Bestandteil der naturwissenschaftlichen Fächer und bildet dementsprechend auch auf Basis der Naturwissenschaften aus, wobei im Gegensatz zu den anderen naturwissenschaftlichen Fächern die Pharmazie durch eine bundeseinheitliche Approbationsordnung geregelt ist. Dabei sind besonders allgemeine, organische und physikalische Chemie, Analytik, Biologie, Biochemie, Humanbiologie, Mathematik und Physik erwartungsgemäß als Grundlagenfächer vorgesehen. Das sogenannte Positionspapier zur Novellierung der Approbationsordnung hält auch an diesen Gebieten weiter fest, wobei die instrumentelle Analytik im Vergleich zur klassischen stärker betont wird und die pharmazeutische Biologie ein stärkeres Gewicht auf die Grundlagen der Immunologie und der Impfstoffe legt. Die gerade für die pharmazeutische Technologie wichtigen Grundlagenfächer physikalische Chemie, Physik und Mathematik werden als physikalische Pharmazie zusammengefasst. Im Positionspapier werden Pharmakologie und klinische Pharmazie neu in das Grundstudium aufgenommen. In diese Fächer werden auch die Grundlagen der Humanbiologie integriert. Das Positionspapier ist vom sogenannten runden Tisch erarbeitet worden. Mitglieder waren Vertreter aller pharmazeutischen Interessengruppen (siehe auch den Beitrag von Winter in diesem Heft).

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Naturwissenschaftliche Grundlagen der Apothekerausbildung

Leitthema Bundesgesundheitsbl https://doi.org/10.1007/s00103-025-04035-3 Eingegangen: 3. Dezember 2024 Angenommen: 3. März 2025 © The Author(s) 2025 Einleitung Im Gegensatz zu allen anderen Studienfächern sind Heilberufe wie die Pharmazie durch bundeseinheitliche Approbationsordnungen geregelt und unterliegen von daher keiner weiteren Akkreditierung. Dies schränkt die einzelnen Standorte und deren Dozenten bezüglich der Inhalte ihrer Lehrveranstaltungen stark ein, obwohl laut Grundgesetz diese die Freiheit von Forschung und Lehre genießen [1]. Dies kann mit dem Hinweis auf einheitliche Standards bei Heilberufen gerechtfertigt werden. Natürlich kann ein Pharmaziedozent aus seiner Sicht wichtige Inhalte vermitteln, auch wenn diese nicht Teil des Gegenstandskatalogs sind. In der Praxis führt dies aber dazu, im Interesse der Studierenden bei den Schwerpunkten sich am Gegenstandskatalog zu orientieren. Insofern kann die Aufnahme der naturwissenschaftlichen Grundlagen in die Apothekerausbildung auf der Basis der gültigen Approbationsordnung und deren hoffentlich bald anstehender Novellierung und daraus resultierender Gegenstandskataloge diskutiert werden. Die Zielsetzung dieser Arbeit besteht nicht darin, Vor- und Nachteile der bestehenden Approbationsordnung im Vergleich zu der vorgeschlagenen Novellierung in der gesamten Breite zu diskutieren, sondern der Beitrag bezieht sich nur auf Bewertung und Fragestellungen bezüglich der naturwissenschaftlichen Grundlagen der Pharmazeutenausbildung. Bernd Clement1,2 1 2 Konferenz der Fachbereiche Pharmazie, Kiel, Deutschland Pharmazeutisches Institut der Universität Kiel, Kiel, Deutschland Naturwissenschaftliche Grundlagen der Apothekerausbildung Einordnung der Pharmazie in den Fächerkanon der universitären Fächer Die Ausbildung der Pharmazeuten, die auch zur Approbation zum Apotheker führt, ist Bestandteil der naturwissenschaftlichen Fächer. Von daher sind die pharmazeutischen Institute in Deutschland mitnurwenigenAusnahmenmitanderen naturwissenschaftlichen Fächern zu Fachbereichen oder mathematischnaturwissenschaftlichen Fakultäten vereint. Organisatorisch ist die Pharmazie neben der Biologie, Chemie, Physik und Mathematik ein Fach des MathematischNaturwissenschaftlichen Fakultätentages (MNFT) und übernimmt seit einiger Zeit turnusmäßig auch das Sprecheramt. Die Mitgliedschaft im MNFT unterstreicht die Verankerung der Pharmazie in den Naturwissenschaften. Über den MNFT ist die Pharmazie auch im Allgemeinen Fakultätentag (AFT) vertreten. Pharmazie stellt darüber hinaus aber auch die Verbindung zu den medizinischen Fakultäten dar, welches sich nicht nur in vielen interdisziplinären Forschungsaktivitäten, sondern auch in gemeinsamen Lehrveranstaltungen, wie z. B. die der Pharmakologie, niederschlägt. Dieser duale Charakter ist wahrscheinlich die Ursache dafür, dass die Inhalte des Pharmaziestudiums wie kaum in einem anderen Fach so stark in den eigenen Reihen diskutiert werden. Höhepunkte waren die intensiven kontroversen Auseinandersetzungen bei der Novellierung der Approbationsordnung von 2001. Regelungen der gültigen Approbationsordnung zur Grundausbildung der Apotheker Die Ausbildung der Pharmazeuten ist in 3 Abschnitte unterteilt. Das Grundstudium wird auch als „Erster Abschnitt“ bezeichnet und beträgt 4 Semester. Daran schließt sich das Erste Staatsexamen an. Die darauf aufbauenden weiteren 4 Semester nennt man den „Zweiten Abschnitt“, der mit dem „Zweiten Staatsexamen“ endet. Der „Dritte Abschnitt“ der Pharmazeutenausbildung beinhaltet das sogenannte Praktische Jahr, welches ein halbes Jahr in einer öffentlichen Apotheke absolviert werden muss. Das zweite halbe Jahr kann wahlweise wieder in der öffentlichen Apotheke, aber auch in der Industrie, Krankenhauspharmazie, Bundeswehr und in vielen anderen Einrichtungen mit pharmazeutischen Fragestellungen absolviert werden. An das Ende der Ausbildung schließt sich das „Dritte Staatsexamen“ an, das Bestehen der Prüfung ist die Voraussetzung zur Beantragung der Approbation. Die bundeseinheitliche Approbationsordnung [2] legt in § 17 4 Fächer für den ersten Prüfungsabschnitt (Erstes Staatsexamen) und damit die Grundlagen der Ausbildung fest. In der Anlage 13 zu § 17 finden sich Gegenstandskataloge zu den einzelnen Prüfungsfächern (. Tab. 1). Seit 1976 ist das Institut für Medizinische und Pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) in Mainz zuständig für die Durchführung des Ersten Staatsexamens und damit für die Grundlagen der Aus- Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz Leitthema Tab. 1 Erster Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung (Anlage 13 zu § 17 Abs. 3 der gültigen Approbationsordnung für Apotheker; [2]) I Allgemeine, anorganische und organische Chemie Grundbegriffe und -gesetze der Chemie; Atombau und Periodensystem der Elemente; chemische Bindung, zwischenmolekulare Bindungskräfte, Lösungen und heterogene Systeme; Thermodynamik chemischer Reaktionen sowie Reaktionskinetik; chemisches Gleichgewicht; Säure/Base- und Redoxsysteme; Stöchiometrie chemischer Reaktionen Vorkommen, Gewinnung, Eigenschaften und Reaktivität von Elementen des Periodensystems und ihrer Verbindungen sowie deren Herstellung; allgemeine Chemie der Arzneistoffe, Hilfsstoffe und Schadstoffe; Summenformeln und Geometrie wichtiger Verbindungen; Nomenklatur II Bindungsarten und ihre theoretischen Grundlagen; Reaktionsgleichungen und -mechanismen; Grundlagen der Stereochemie; Chemie funktioneller Gruppen und Stoffklassen sowie ihre Herstellung und Eigenschaften; Summen-, Struktur- und Stereoformeln; Eigenschaften und Reaktivität von Synthetika und Naturstoffen; chemische Grundlagen von synthetischen Polymeren und Biopolymeren; Nomenklatur Grundlagen der pharmazeutischen Biologie und der Humanbiologie Grundlagen der Zytologie und Histologie; Grundprinzipien und molekulare Grundlagen des Stoffwechsels und der Genetik; Merkmale, systematische Einteilung und Physiologie von Pflanzen und Mikroorganismen unter besonderer Berücksichtigung pharmazeutisch und medizinisch wichtiger Organismen; Viren III Grundlagen der Anatomie und Morphologie von Pflanzen; ökologische Grundbegriffe; drogenkundliche und mikrobiologische Grundbegriffe und Techniken; wichtige Arzneiund Giftpflanzen; Stammpflanzen gebräuchlicher Drogen Makroskopischer und mikroskopischer Aufbau des menschlichen Körpers, seine Organe und Gewebe; Funktion von Organen und Organsystemen unter Einschluss von Regulationsmechanismen und zellbiologischen Aspekten; Grundzüge des Immunsystems; Fortpflanzungsorgane und deren Funktion, Schwangerschaft; Zusammensetzung und Umfang normaler Ernährung Grundlagen der Physik, der physikalischen Chemie und der Arzneiformenlehre IV Grundbegriffe und Maßsysteme der Physik; Grundgesetze der Mechanik fester Körper, Flüssigkeiten und Gase; Aggregatzustände und deren Änderungen; Phasensysteme; Grenzflächenerscheinungen; Grundlagen der Thermodynamik und -kinetik; Kinetik der Diffusion und Verteilung; Grundlagen der Elektri (...truncated)


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Clement, Bernd. Naturwissenschaftliche Grundlagen der Apothekerausbildung, Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 2025, pp. 1-8, DOI: 10.1007/s00103-025-04035-3