Hocheffektive Therapien absetzen?
Aktuell
Über 50-Jährige mit Multipler Sklerose ohne Krankheitsaktivität
Hocheffektive Therapien absetzen?
Wie hoch ist das Risiko für eine erneute Krankheitsaktivität, wenn hochwirksame krankheitsmodifizierende
Therapien (HET) bei über 50-Jährigen mit nicht aktiver Multipler Sklerose (MS) abgesetzt werden?
Hintergrund
Die kürzlich durchgeführte randomisierte klinische Studie D
ISCOMS kam
zu dem Schluss, dass das Absetzen
einer mäßiggradig wirksamen Therapie für ältere Erkrankte (> 55 Jahre) mit nicht aktiver M
S sinnvoll sein
könnte. Jedoch fehlen Daten zum
Absetzen von HET. Bei jüngeren
Patient:innen ist das Absetzen von
Natalizumab und Fingolimod mit
dem Risiko eines erneuten Anstiegs
der Krankheitsaktivität verbunden.
Patient:innen und Methodik
Für diese Kohortenstudie wurden
Daten von 38 tertiären M
S-Zentren des französischen M
S-Registers (OFSEP) verwendet [1]. Von
den 84.704 Erkrankten in der Datenbank wurden die Daten von
1857 MS-Patient:innen extrahiert,
die mindestens 50 Jahre alt waren,
mit HET behandelt wurden und bei
denen seit mindestens zwei Jahren
keine Schübe oder paraklinische
Aktivität in der MRT aufgetreten
war. Die Patient:innen wurden von
Februar 2008 bis November 2021 in
die Studie aufgenommen und durften die HET nicht aufgrund eines
Therapiewechsels gestoppt haben.
Von 1620 Datensätzen konnten
mithilfe eines dynamischen Propensity-Scores Erkrankte nach Absetzen von HET mit solchen unter
fortgeführter HET im Verhältnis 1:1
verglichen werden. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zum ersten
klinischen Schubereignis.
die H
ET absetzte, signifikant kürzer
als in der H
ET-Fortsetzungsgruppe
(Hazard Ratio [HR] 4,1; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 2,0–8,5; p < 0,001).
Dabei gab es deutliche Unterschiede
zwischen den H
ET: Die H
R für Natalizumab betrug 7,2 (95 %-KI 2,1–24,5;
p = 0,001), die H
R für Fingolimod lag
bei 4,5 (95 %-KI 1,3–15,5; p = 0,02)
und die H
R für Anti-CD20-Therapien
war mit 1,1 nicht signifikant (95 %-
KI, 0,3–4,8; p = 0,85).
Ergebnisse
Schlussfolgerung
Von den 1620 eingeschlossenen
Erkrankten waren 72,5 % weiblich.
Das mittlere Alter betrug 54,7 Jahre. Von den 1452 Erkrankten in der
HET-Fortsetzungsgruppe und den
168 Erkrankten in der HET-Absetzgruppe wurden 154 Erkrankte in
jeder Gruppe mithilfe von Propensity-Scores abgeglichen: mittleres
Alter 57,7 Jahre, mittlere Latenz
seit der letzten Entzündungsaktivität 5,6 Jahre, mittlere Nachbeobachtungsdauer nach Propensity-ScoreMatching 2,5 Jahre. Die Zeit bis zum
ersten Schub war in der Gruppe, die
Wie auch bei jüngeren Erkrankten
stieg bei über 50-Jährigen mit nicht
aktiver M
S das Schubrisiko nach dem
Absetzen von sequestrierenden H
ET
(Natalizumab und Fingolimod) deutlich an. Nach dem Absetzen von B ET war kein
Zell-depletierenden H
signifikanter Anstieg dieses Risikos festzustellen. Das Ergebnis dieser Studie kann für Entscheidungen
über das Absetzen von HET in der klinischen Praxis von Bedeutung s ein.
Literatur
1. Jouvenot G, Courbon G, Lefort M et al
(2024) High-efficacy therapy discontinuation vs continuation in patients
50 years and older with nonactive MS.
JAMA Neurol 81:490–498
54
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Quelle: InFo Neurologie + Psychiatrie |
Ausgabe 10/2024/
Prof. Dr. Til Menge
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in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in
veröffentlichten Karten und Instituts
adressen neutral.
88 Das Ergebnis der Studie kann für Entscheidungen über das Absetzen von HET in
der klinischen Praxis von Bedeutung sein
psychopraxis. neuropraxis 2 · 2025
psychopraxis. neuropraxis
2025 · 28:54
https://doi.org/10.1007/s00739-025-
01077-9
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