Membranproteinsynthese: Zellfrei geht’s schneller!
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RITA SACHSE, ROBERT B. QUAST, ANDREI SONNABEND, MARLITT STECH,
STEFAN KUBICK FRAUNHOFER-INSTITUT FR ZELLTHERAPIE UND IMMUNOLOGIE (IZI), INSTITUTSTEIL BIOANALYTIK UND BIOPROZESSE (IZI-BB)
, POTSDAM-GOLM
Difficult to express membrane proteins represent an increasing amount of therapeutic molecules. Considerable optimization is often required for downstream applications such as assay development and functional characterization. Cell-free systems emerged as powerful tools for the synthesis of structurally and functionally divergent membrane proteins. Vesicle-based eukaryotic cell-free systems enable co-translational protein translocation and posttranslational modifications. Hence, these systems provide a multitude of options for membrane protein studies.
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Konventionelle Methoden zur Herstellung
von Membranproteinen beruhen auf der
berexpression der Proteine in Zellkulturen (in
vivo). Der unumgngliche Eingriff in den
Stoffwechsel lebender Zellen bei der
berexpression von Membranproteinen hat jedoch
hufig einen negativen Einfluss auf den Wirt. Es
kommt zu toxischen Effekten, fehlendem
Transport in Zielmembranen sowie einem
raschen proteolytischen Abbau. Dies sind
einige der Grnde, warum bisher nur eine
verhltnismig geringe Anzahl von
Membranproteinen funktionell und strukturell
detailliert charakterisiert wurde. Eine Lsung
dieses Problems ist der zellunabhngige (in vitro)
Einsatz der biologischen
Proteinsynthesemaschinerie zur Herstellung von
Membranproteinen. Zellfreie Proteinsynthesesysteme
nutzen translationsaktive Zellextrakte
(Lysate), um funktionell aktive
Membranproteine unter individuell optimierten
Bedingungen herzustellen und damit deren
spezifische Eigenschaften fr weitergehende
analytische Verfahren zu erhalten.
Abb. 1: Zellfreie Membranproteinsynthese in eukaryotischen Systemen. A, Das de novo synthetisierte Membranprotein wird whrend der Synthese
in die endogenen Mikrosomen transloziert. B, Die zellfreie Synthese von Membranproteinen kann u. a. in Batch-Reaktionen (oben) oder
Dialysesystemen (unten) durchgefhrt werden. Dialysesysteme erbringen eine Ausbeute von ca. 50 Mikrogramm pro Milliliter im Vergleich zu etwa 10 Mikrogramm
pro Milliliter in Batch-Reaktionen, abhngig vom Proteintyp und Lysat.
Abb. 2: Charakterisierung zellfrei synthetisierter Membranproteine in endogenen Mikrosomen. A, Konfokalmikroskopische Aufnahme eines mit eYFP
(enhanced yellow flourescent protein) fusionierten G-Protein-gekoppelten Rezeptors (GPCRs) in Mikrosomen. B, Funktionsnachweis des 2-adrenergen
Rezeptors mittels eines Dihydroalprenolol(DHA)-Radioligand-Bindungsassays (blau) im Vergleich zur Kontrolle (rot). C, Elektrophysiologische
Charakterisierung des zellfrei synthetisierten tetrameteren Kaliumionenkanals KcsA.
Ein bedeutender Vorteil zellfreier Systeme
ist ihr offenes Design. Hiermit ist es
mglich, dem System Komponenten extern
zuzufhren, um die Qualitt und Quantitt des
Proteins zu beeinflussen. Einen weiteren
essenziellen Vorteil bietet die Verwendung
eukaryotischer Lysate [1, 2]. Insbesondere die
mit diesen Lysaten bereitgestellten
Membranstrukturen (Mikrosomen) sind ein
wichtiges Charakteristikum. Sie stammen aus der
Membran des zelleigenen endoplasmatischen
Retikulums und besitzen Proteine, die sie zur
Translokation befhigen. Somit ist auch in
zellfreien eukaryotischen Systemen eine
gerichtete Integration von Membranproteinen
in eine biologische Membran mglich. Diese
Integration ist fr die Funktionalitt von
Membranproteinen essenziell, da hierbei u. a.
die korrekte Proteinfaltung und die
Ausbildung der nativen Konformation untersttzt
werden. Auch posttranslationale
Modifikationen, wie beispielsweise die Abspaltung des
Signalpeptids, N-Glykosylierung sowie
Lipidmodifikationen finden innerhalb der
Mikrosomen statt [35]. Eine schematische
Darstellung der Synthese von
Membranproteinen in eukaryotischen zellfreien Systemen ist
in Abb. 1 gezeigt.
Zellfreie Produktion von GPCRs und
Ionenkanlen
G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCRs)
stellen die grte Gruppe von Membranproteinen
dar. Diese Klasse der heptahelikalen
Rezeptoren spielt eine wichtige Rolle bei der
bertragung von biologischen Signalen ber die
Plasmamembran in das Zellinnere und lst
damit eine Aktivierung der zytoplasmatischen
Signaltransduktionswege aus. Aufgrund der
herausragenden Rolle der GPCRs in diversen
Signaltransduktionskaskaden sind sie ein
Hauptziel der sich auf dem Markt oder in der
Entwicklung befindlichen Pharmaka. Ein
besseres Verstndnis der Wirkmechanismen von
GPCRs durch Untersuchung der Struktur und
Funktion dieser Proteine ist aufgrund ihrer
vielfltigen Funktionen von besonderem
Interesse.
Das Beispiel des 2-adrenergen Rezeptors
(2AR) zeigt, dass eine effiziente und
zeitsparende Synthese mit einer anschlieenden
funktionellen Charakterisierung von GPCRs
in eukaryotischen zellfreien Systemen
mglich ist (Abb. 2). Anhand von
Radioligand-Bindungsstudien konnte z.B. im Anschluss an
eine nur 90 Minuten dauernde zellfreie
Synthese des 2AR die spezifische Bindung des
Agonisten (Dihydroalprenolol, DHA) an den
Rezeptor nachgewiesen werden (Abb. 2B).
Zustzlich knnen GPCR-enthaltende
Mikrosomen zu groen Vesikeln (giant
unilamellar vesicles, GUV) umgebaut werden und
bilden damit ein System fr mikroskopische
Einzelmoleklanalysen zur Charakterisierung
der Zielproteine [4, 6].
Die Synthese von komplexen
Membranproteinen unter Verwendung von
Mikrosomen-haltigen eukaryotischen Zelllysaten
bietet eine einfache und effiziente
Verfahrensweise zur Herstellung von funktionellen
GPCRs, aber auch multimere Ionenkanle
knnen in diesen Systemen dargestellt
werden. So konnte beispielsweise der
Kaliumkanal KcsA zellfrei synthetisiert und
anschlieend durch Vesikelfusion in planaren
Bilayern mittels elektrophysiologischer
Messungen funktionell charakterisiert
werden (Abb. 2C, [7]).
Eukaryotische Lysate in
Dialysesystemen
Die zellfreie Synthese von
Membranproteinen kann in verschiedenen
Reaktionsformaten durchgefhrt werden. Hierbei
erfreuen sich besonders sogenannte Eintopf- oder
Batch-Reaktionen groer Beliebtheit.
Batchbasierte Systeme eignen sich zur
anwenderfreundlichen, einfachen und schnellen
Synthese eines Zielproteins. Sie sind zwar durch
kurze Reaktionszeiten gekennzeichnet,
fhren jedoch hufig auch zu relativ geringen
Gesamtproteinausbeuten. Eine Mglichkeit,
die Laufzeit einer zellfreien
Proteinsynthesereaktion zu verlngern, um somit hhere
Proteinausbeuten zu erzielen, bietet die
Verwendung von Dialysesystemen. In der Regel
bestehen solche Systeme aus zwei Kammern,
die ber eine Dialysemembran miteinander
verbunden sind. ber die Membran
gelangen die Aminosuren und energiereiche
Substanzen (z.B. ATP, GTP) durch Diffusion in
das Reaktionskompartiment, den
eigentlichen Ort der Proteinsynthese. Gleichzeitig
wird die Konzentration von inhibierenden
Substanzen reduziert, da diese aus der
Reaktionskammer heraus in die zweite Kammer
diffundieren knnen. Anhand strukturell
verschiedener Modellproteine, darunter
mehrere ph (...truncated)