Einsteifung nach Ellenbogenverletzung

Trauma und Berufskrankheit, Oct 2014

Hintergrund Einsteifungen nach Ellenbogenverletzungen haben eine hohe Inzidenz und häufig multifaktorielle Ursachen. Die exakte Pathogenese ist bis jetzt weitgehend unbekannt. Als Ursachen werden extrinsische und intrinsische und Kombinationen aus beiden Faktoren unterschieden. Behandlung Generell sind die Vermeidung von länger dauernder Ruhigstellung und die intensive konservative Therapie mit multimodaler Physiotherapie die Behandlung der ersten Wahl. Besteht trotzdem eine funktionell wirksame Bewegungseinschränkung – Extensionsdefizit > 30 °, Flexion < 120 ° und Pro-/Supination < 50 ° – muss die Indikation zu operativen Interventionen geprüft werden. Neben Korrekturosteotomien, Reosteosynthesen sowie Materialentfernung sind Distraktionsarthrolyse, arthroskopische und offene Arthrolysen die am häufigsten zur Anwendung kommenden Verfahren. Alloarthroplastik und Arthrodese stehen als Ultima Ratio oder „salvage procedures“ am Ende des therapeutischen Spektrums. Die Art der anzuwendenden Verfahren und die Zugangswahl müssen individuell geprüft werden. Die begleitende Schmerz- und Physiotherapie sind obligat.

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Einsteifung nach Ellenbogenverletzung

Verletzungen des Ellenbogens Trauma Berufskrankh 2015 · 17[Suppl 1]:140–147 DOI 10.1007/s10039-013-1981-2 Online publiziert: 17. Oktober 2013 © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2013 K.-D. Haselhuhn Klinik für Unfallchirurgie, Kliniken Dr. Erler gGmbH, Nürnberg Einsteifung nach Ellenbogenverletzung Posttraumatische Ellenbogenversteifungen sind nach Blauth u. Jäger [2] ein „fixierter Zustand, der auch langfristig keine Neigung zur Verbesserung zeigt“, wohingegen sich Ellenbogenblockierungen spontan zurückbilden können. Die Inzidenz von Ellenbogenversteifungen nach Verletzungen wurde in der Literatur von Mutschler et al. [33] mit 20% und in einer Sammelstudie der AO (Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen) von Lob et al. [21] mit 50% angegeben. Der Varianz an Ursachen steht eine Vielfalt an häufig polypragmatisch angewandten Behandlungsverfahren gegenüber. Als Therapieziel lässt sich der von Morrey [27, 29] formulierte „functional arc“ – 100° Flexions-Extensions-Umfang und 100° Pro-/Supinationsumfang – festhalten, der 90% der ADL („activity of daily living“) ermöglicht. Kleinere Bewegungseinschränkungen – auch wenn sie als störend empfunden werden – sollten nur unter besonderen Umständen therapiert werden. Für die Ergebnisevaluation stehen u. a. der MEPS („Mayo elbow performance score“), der DASH- („disabilities of arm, shoulder and hand“; [11]) und der Con stant-Score [5] zur Verfügung. Ätiologie und Pathogenese Die den posttraumatischen Ellenbogensteifen zugrunde liegenden Primärverletzungen bilden das gesamte Spektrum der möglichen Traumen ab: F Frakturen (diakondyläre C3-Frakturen, Monteggia-Verletzungen) F Luxationen F Luxationsfrakturen („Monteggia-like fractures“) F Verbrennungen F Chirurgische Maßnahmen (Osteosynthesen) Die möglichen Ursachen [1, 12, 30] der Ellenbogensteifen sind vielfältig und werden unterteilt in (. Abb. 1): Extrinsisch (extraartikulär) Intrinsisch (intraartikulär) - Synovialis, Knorpel Gem Knochenspangen, Osteosynthesematerial Hintere/vordere Kapsel Arthrofibrose ischt -Kapsel, Sehnen, Haut, Muskel Adhäsionen, FGK Deformität der Gelenflächen, Kongruent-Inkongruent Achsabweichungen RUH IGS (Fehlwachstum) TEL LUN G 140 | Trauma und Berufskrankheit · Supplement 1 · 2015 Abb. 1 9 Ursachen der Ellenbogensteife, FGK freier Gelenkkörper F extrinsische/extraartikuläre und F intrinsische/intraartikuläre Ursachen sowie F Mischformen aus beiden. Diese Unterscheidung ist wichtig, da sich hieraus indikatorische und prognostische Hinweise ergeben. So ist die Prognose von extrinsischen Gelenksteifen deutlich besser. Neben den lokalisationstypischen Veränderungen (. Abb. 1) gibt es nach Loew [22] Kofaktoren, die das Auftreten der Ellenbogensteife begünstigen (. Tab. 1). Diese müssen im Sinne der Prophylaxe bei der Therapie der Primärverletzung beachtet werden. Die bedeutet konkret F Keine Ruhigstellung über 3 Wochen F Sicherung potenziell instabiler postoperativer Ergebnisse mit Bewegungsfixateur F Adäquate Schmerztherapie (ggf. mit Katheterverfahren) Die zur Steife führende Pathogenese ist nur teilweise bekannt. Eine Zunahme der Kollagenfibrillen insbesondere in der beugeseitigen Gelenkkapsel mit Fibrose derselben gilt als gesichert. Die Entwicklung der Ossifikationen ist noch hypothetisch. Interleukine, BMP2 („bone morphogenetic protein 2“) und andere Wachstumsfaktoren spielen hier eine Rolle. Ob die Ossifikation der das Gelenk umgebenden Muskulatur und die Fibrose der Gelenkkapsel eine gemeinsame Ursache haben – unterschiedliche Ausdifferenzierung omnipotenter Mesenchymzellen – wird zumindest für möglich gehalten [1, 12, 14, 27, 30, 42]. Das Auftreten der Ellenbogensteife begünstigende Faktoren. (Nach [22]) Tab. 1 Verletzungsschwere Dauer der Ruhigstellung Distale Humerusfraktur AO C3 Luxationsfrakturen Seltener reine Luxationen Ununterbrochene Ruhigstellung über mehr als 3 Wochen Schmerzbedingte Schonung des Gelenks AO Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen Klassifikation radioulnare Synostosen. (Nach [18]) Tab. 3 Typ A B C Ausdehnung und Umfang der Synostosen Auf Höhe der Tuberositas radii Auf Höhe des proximalen Radioulnargelenks Vom proximalen Radius zum distalen Humerus Klassifikation Die Einteilung der Gelenksteifen ist rein deskriptiv und erfolgt entweder entsprechend dem Anteil der Einschränkung des Bewegungsausmaßes an der Gesamtbeweglichkeit (Flexion/Extension und Pro-/ Supination) nach Blauth u. Jäger [2] oder isoliert nach Störungen in der FlexionsExtensions- oder Pro-/Supinationsebene [17]. Esteve et al. [7] klassifizierte nach dem Ausmaß der Restbeweglichkeit (Flexionsbogen; [2], . Tab. 2). Die heterotope Ossifikation am Ellenbogen wird nach Ilahi et al. [15] entsprechend dem durch die sie versperrten Gelenkwinkel bezogen auf das Capitulum humeri klassifiziert (. Abb. 2). Jupiter u. Ring [18] entwickelten eine Klassifikation für die radioulnaren Synostosen (. Tab. 3). Diagnostik Sie muss zielgerichtet zur Identifikation der für die Bewegungseinschränkung maßgeblichen pathoanatomischen Strukturen führen. Sie beinhaltet: F Anamnese (Unfall und Verlauf), F Erhebung des Entzündungsstatus (aktuell und anamnestisch), F klinische Untersuchung (harter/weicher Anschlag), F neurologische Untersuchung, Tab. 2 Klassifikationen der Ellenbogensteife Ellenbogensteife nach dem Ausmaß der Restbeweglichkeit Flexion/Extension [7] Schweregrad Flexionsbogen (°) Gering >90 Mäßig 60–90 Schwer 30–60 Sehr schwer <30 Ellenbogenkontraktur nach dem Ausmaß Restbeweglichkeit insgesamt [2] Schweregrad ROM (% der normalen ROM) Grad I (leichte Steife) >70 Grad II (mäßige Steife) 40–70 Grad III (schwere Steife) 20–40 Grad IV (sehr schwere Steife) <20 ROM „range of motion“ F bildgebende aktuelle Diagnostik [Nativröntgenaufnahmen, CT (Computertomographie), MRT (Magnetresonanztomographie) nach Anforderung], F Bildgebung im bisherigen Verlauf, F Labor (Entzündungszeichen, Wertigkeit der alkalischen Phosphatase umstritten). Am Ende soll geklärt sein, ob eine exoder intrinsische Ursache der Bewegungsstörung, ein kongruentes oder inkongruentes und ein stabiles oder instabiles Gelenk vorliegen. Behandlungsstrategien Neben dem Umfang der Ellenbogensteife bzw. der Restbeweglichkeit unter Berücksichtigung des „functional arc“ [32, 41] ist die Zeitschiene in der Entwicklung der Ellenbogensteife für die Indikationsfindung der geplanten Maßnahmen wichtig: Bis zu 6 Monate nach dem Trauma kann eine konservative Therapie (s. unten) sinnvoll durchgeführt werden. Besteht die Steife bereits über 6 Monate in relevantem Ausmaß (Defizit >0°/30°/100°), sollte die operative Intervention (Distraktions-, arthroskopische oder offene Arthrolyse) geprüft werden. Spezielle operative Indikationen ergeben sich bei Pseudarthrosen oder Implantat impingement. Relative Kontraindikationen für operative Interventionen zur Arthrolyse sind: F Ruhe- und Bewegungsschmerz sowie F fortgeschrittene posttraumatische Arthrose. In diesen Fällen ist die Indikation (...truncated)


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Dr. K.-D. Haselhuhn. Einsteifung nach Ellenbogenverletzung, Trauma und Berufskrankheit, 2015, pp. 140-147, Volume 17, Issue 1, DOI: 10.1007/s10039-013-1981-2