Neue Ergebnisse zu Diabetes mellitus und seinen Komplikationen

Der Diabetologe, May 2015

Prof. (Em.) Dr. W. A. Scherbaum

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Neue Ergebnisse zu Diabetes mellitus und seinen Komplikationen

Neue Ergebnisse zu Diabetes mellitus und seinen Komplikationen Beim 0 1 . Nationalen Diabetes-Update in Dsseldorf wurde eine Flle an interes- santen neuen Daten aus klinischen Stu- dien zum Diabetes von Experten vorge- tragen und mit den Teilnehmern disku- tiert. Im vorliegenden Heft mchte ich die Lektre der Artikel zu folgenden Themen besonders empfehlen: F Pathophysiologie und Prvention (S. Martin) 0 1 F Typ- 0 1 -Diabetes (M. Stumvoll und W. A. Scherbaum) 0 1 F Diabetes und Auge (A. Schlotterer und H.-P. Hammes) F Diabetes und Gehirn (F. Erbguth) und F diabetisches Fusyndrom (M. Spraul und T. Tanudjaja). 0 1 Diagnose 0 1 Epidemiologie und Screening 0 1 0 Neues zu diesem Thema wurde von PD. Dr. W. Rathmann vom Deutschen Dia- beteszentrum in Dusseldorf vorgetragen. Die Ergebnisse einer Studie aus den USA legen nahe, dass es mit erhohtem Lebens- alter zu einer Zunahme des HbA 1 W. A. Scherbaum Universitatsklinikum Dusseldorf, Heinrich-Heine-Universitat Dusseldorf , Dusseldorf - abhngig vom altersbedingten Anstieg der Glucosewerte und der Insulinresistenz auftritt [2]. Die Ursache dafr ist bisher unbekannt. Arbeitsbedingungen knnen das Risiko fr Diabetes erhhen. Die Kombination aus hohen Anforderungen (z. B. Zeitdruck, Schwere der Arbeit) und niedriger individueller Steuerungsmglichkeit erweist sich als besonders ungnstige Korrelation [3]. Zu hnlichen Ergebnissen kommt eine Metaanalyse, die Daten von 122.120Menschen einbezieht: Ein erhhtes Diabetesrisiko ist nicht unbedingt mit langen Arbeitszeiten (mindestens 55 Stunden pro Woche) verbunden, sondern es ist assoziiert mit einem niedrigem Sozialstatus und damit mglicherweise geringen Steuerungsmglichkeiten am Arbeitsplatz [4]. Die ACCORD-Studie belegt eine erhhte Mortalitt bei Patienten mit Typ-2Diabetes, deren Blutzucker zu scharf eingestellt war. Dies trifft auch fr einen Typ1-Diabetes zu: Zu niedrige HbA1c-Werte sind mit einer erhhten Mortalitt verbunden. Bei HbA1c-Werten unter 6% und ber 11% steigt das Mortalittsrisiko zunehmend an [5]. Typ-1-Diabetes und Insulintherapie Zum Thema referierte Prof. Dr. M. Dreyer vom Asklepios Westklinikum Hamburg. Die DCCT-Studie (Diabetes Control and Complications Trial) mit einer Laufzeit der Intervention von bis zu 10Jahren wurde 1993 publiziert [6]. Nahezu alle Patienten konnten in der Nachbeobachtungsstudie EDIC (Epidemiology of Diabetes Interventions and Complications) weiterverfolgt werden. Die in einer speziellen Ausgabe der Zeitschrift Diabetes Care im Jahr 2014 publizierten 30-Jahres-Ergebnisse wurden beim DiabetesUpdate 2015 vorgestellt und diskutiert. DCCT/EDIC stellt einen Meilenstein dar und ist qualitativ die beste und grte Studie zur Therapie des Typ-1-Diabetes. Dabei ergab sich fr die Interventionsstudie ein signifikanter und anhaltender Vorteil bezglich kardiovaskulrer Ereignisse [7] und Gesamtmortalitt (. Abb. 1, [8]) sowie ein ber die Jahre zunehmender Vorteil bezglich der Inzidenz und Progression einer diabetischen Retinopathie [9]. Whrend der EDIC-Beobachtungsphase war die Inzidenz von Mikro- und Makroalbuminmie im Interventionsarm weiter kontinuierlich niedriger. Mehr als die Hlfte der Patienten, die eine Mikroalbuminmie entwickelt hatten, zeigten spter keinen Abfall der glomerulren Filtrationsrate (GFR). Fast alle Patienten, die eine verminderte GFR entwickelten, zeigten davor eine Makroalbuminurie [10]. Des Weiteren wurde ber eine Reihe von Studien berichtet, in denen Patienten mit Typ-1-Diabetes zustzlich Medikamente erhielten, die primr fr die Behandlung des Typ-2-Diabetes zugelassen sind: Metformin, DPP4-Hemmer, GLP-1Analoga und SGLT-2-Inhibitoren. Konventionelle Therapie 10 15 20 Zeit seit der DCCT-Randomisierung Abb. 1 8 DCCT-Studie. Gesamtmortalitt im Langzeitverlauf in der Gruppe mit intensiver Therapie im Vergleich zur konventionellen Therapie (Mod. nach [8]) Die letzten 3 Substanzen sind bei Typ1-Diabetes noch kontraindiziert. Eine Metaanalyse von 8 randomisierten Studien zum Thema Metformin bei Typ-1Diabetes zeigte eine Abnahme der tglichen Insulindosis und des Krpergewichts sowie des Gesamtcholesterins mit Abnahme von HDL- und LDL-Cholesterin. Es fanden sich keine Unterschiede fr HbA1c-Werte, schwere Hypoglykmien und Ketoazidosen [11]. Diabetestechnologien Zum Thema Diabetestechnologien referierte Dr. S. Schlter von der DiabetesSchwerpunktpraxis Northeim. Es wurde u. a. eine neue Methode vorgestellt, wie der HbA1c-Wert auf der Basis von routinemig durchgefhrten Blutzuckerselbstmessungen berechnet werden kann [12]. Dies scheint zu einer besseren Motivation der Patienten beizutragen. Die Referentin stellte ferner eine neue Studie vor, in der die Genauigkeit und Reproduzierbarkeit von Blutzuckerselbstmessungen mit 12 verschiedenen Messgerten und den dazugehrigen Teststreifen untersucht wurde. Insgesamt 3 der 12getesteten Gerte erfllten nicht die minimalen Anforderungskriterien der Norm DIN EN ISO 15197:2003 [13]. Aus diesem Grund werden regelmige unabhngige Qualittskontrollen gefordert. Auerdem sind verschiedene Bolusrechner/Boluskalkulatoren (BC) vorgestellt worden, mit denen die Berechnung von Insulindosen zur Blutzuckerkorrektur mglich ist. Insulinpumpen sind heute mit dieser Technologie standardmig ausgestattet. Als Orientierung sind dazu spezielle Leitlinien ausgearbeitet worden [14]. Seit einiger Zeit gibt es Blutzuckermessgerte, die ber einen integrierten Bolusrechner verfgen, z. B. InsuLinx (Abbott) und ACCU CHEK aviva expert (Roche). Die Referentin stellte auch das FlashGlucose-Monitoring(FGM)-System vor. Dabei werden Nadelsensoren in das subkutane Gewebe eingesetzt. Mithilfe eines Empfangsgertes kann ber einen Sensor die Gewebeglucose beliebig oft gemessen werden [15]. Nach einer Tragezeit von 14 Tagen schaltet sich das Gert automatisch ab. Die Referentin stellte heraus, dass die Messwerte und das Anzeigen des Glucosetrends zwar viele Informationen liefern, aber das FGM-System keinen Ersatz fr kontinuierliche Glucosemonitoringsysteme (CGM) darstellt. CGM bieten mit einer Alarmfunktion einen groen Vorteil. Diabetes und Ernhrung Zum Thema Diabetes und Ernhrung referierte Prof. Dr. A. Pfeiffer vom Deutschen Institut fr Ernhrungsforschung (DIFE) Potsdam-Rehbrcke. Mehrere neue Studien haben gezeigt, dass entgegen den bisherigen Empfehlungen zur Diabetesdit die Kohlenhydrat(KH)-Restriktion ein zentrales Element der nichtmedikamentsen Diabetesbehandlung darstellt. Im Vergleich zu 53% der Energieaufnahme mit KH hat sich ein KH-Anteil von 14% insbesondere bei bergewichtigen Menschen mit Typ-2-Diabetes fr die Diabeteseinstellung als auch fr die Gewichtsabnahme als gnstig erwiesen [16]. Dazu gibt es einen lesenswerten ReviewArtikel, der eine nderung der Ernhrungsleitlinien der medizinischen Fachgesellschaften, darunter die der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, nahelegt [17]. Interessant war die Vorstellung einer Studie, die zeigte, dass ein moderater Alkoholkonsum bei Patienten mit Typ-2Diabetes verbunden ist mit einem geringeren (...truncated)


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Prof. (Em.) Dr. W. A. Scherbaum. Neue Ergebnisse zu Diabetes mellitus und seinen Komplikationen, Der Diabetologe, 2015, pp. 265-269, Volume 11, Issue 4, DOI: 10.1007/s11428-015-1339-4