Neue Ergebnisse zu Diabetes mellitus und seinen Komplikationen
Neue Ergebnisse zu Diabetes mellitus und seinen Komplikationen
Beim 0 1
. Nationalen Diabetes-Update in Dsseldorf wurde eine Flle an interes- santen neuen Daten aus klinischen Stu- dien zum Diabetes von Experten vorge- tragen und mit den Teilnehmern disku- tiert. Im vorliegenden Heft mchte ich die Lektre der Artikel zu folgenden Themen besonders empfehlen: F Pathophysiologie und Prvention (S. Martin) 0 1
F Typ- 0 1
-Diabetes (M. Stumvoll und W. A. Scherbaum) 0 1
F Diabetes und Auge (A. Schlotterer und H.-P. Hammes) F Diabetes und Gehirn (F. Erbguth) und F diabetisches Fusyndrom (M. Spraul und T. Tanudjaja). 0 1
Diagnose 0 1
Epidemiologie und Screening 0 1
0 Neues zu diesem Thema wurde von PD. Dr. W. Rathmann vom Deutschen Dia- beteszentrum in Dusseldorf vorgetragen. Die Ergebnisse einer Studie aus den USA legen nahe, dass es mit erhohtem Lebens- alter zu einer Zunahme des HbA
1 W. A. Scherbaum Universitatsklinikum Dusseldorf, Heinrich-Heine-Universitat Dusseldorf , Dusseldorf
-
abhngig vom altersbedingten Anstieg
der Glucosewerte und der
Insulinresistenz auftritt [2]. Die Ursache dafr ist
bisher unbekannt.
Arbeitsbedingungen knnen das
Risiko fr Diabetes erhhen. Die
Kombination aus hohen Anforderungen (z. B.
Zeitdruck, Schwere der Arbeit) und
niedriger individueller
Steuerungsmglichkeit erweist sich als besonders
ungnstige Korrelation [3]. Zu hnlichen
Ergebnissen kommt eine Metaanalyse, die Daten
von 122.120Menschen einbezieht: Ein
erhhtes Diabetesrisiko ist nicht
unbedingt mit langen Arbeitszeiten
(mindestens 55 Stunden pro Woche) verbunden,
sondern es ist assoziiert mit einem
niedrigem Sozialstatus und damit
mglicherweise geringen Steuerungsmglichkeiten
am Arbeitsplatz [4].
Die ACCORD-Studie belegt eine
erhhte Mortalitt bei Patienten mit
Typ-2Diabetes, deren Blutzucker zu scharf
eingestellt war. Dies trifft auch fr einen
Typ1-Diabetes zu: Zu niedrige
HbA1c-Werte sind mit einer erhhten Mortalitt
verbunden. Bei HbA1c-Werten unter 6% und
ber 11% steigt das Mortalittsrisiko
zunehmend an [5].
Typ-1-Diabetes und
Insulintherapie
Zum Thema referierte Prof. Dr. M.
Dreyer vom Asklepios Westklinikum
Hamburg. Die DCCT-Studie (Diabetes
Control and Complications Trial) mit einer
Laufzeit der Intervention von bis zu
10Jahren wurde 1993 publiziert [6].
Nahezu alle Patienten konnten in der
Nachbeobachtungsstudie EDIC (Epidemiology
of Diabetes Interventions and
Complications) weiterverfolgt werden. Die in einer
speziellen Ausgabe der Zeitschrift
Diabetes Care im Jahr 2014 publizierten
30-Jahres-Ergebnisse wurden beim
DiabetesUpdate 2015 vorgestellt und diskutiert.
DCCT/EDIC stellt einen Meilenstein dar
und ist qualitativ die beste und grte
Studie zur Therapie des Typ-1-Diabetes.
Dabei ergab sich fr die Interventionsstudie
ein signifikanter und anhaltender Vorteil
bezglich kardiovaskulrer Ereignisse [7]
und Gesamtmortalitt (. Abb. 1, [8])
sowie ein ber die Jahre zunehmender
Vorteil bezglich der Inzidenz und
Progression einer diabetischen Retinopathie [9].
Whrend der
EDIC-Beobachtungsphase war die Inzidenz von Mikro- und
Makroalbuminmie im Interventionsarm
weiter kontinuierlich niedriger. Mehr als
die Hlfte der Patienten, die eine
Mikroalbuminmie entwickelt hatten, zeigten
spter keinen Abfall der glomerulren
Filtrationsrate (GFR). Fast alle Patienten, die
eine verminderte GFR entwickelten,
zeigten davor eine Makroalbuminurie [10].
Des Weiteren wurde ber eine Reihe
von Studien berichtet, in denen
Patienten mit Typ-1-Diabetes zustzlich
Medikamente erhielten, die primr fr die
Behandlung des Typ-2-Diabetes zugelassen
sind: Metformin, DPP4-Hemmer,
GLP-1Analoga und SGLT-2-Inhibitoren.
Konventionelle Therapie
10 15 20
Zeit seit der DCCT-Randomisierung
Abb. 1 8 DCCT-Studie. Gesamtmortalitt im Langzeitverlauf in der Gruppe mit intensiver Therapie im
Vergleich zur konventionellen Therapie (Mod. nach [8])
Die letzten 3 Substanzen sind bei
Typ1-Diabetes noch kontraindiziert. Eine
Metaanalyse von 8 randomisierten
Studien zum Thema Metformin bei
Typ-1Diabetes zeigte eine Abnahme der
tglichen Insulindosis und des
Krpergewichts sowie des Gesamtcholesterins mit
Abnahme von HDL- und
LDL-Cholesterin. Es fanden sich keine Unterschiede fr
HbA1c-Werte, schwere Hypoglykmien
und Ketoazidosen [11].
Diabetestechnologien
Zum Thema Diabetestechnologien
referierte Dr. S. Schlter von der
DiabetesSchwerpunktpraxis Northeim. Es wurde
u. a. eine neue Methode vorgestellt, wie
der HbA1c-Wert auf der Basis von
routinemig durchgefhrten
Blutzuckerselbstmessungen berechnet werden kann
[12]. Dies scheint zu einer besseren
Motivation der Patienten beizutragen. Die
Referentin stellte ferner eine neue Studie
vor, in der die Genauigkeit und
Reproduzierbarkeit von
Blutzuckerselbstmessungen mit 12 verschiedenen
Messgerten und den dazugehrigen Teststreifen
untersucht wurde. Insgesamt 3 der
12getesteten Gerte erfllten nicht die
minimalen Anforderungskriterien der Norm
DIN EN ISO 15197:2003 [13]. Aus diesem
Grund werden regelmige unabhngige
Qualittskontrollen gefordert.
Auerdem sind verschiedene
Bolusrechner/Boluskalkulatoren (BC)
vorgestellt worden, mit denen die Berechnung
von Insulindosen zur
Blutzuckerkorrektur mglich ist. Insulinpumpen sind
heute mit dieser Technologie standardmig
ausgestattet. Als Orientierung sind
dazu spezielle Leitlinien ausgearbeitet
worden [14]. Seit einiger Zeit gibt es
Blutzuckermessgerte, die ber einen
integrierten Bolusrechner verfgen, z. B. InsuLinx
(Abbott) und ACCU CHEK aviva expert
(Roche).
Die Referentin stellte auch das
FlashGlucose-Monitoring(FGM)-System vor.
Dabei werden Nadelsensoren in das
subkutane Gewebe eingesetzt. Mithilfe eines
Empfangsgertes kann ber einen
Sensor die Gewebeglucose beliebig oft
gemessen werden [15]. Nach einer Tragezeit
von 14 Tagen schaltet sich das Gert
automatisch ab. Die Referentin stellte heraus,
dass die Messwerte und das Anzeigen des
Glucosetrends zwar viele Informationen
liefern, aber das FGM-System keinen
Ersatz fr kontinuierliche
Glucosemonitoringsysteme (CGM) darstellt. CGM
bieten mit einer Alarmfunktion einen
groen Vorteil.
Diabetes und Ernhrung
Zum Thema Diabetes und Ernhrung
referierte Prof. Dr. A. Pfeiffer vom
Deutschen Institut fr Ernhrungsforschung
(DIFE) Potsdam-Rehbrcke. Mehrere
neue Studien haben gezeigt, dass entgegen
den bisherigen Empfehlungen zur
Diabetesdit die
Kohlenhydrat(KH)-Restriktion ein zentrales Element der
nichtmedikamentsen Diabetesbehandlung
darstellt. Im Vergleich zu 53% der
Energieaufnahme mit KH hat sich ein KH-Anteil
von 14% insbesondere bei
bergewichtigen Menschen mit Typ-2-Diabetes fr die
Diabeteseinstellung als auch fr die
Gewichtsabnahme als gnstig erwiesen [16].
Dazu gibt es einen lesenswerten
ReviewArtikel, der eine nderung der
Ernhrungsleitlinien der medizinischen
Fachgesellschaften, darunter die der Deutschen
Diabetes-Gesellschaft, nahelegt [17].
Interessant war die Vorstellung einer
Studie, die zeigte, dass ein moderater
Alkoholkonsum bei Patienten mit
Typ-2Diabetes verbunden ist mit einem
geringeren (...truncated)