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Verhandlungen /~rztlicher Gesellschaften.
Calorienmenge yon 2000 CaIorien unterschreitet. Besondere
Sehwierigkeiten bereitet der Wiederaufbau zu Verlust gegangener Organsubstanz, was besonders bei der lipophflen I)ystrophie zu besonderen Stoffwechselversuchen Veranlassung gab,
nach denen gerade diese Untererni~hrungsformen jugendlicher
weiblicher Individuen zu einem starken endogenen Eiweigverbrauch neigen, wogegen der mittelschwere Hunger5demkranke
keine abnorme Zerst6rungstendenz fiir dug GewebseiweiB zeigt.
Nicht nut der Sticks~off- sondem auch der Sehwefelumsatz
bieten Einbliek in den Zerst6rungssteffwechset, wobei im Rubmen des EiweiBabbaues bevorzugt die schwefelhaltigen Aminosguren zur Deekung des intermedi~ren Eiweiflstoffweehsels
herangezogen werden. Auch ffir den Schwefelstoffweehsel gilt
die Grenze yon 2 000 Calorien, ~ber der ein Stoffwechselgleichgewicht erst erwartetwerdenkann. Eine errechnete SticksteffSchwefelrelation ergab ffir die Mangelkranken eine normale
Abnutzungsquote, wiihrend die lipophilen Dystrophiker eine
a~t'fallende ErhShung des EiweiBbedarfes notwendig haben zur
Deckung der i n t e ~ e d i a r e n Verbre~.mungsvorggnge. Zur Frage
der (~dementstehung bzw. der 0demrezidivierung vertrat
B~Ns~ die Ansieht der Kombination yon Hypoprotein&mien,
die nieht immer vorhanden zu sein brauehen, mit onkotischen
Vorgangen und Veranderungen der Zeltmembranen und zentraler Dysregulationen. Als Folge ungeniigender Naehlieferung yon Substanz sind wahrsehein]ich St6rungen des Fermenthaushaltes wie der inneren Sekretion (Hypothyreose, auch
pluriglandul~ireStSrungen) anzusehen, was zu den immer wieder
beobachteten Dysregul~tionszust~nden, unter anderem besonders des Kohlehydratstoffwechsels, ja sogar des Blutdrucks ffihren kann. Mit demHinweis auf die nicht nur stoffiichen, sondern
auch seelischen Unzuliingliehl(eiteh unserer augenblickliehen
Lebenslage und mit der Bemerkung, ,,daft ein Ausweg aus
unserem Niedergang nur m6glich ist, wenn die unbedingt hierzu
notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden, die Vermeidung der Demontage der ~[enschen selbst", schloB der Vortragende seine Ausffihrung.
GIESE (Bremen): Folgen langdauernder Unterern~hrung
bzw. Hungerns k6nnen in Form der Atrophia sicca als Ausdruek ealorischerUntererni~hrung oder in Form der Dystrophia hydropic~ als Zeichen eines Eiweil~mangels imponieren.
Je nach Ausmal~ der Atrophien k6nnen Organgruppen unterschieden werden, deren Gewebssubstanz sich im Hunger labil
~md eine andere, die sich stabil verh~lt. Die Glykogen~erarmung der Gewebe kann im F~lle des Hungertedes so maximal
sein, dab histotogiseh kein Gewebsglykogen mehr nachgewiesen
werden kam~ und die Blutzuckerwerte bis zu 4rag. % absinken.
Der Fettmangel ist verantwortHch nicht nut ffir einLeerwerden
der Fettdepots, sondern auch fiir eine ga]lert,ige 5dematSse
Umwandlung des Fettgewebes. Der EiweiBmangel bewirkt an
der Zelle einen Kollapszustand mit Einstethmg der Steffwecbselfunktion. Daran sind aueh die hormonproduzierenden Driisen mit Ausnahme der Nebe~mierenrinde beteiligt. Am ~uskel
wird die fib~ll~re Substanz abgebaut, an deren Stelle in den
Muskelschl~uchen eine fifissigkeitsreiche Masse auftri~t. Das
abgebaute Muske]eiweiB wird yore Blutplasma aufgenommen
und fiir die Erhaltung der dynamischen und stofflichen Bedfirfnisse des Organismus verwendet. Der Herzmuskel kann
feucht oder troeken atrophieren, wodm'ch Ver~nderungen am
Reizteitungssystem effolgen k6nnen. Die Kreislaufperipherie
ist dutch eine Capillarerweiterung charak~erisiert, wogegen die
fl~iher angenommene Gef~Bwandschi~digtmg keine anatomischhistologische'Stfitze eff&hrt. Das Btutbild 'zeigt eine auf
den EiweiBmangel zuriiekftihrende An~mie. Die Eisenspeicherung im Hunger ist keine tt~mosiderose, sondern eine Myosiderose (G~EsE). Der Magendarmtractus zeichnet sieh dureh
eine Zellatro~hie aus mit verminderter Schleimsekretion und
oft haemon'hagischen Schleimhauterosionen, ja im Dickdarm
mit zahlreichen kleinen Geschwiiren und dicken Fibrinbel~gen
(Hung:erruhr). Wie die in~ektiSsen Begleitkrankheiteu "der
Hungeratrophien einen besonders widerstandslosen Organismus vorfinden und meist nm" mi~ geringffi~gen Reaktionen
ablaufen, so ist gerade die Tuberkulose wegen der rasehen Einschmelzungstendenz yon Lungengewebe und komplizierten
Klinisohe
Woehenschrift
Pleuraempyemen geffirchtet und bildet fast immer das tragi"
sche Ende des Dramas chronischer Unterern~hrung.
SCHOEN (G6ttingen): Umfassende Untersuchtmgen an
12260 m~nnlic.hen.Heimkehrern in einem Durchgangslager,
durchgeffihr~ yon einem Fach~rztestab, erm6glichten es, einen
Blick in die prozentuale Verteilungen der Hunger- bzw. Unterern&hrungssch~den zu geben, wie sie Klinik (BERG) und
Pathotogie (BAssi, GIESE) in den vorhergehenden Vortrggen
umrissen. Besonders bemerkenswert war eine Zun~hme des
Untergewiehtes mit dem Lebensalter und die Abha~ngigkeit
yon der K6rpergr6i]e zu Unguns~en der :gochwiichsigen.
6 094, also die Hglfte aller Untersuehten, zeigten schwere Ernghrungsschi~den, wobei 1942 sichtbare 0deme besonders bei
den jugendliehen Jahrggngen vorhanden waren. Als neu wurden ,,Dyskeratosen" beschrieben, Hautver~nderungen in Form
yon l~mell~ren, fli~chenhaften Abschuppungen und follikulgren
Hyperkeratosen (G~EvER). Daffir sowie ffir die in 20 % der
F~lle vorhandenen Pyodermien werden Eiweil~ und Fett sowie
Vitamin-A-Ma.ngel verantwortlich gemaeht, w~hrend sonst
Hypovitaminosen als selten vermerkt werden konnten. Durchf~lterkrankungen kolmten anamnest,iseh bei a,llenUntersueh~en
erhoben werden (Hungerruhr), ebenso wie eine Sub- and Anacidit~t sowie eine Sub- bzw. Afermentie bei den m eisten der
Untersuchten festgestellt wurden. Der Kreislauf zeigte die bei
allen Unterernghrungszustgnden obligate Hypotenie. Capillarn~ikroskopisehe Untersuchungen wiesen sehwerste spas~iseh
atonisehe Vergnderungen oft mit pericapill~rem 0dem naeh.
Eine Beziehung zwischen Serumeiwei~wer~ und 0dem konnte
nicht hergestellt werden, dagegen zwischen Hypoproteingmie
und Grundumsatzsenkung (~E~TENS). Die h~matologischen
Unt.ersuehungsergebnisse deckten sich mit den oben erwghnten
Festste]lungen BERGS, wobei die Uneinheitlichkeit der Beflmde
yon SCSOEX in An~logie zu den Sprueangmien aufgefal~t wird.
Ein sehr hoher Prozentsatz (23,5%) waren teils mit aktiver
Tuberkulose, teils mit Pleuri~iden behaftet, wobei ganz besonders die extrem unterernghrten Jugendliehen betroffen waren.
SCgOEN fiihrte aus, dal~ der Staa~ gegeniiber diesen Keimkehrern in jeder, vor ahem in sozialer HinsiehL zunaehs~ die Verpfiichtung der Ffirsorge zu efffillen hat.
WIELE (Essen) : WI~LE gab einen Einblick in die gesund.
heitliche Situation im Ruhrgebiet, wo bei der ~rbeitenden Bev6lkerung eine ~berspam~ung tier Leistungsfghigkeit zu verzeichnen ist, deren An~gnge bis in das Jahr 1939 zuriickreiehen,
und die wghrend des Krieges durch die fast jeden einzeluen
Betreffenden materiellen und ideellen Einbul~en einer steigenden Zunahme unterw~)rfen warden. Eine eindrucks (...truncated)