Schizophrene Erkrankungen. Hirnveränderungen nicht medikationsbedingt
aktuell
Quelle:
Satellitensymposium der Roche Austria
GmbH anlässlich der
13. Jahrestagung der
Österreichischen Gesellschaft für Neurologie am 16. März 2016
in Innsbruck/Martin
Bischoff
um 3,4 % ab, während unter Placebo
ein Anstieg des Volumens der T2-Läsionen um 7,4 % verzeichnet wurde
(p < 0,0001). Nicht zuletzt verringerte Ocrelizumab über den Beobachtungszeitraum von 120 Wochen die
Geschwindigkeit, mit der die Patienten an Hirnvolumen verloren, signifikant um 17,5 % gegenüber Placebo
(p = 0,0206).
Unerwünschte Ereignisse unter
Ocrelizumab unterschieden sich in
der Häufigkeit nur wenig von Placebo.
Wichtigste Nebenwirkung unter dem
monoklonalen Antikörper waren infusionsbedingte Reaktionen. Schwerwiegende Nebenwirkungen einschließlich
schwerwiegender Infektionen, ereig-
neten sich vergleichbar oft wie unter
Placebo.
Auch in dieser Studie wurde unter
Ocrelizumab bei allerdings doppelt so
vielen Patienten als Placebo eine erhöhte Rate an Malignomen von 11 gegen 2 (2,3 % versus 0,8 %) beobachtet,
wobei die Häufigkeit von bösartigen
Neubildungen in beiden Gruppen
noch innerhalb der zu erwartenden
statistischen Bandbreite der Normalbevölkerung lag. Unter Ocrelizumab
handelte es sich um ein Adenokarzinom des Endometriums, ein anaplastisches Lymphom, ein Histozytom, ein
metastasiertes Pankreaskrebs, drei Basalzellkarzinome und vier Mammakarzinome. Unter Placebo ereigneten
sich ein Zervix-Adenokarzinom in situ
sowie ein Basalzellkarzinom.
Abschließend kam Kraus noch auf
neueste Daten vom ACTRIMS zu sprechen. Dort wurde eine Subgruppenanalyse von Wolinski J et al. präsentiert.
Danach besteht eine vergleichbare
Wirksamkeit bei Patienten mit PPMS
unabhängig davon, ob sich im MRT
Gd-anreichernde Läsionen finden lassen oder nicht.
psychopraxis. neuropraxis
2016 · 19:88–90
DOI 10.1007/s00739-016-0323-0
Online publiziert: 29. April 2016
© Springer-Verlag Wien 2016
Schizophrene Erkrankungen
Hirnveränderungen nicht medikationsbedingt
Bei Patienten mit schizophrener Erkrankung wurde untersucht ob Hirnveränderungen Folge der Erkrankung
oder einer langjährigen Medikation sind.
FF
Eine chinesische Arbeitsgrup-
Quelle:
InFo Neurologie &
Psychiatrie 2016;
18(2)¸ Springer
Medizin (2016) DOI:
10.1007/s15005-0161633-8
90
pe widmete sich der Frage, ob bei Patienten, die langjährig unter einer schi
zophrenen Erkrankung leiden, jedoch
noch nie medikamentös behandelt
worden sind, spezifische morphologische Auffälligkeiten des Gehirns feststellbar sind. In früheren Untersuchungen musste letztlich offen bleiben, ob
die beschriebenen Auffälligkeiten Folge der Erkrankung oder einer langjährigen Medikation waren.
Mithilfe von T1-gewichteten, hochauflösenden MRT-Schnitten wurden 25
Patienten, die seit fünf bis 47 Jahren
unter einer schizophrenen Erkrankung
litten und bisher nicht medikamentös
behandelt worden waren, im Vergleich
zu 33 gesunden Kontrollpersonen untersucht. Der Durchmesser des Kortex
und das Volumen der grauen Substanz
wurden verglichen. Im Fall von signifikanten Gruppenunterschieden wurde
unter Berücksichtigung von altersabhängigen Effekten untersucht, ob sich
psychopraxis. neuropraxis 3 · 2016
in der Gruppe der Patienten mit schizophrenen Erkrankungen eine signifikant
stärkere Abnahme der genannten Parameter nachweisen lässt.
In der Gruppe der schizophrenen Patienten fiel in mehreren Hirnarealen
eine signifikant verminderte Kortexdicke auf (ventromedialer präfrontaler
Kortex, linker Gyrus temporalis superior, Pars triangularis rechts). Die Auswertung ergab Hinweise auf eine beschleunigte altersabhängige Verdünnung der
kortikalen Schichten in den genannten
Hirnregionen, während dieser Prozess
im Bereich des linken Globus parietales superior eher verlangsamt erschien.
Auch im Hinblick auf das Volumen
der grauen Substanz ergab sich ein
differenziertes Bild: höhere Werte im
Bereich des Putamens beidseits und
geringere Volumina im rechten Gyrus
temporalis, wenn die Gruppe der Patienten mit der Kontrollgruppe verglichen wurde. Eine Veränderung der altersbedingten Verschiebungen konnte
im Hinblick auf die graue Substanz
nicht festgestellt werden.
Das Hauptergebnis, nämlich die beschleunigte altersabhängige Abnahme
der präfrontalen und temporalen kortikalen Schichten deuten darauf hin,
dass es im Rahmen einer schizophrenen Erkrankung zu progressiven neurodegenerativen Prozessen kommt, die
aber auf spezifische Hirnregionen beschränkt bleiben und die nicht auf eine
langjährige medikamentöse Behandlung zurückgeführt werden können.
Literatur
1. Zhang W et al. (2015) Brain structural abnormalities in a group of never-medicated
patients with long-term schizophrenia. Am
J Psychiatry 172(10):995–1003. doi:10.1176/
appi.ajp.2015.14091108
psychopraxis. neuropraxis 2016 · 19:90
DOI 10.1007/s00739-016-0324-z
Online publiziert: 29. April 2016
© Springer-Verlag Wien 2016
(...truncated)