Was schützt vor erneuten Exazerbationen?
AKTUELLE MEDIZIN . KONGRESSBERICHTE
Tertiärprävention für COPD-Patienten
Was schützt vor erneuten Exazerbationen?
Das Vermeiden von akuten Exazerbationen gehört zu den Hauptzielen bei der Behandlung von
COPD-Patienten. Aber nicht alle Maßnahmen mit nachgewiesener Schutzwirkung sind generell
zu empfehlen, und manche sollten trotz fehlenden Nachweises genutzt werden.
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schützt ebenfalls, und
zwar besser als Placebo
Wie steht es mit seiner
bzw. ICS allein.
Adhärenz?
5 Patienten in integrierter
Versorgung leiden seltener
an AECOPD als Patienten
mit „Standardversorgung“.
Garcia Aymerich empfiehlt
deswegen Schulungen für
Betroffene.
Wenn die COPD trotzdem exazerbiert, kann durch eine Therapie mit systemischen Kortikosteroiden nicht nur die akute Situation gebessert, sondern auch
das Risiko für weitere AECOPD
gesenkt werden. Prävention betreiben kann man außerdem, in_ Zur Vorbeugung von akuten Exazerdem man Patienten mit einer AECOPD
möglichst zu Hause behandelt. Das Konbationen einer COPD (AECOPD) steht
ein breites Spektrum an Interventionen
zept „hospital at home“ kommt laut Garcia
zur Verfügung. „Die Prävention geht
Aymerich nicht nur dem Wohlbefinden der
über die rein medikamentöse Therapie
Patienten zugute, sondern senkt auch das
hinaus, und sie ist auch nicht nur Sache
Exazerbationsrisiko. Eine pneumologische
des Arztes“, betonte Prof. Judith Garcia
Reha nach überstandener AECOPD senkt
Aymerich von der Universität in Barcedie Rate weiterer Episoden ebenfalls.
lona bei einem ERS-Symposium.
Nutzen-Risiko-Abwägung
Fünf wichtige Maßnahmen
Für Patienten in einer stabilen Phase der
Erkrankung haben fünf Maßnahmen
eine Schutzwirkung:
1 Die jährliche Influenza-Impfung
senkt laut einer Cochrane-Analyse
das Risiko für Exazerbationen.
2 Lang wirksame Anticholinergika
(LAMA) reduzieren AECOPD und
COPD-bedingte Krankenhauseinweisungen.
3 Lang wirksame Betamimetika
(LABA) verhindern mittelschwere
und schwere AECOPD.
4 Die Kombination aus inhalativem
Kortikosteroid (ICS) und LABA
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MMW Fortschritte der Medizin
2016 . 16 / 158
Laut Garcia Aymerich gibt es aber auch
vorbeugende Maßnahmen, deren Nutzen
nicht die Risiken überwiegt. Das gelte z. B.
für die präventive Behandlung mit Makrolidantibiotika. Ein breiter Einsatz komme wegen des Risikos der Resistenzentwicklung und Hörminderung nicht infrage. Bedenken gebe es auch im Hinblick
auf die PDE-4-Hemmer – trotz belegter
AECOPD-Prävention. So sei z. B. mit einer Zunahme von Insomnien zu rechnen.
Für Mukolytika wie N-Acetylcystein haben Studien zwar einen Nutzen angedeutet. Garcia Aymerich beurteilt die Qualität dieser Studien aber als gering. Eine
breite Anwendung sei nicht zu empfehlen.
Umgekehrt verhält es sich bei Rauchstopp, Pneumokokkenimpfung und
Rehamaßnahmen für stabile COPD-Patienten. Ob mit diesen Interventionen
Exazerbationen verhindert werden, ist
bislang nicht ausreichend belegt. Wegen
des „herausragenden Nutzens für die
COPD-Prognose“, so die Pneumologin,
sollte von diesen Maßnahmen aber unbedingt Gebrauch gemacht werden.
Eindeutig nicht zur Exazerbationsprophylaxe zu empfehlen sind laut Garcia Aymerich systemische Kortikosteroide als Dauertherapie sowie Statine.
Gute Adhärenz ist unabdingbar
Wie gut es gelingt, Exazerbationen zu verhindern, hängt auch von der Mitarbeit des
Patienten ab. Er sollte nicht rauchen, körperlich aktiv sein, gesund essen und sich
möglichst wenig verschmutzter Luft aussetzen. „Daten zum Nutzen von Bewegung zeigen konsistent ein reduziertes
Exazerbationsrisiko“, so Garcia Aymerich.
Für besonders kritisch hält sie die Therapieadhärenz – und hier vor allem die korrekte Anwendung der Inhaler. Nach einer
Studie aus dem Jahr 2011 werden hier oft
Fehler gemacht, weil die Patienten z. B.
nach der Beladung in das Mundstück ausatmen, die Inhalation zu früh beenden
oder danach nicht den Atem anhalten.
Die Pneumologin plädierte zudem für
Präventionsmaßnahmen auf Populationsebene, wie Rauchverbote und Reduktion von Luftverschmutzung. Nach
der Einführung von Rauchverboten in öffentlichen Gebäuden sei ein deutlicher
Rückgang von stationären Aufnahmen
wegen AECOPD beobachtet worden. ■
Dr. Beate Schumacher
■ Symposium „The management of acute exacerbations of
COPD“, Kongress der European Respiratory Society,
London, 3.–7. September 2016
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