Energieverbundtechnik
Elektrotechnik & Informationstechnik (2017) 134/3: 221. DOI 10.1007/s00502-017-0506-2
VORWORT
Energieverbundtechnik
T. Kienberger
Online publiziert am 9. Mai 2017
© Springer Verlag Wien 2017
Durch die heute schon signifikante, in Zukunft noch
weitaus stärkere Einspeisung volatiler erneuerbarer
Energie in die elektrischen
Netze ist das gesamte Energiesystem im Umbruch. In
einer der letzten Ausgaben
der e&i wurden, von Kollegen Gawlik editiert, die Herausforderungen, die durch
vermehrte dezentrale Einspeisung und Speicherung
sowohl für die VerteilerUniv.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.
netze als auch für den
Thomas Kienberger
Verbundbetrieb des elektrischen Netzes entstehen,
dargestellt bzw. Lösungsansätze dafür in den Mittelpunkt gerückt. Es ist bereits heute bekannt,
dass bei ausschließlichem Ausgleich der durch erneuerbarer Stromeinspeisungen verursachten Residuallasten in den elektrischen Netzen sehr hohe Kosten entstehen, die sich auf die Volkswirtschaft
niederschlagen werden. Lösungsansätze, die die klassischen Sektoren der Energiewirtschaft miteinander koppeln bzw. sogar über
Energieträgergrenzen hinweg korrespondierende (hybride) Speicherund Systemlösungen andenken, geraten dadurch in den Fokus der
Wissenschaft. Die aktuelle e&i-Ausgabe beschäftigt sich genau mit
solchen Energieverbunden.
Die erste Arbeit, die in dieser Ausgabe vorgestellt wird, beschäftigt sich mit der Frage, warum in Zukunft komplexe, hybride Energiesysteme benötigt werden. Die Realisierung von Hybridnetzen ermöglicht nämlich in Zukunft eine optimierte Integration bestehender Infrastrukturen mit Einbeziehung aller (Energie-)Netze – Stromnetz, Gasnetz, Wärmenetz, Wassernetz, Verkehrsnetz. Darauf aufbauend können strategische Entscheidungen auch in der Energieraumplanung getroffen werden, wodurch das Energiesystem prioritär im regionalen Kontext weiterentwickelt wird und somit auch im
überregionalen Kontext entscheidende positive Beiträge liefert, sodass eine Stärkung des heimischen Wirtschafts- und Lebensraums
erreicht werden kann.
Der zweite Beitrag setzt sich mit der energieträgerübergreifenden Planung und Analyse zukünftiger Energiesysteme auseinander.
Anhand aktueller Forschungsprojekte werden die am Institut für
Energiesysteme und Elektrische Antriebe der Technischen Universität
Wien entwickelten Methoden zur Planung, Auslegung und dem Betrieb von Hybridnetzen vorgestellt und diskutiert.
Wir bleiben bei der Planung zukünftiger hybrider Energieverbundsysteme. Im nächsten Beitrag wird am Bespiel eines mittelstädtischen Verteilernetzes gezeigt, wie mithilfe eines zellularen Ansatzes
lokale PV-Potentiale, Grenzen der elektrischen Netze und städtische
Energiebedarfe miteinander verbunden werden können.
Juni 2017 134. Jahrgang
Der vierte Artikel setzt sich mit Langzeit-Energiespeicherung in
Erdgasnetzen auseinander. Durch die bidirektionale Kopplung bestehender Erdgasinfrastruktur mit dem Stromnetz können saisonale
Speicher geschaffen werden, indem überschüssiger Strom in Elektrolyseanlagen zur Wasserstofferzeugung genutzt wird. Der Wasserstoff kann Erdgas in der vorhandenen Infrastruktur (Gasspeicher, Pipelines) in begrenztem Umfang beigemischt werden oder in einer
gaskatalytischen Reaktion mit CO2 und/oder CO direkt zu Methan
umgesetzt werden.
Im fünften Beitrag wechseln wir zu kommunalen Energieversorgungsstrukturen. Kläranlagen weisen einen Anteil von rund 20 %
am Gesamtstromverbrauch kommunaler Strukturen auf. Bei genauerer Betrachtung der Anlagen wird jedoch ersichtlich, dass nicht
nur der Verbrauch, sondern auch die Energieproduktion vor Ort hervorzuheben ist. Analysiert man die Last- und Erzeugungsprofile detaillierter, wird zudem ersichtlich, dass Lastverschiebungspotenziale
vorliegen, welche in Zukunft dazu führen könnten, dass Kläranlagen
als Flexibilitätsoption im Energiesystem auftreten.
Im abschließenden, sechsten Beitrag wird noch einmal auf die
Kopplung Stromnetz – Mobilität eingegangen. Werden im zukünftigen Energiesystem Elektrofahrzeuge am öffentlichen Verteilernetz
der Netzebene 7 betrieben, so muss nicht nur deren energetische
Versorgung sichergestellt werden, vielmehr gilt es auch festzustellen, wie sich derartige Fahrzeuge im Hinblick auf ihre Netzrückwirkungen betreffend Spannungsqualität darstellen. Die vorliegende
Arbeit widmet sich genau diesem Themenfeld und zeigt auf, welche Herausforderungen diesbezüglich bestehen.
Zu guter Letzt möchte ich mich bei der e&i-Redaktion, bei allen
Autorinnen und Autoren sowie beim Review-Team für das Zustandekommen dieser, aus meiner Sicht spannenden e&i-Ausgabe bedanken. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine angenehme Lektüre.
Kienberger, Thomas, Lehrstuhl für Energieverbundtechnik, Montanuniversität Leoben,
Franz Josef-Straße 18, 8700 Leoben, Österreich
(E-Mail: )
© Springer Verlag Wien
heft 3.2017
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