Zeitgemäßes Belegungs- und Entlassungsmanagement
Übersichten
Trauma Berufskrankh 2018 · 20 (Suppl 4):S260–S264 J. Zaage · M. Heinke
https://doi.org/10.1007/s10039-018-0373-z
BG Klinikum Bergmannstrost Halle gGmbH, Halle, Deutschland
Online publiziert: 17. Mai 2018
© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von
Springer Nature 2018
Zeitgemäßes Belegungs- und
Entlassungsmanagement
Zusatzmaterial online
Die Online-Version dieses Beitrags (https://
doi.org/10.1007/s10039-018-0373-z)
enthält das Dokument „Hauseigener
Entlassplan 2017“ (ESM-Abb. 1). Beitrag
und Zusatzmaterial stehen Ihnen im
elektronischen Volltextarchiv auf https://
www.springermedizin.de/traumaundberufskrankheit/7954834 zur Verfügung.
Sie finden das Zusatzmaterial am
Beitragsende unter „Supplementary Material“.
4 keine oder zu späte Information der
Angehörigen,
4 schlechte Erreichbarkeit eines kompetenten Ansprechpartners im Krankenhaus bei Rückfragen,
4 keine zeitnahe Information des
Unfallversicherungsträgers (der
Entlassungsbrief traf in 72 % der Fälle
erst 2 Wochen oder noch später ein)
[5].
Maßnahmen
Hintergrund/Ausgangslage
Niedergelassene D(Durchgangs)-Ärzte,
Hausärzte, BG(Berufsgenossenschaft)Verwaltungen, ambulante Pflegedienste
und auch Patienten klagen über Kommunikationsdefizite bei Entlassung der
Patienten aus dem Krankenhaus [3–5, 7,
8].
Insbesondere werden bemängelt:
4 kein Entlassungsbrief bei ambulanter
Vorstellung,
4 unvollständige Inhalte des Entlassungsbriefes,
4 mangelnde Angaben zur Medikationsveränderung während des
stationären Aufenthaltes bzw. zu den
Medikationsempfehlungen nach dem
stationären Aufenthalt,
4 kurzfristige Entlassung aus dem
Krankenhaus ohne Information des
weiterbehandelnden Arztes,
4 fehlende Absprache über ärztliche,
pflegerische und rehabilitative Maßnahmen, unklare Verantwortlichkeit
zur Patientenkoordination nach
stationärer Behandlung,
4 mangelnde Vorbereitung einer Entlassung am Freitagnachmittag,
4 keine oder zu späte Information des
ambulanten Pflegedienstes,
S260
Trauma und Berufskrankheit · Suppl 4 · 2018
Vor ca. 10 Jahren haben wir am Bergmannstrost neben den Fortbildungsveranstaltungen für D-Ärzte auch eine jährliche Fortbildungsreihe „Unser gemeinsamer Patient“ mit den Hauptzuweisern
begonnen, die sich inzwischen fest etabliert hat. Außerdem haben wir auf Anregung unseres Geschäftsführers ein zentrales Belegungs- und Entlassungsmanagement etabliert.
Fortbildungsreihe „Unser
gemeinsamer Patient“
Um die teils mangelhafte Kommunikation zwischen ambulantem und stationärem Sektor zu verbessern, haben wir
von Anfang an neben fachlichen Themen
auch immer wieder Schnittstellenprobleme besprochen. So war schon 2007 der
Arztbrief ein zentrales Thema, ab 2008
haben wir auch ambulante Pflegedienste
eingebunden.
Im Jahr 2017 haben wir die Veröffentlichung des Rahmenvertrages über ein
Entlassmanagement nach § 39 SGB V
[6] thematisiert. Da wir die Veranstaltungsreihe jährlich evaluieren, können
wir nach 10-jähriger Erfahrung konstatieren, dass sich die Kommunikation
zwischen niedergelassenen Ärzten und
dem Krankenhaus erheblich verbessert
hat und das Verständnis füreinander
deutlich gewachsen ist.
Zentrales Belegungs- und
Entlassungsmanagement
Grundsätzlich soll ein Belegungsmanagement sicherstellen, dass möglichst jeder Patient zur richtigen Zeit im richtigen
Bett liegt [7]. Das gilt für alle geplanten (elektiven) wie auch möglichst alle
ungeplanten (akuten) Aufnahmen. Damit wollen wir gleichzeitig sicherstellen,
dass die vorhandenen Kapazitäten optimal genutzt werden [3, 8].
Das Entlassungsmanagement hat zum
Ziel, dass die Patienten gut vorbereitet
und ohne Verlust von Informationen
(Entlassungsbrief, Verordnungen, Dokumente . . . ) nahtlos entweder im ambulanten Sektor oder in der stationären
Pflege weiter betreut werden können.
Damit handelt es sich in erster Linie um
eine koordinierende Funktion.
Infobox 1 Faktoren bei
stationärer Patientenaufnahme
4 Indikation
4 Diagnostik vollständig?
4 Terminierung Operation (Kapazität,
Personal)
4 Terminierung Intervention (Kapazität,
Personal)
4 Bett
4 Aktuelle Lebenssituation des Patienten
beeinflusst die Entlassung: häusliches
Umfeld, geistige/körperliche Defizite,
Medikamente
4 Verweildauer
Ärztlicher Direktor
Assistenz
Stv. Ärztlicher Direktor
Kliniken
Administrationsbereiche
ärztlicher Dienst
Fachabteilungen
Klinik für Unfall- und
Wiederherstellungschirurgie
Klinik für Neurochirurgie
Notaufnahme
Krankenhaushygiene
Zentrum für Rückenmarkverletzte
und Klinik für Orthopädie
Klinik für Neurologie
D-Arzt-Ambulanz
Zentrallabor
Fachübergreifende
Frührehabilitation
Klinik für Plastische und
Handchirurgie
Abteilung für medizinische
Psychologie
Krankenhausapotheke
Abteilung für Neuro-Urologie
OP-Management
Medizinische Klinik
Brandverletztenzentrum
Handrehabilitation
Funktionsdiagnostik
Klinik für Allgemein-,
Viszeral- und Gefäßchirurgie
Klinik für Physikalische und
Rehabilitative Medizin
Klinik für Anästhesiologie,
Intensiv- und Notfallmedizin, Schmerztherapie
Klinik für Bildgebende Diagnostik
und Interventionsradiologie
Zentrales
Belegungsmanagement
Servicezentrum für die Träger
der Unfallversicherung
Wissenschaft, Forschung
und Lehre
Klinik für Pädiatrische
Traumatologie
Abb. 1 8 Verantwortungsbereich des Ärztlichen Direktors
Zeitpunkt t0
Zeitpunkt t1
Anfrage
nach
Angebot
für 500 €
Anfrage
annehmen
Keine
Anfrage
Kein
Verkauf
Erlös = 500 €
Anfrage
ablehnen
Anfrage
nach
Angebot
für 200 €
Erlös = 0 €
Anfrage
annehmen
aus dem Blick zu verlieren, setzt sich
unsere wöchentliche Besprechungsrunde aus folgenden Bereichen zusammen,
wobei jeweils eine Mitarbeiterin bzw. ein
Mitarbeiter vertreten ist:
4 Belegungsmanagement (akut und
Reha),
4 ärztliche Direktion,
4 Pflegedirektion,
4 Sozialdienst/Entlassungsmanagement,
4 Controlling und Finanzen,
4 Servicebüro für die Unfallversicherer,
4 Patientenaufnahme,
4 Medizincontrolling.
Erlös = 200 €
Abb. 2 8 Mögliches Erlösszenario. (Aus [8])
Belegungsmanagement
Formal untersteht das Belegungsmanagement (wie auch das Operationsmanagement) als Administrationsbereich
dem Ärztlichen Direktor (. Abb. 1).
Dies ist notwendig, damit in einer möglichen strittigen Situation die Interessen
des Krankenhauses gegenüber denen der
einzelnen Fachabteilungen entsprechend
vertreten werden können.
Entscheidungen des Belegungsmanagements können auch teils erhebliche
ökonomische Auswirkungen auf das
Krankenhaus haben. Dies soll . Abb. 2
als abstraktes Beispiel (aus [8]) verdeutlichen.
Um diesen Umstand immer wieder
mit zu berücksichtigen und nicht ganz
In dieser Konstellation tagen wir wöchentlich und besprechen die anstehenden Probleme. Über die Sitzung wird
ein Protokoll gefertigt, das auch der
Geschäftsführung zur Verfügung gestellt
wird.
Hauptamtlich arbeiten 2 Mitarbeiterinnen für das Belegungsmanagement,
alle anderen sind nebenamtlich tätig.
Die täglichen Belegungen steuern im
Wesentlichen 4 Mitarbeiterinnen bzw.
Mitarbeiter – die beiden hauptamtlichen
und 2 nebenamtliche. In der Literatur
[3] kann man lese (...truncated)