NSAR helfen gegen Kolikschmerzen so gut wie Opioide
NSAR helfen gegen Kolikschmerzen so gut wie
Opioide
Patienten, die von einer klassischen akuten Nierenkolik befallen werden,
wollen erst einmal nur eines: dass der Schmerz nachlässt. Mit welchen
Mitteln lässt sich ihnen am besten helfen?
Ä
rzte, die notfallmäßig zu Patienten
mit akuter Nierenkolik gerufen werden, sollten sich für Analgetika aus der
Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) als Mittel der ersten
Wahl entscheiden. Sie wirken ebenso zuverlässig gegen die Kolikschmerzen und
haben weniger unerwünschte Effekte als
Opioide. Das hat eine Metaanalyse von
36 randomisierten und kontrollierten
Studien ergeben, an denen insgesamt fast
5.000 Patienten beteiligt gewesen waren.
Mit Blick auf eine vollständige oder
mindestens 50%ige Befreiung von den
Kolikschmerzen spätestens eine halbe
Stunde nach der Medikation lagen NSAR
und Opioide gleichauf. Generell hatten
NSAR beim Rückgang der Schmerzen
auf einer 100-Punkte-Skala einen Vorteil
gegenüber den Opioiden. Er betrug im
Mittel aber nur 5,58 Punkte und fiel damit, obwohl signifikant, marginal aus.
Einen deutlicheren Vorteil erzielte die
Therapie von akuten Nierenkoliken mit
NSAR bei der Notwendigkeit, mit einer
weiteren Dosis von Schmerzmitteln die
Symptomatik zu durchbrechen. Das relative Risiko, eine weitere Dosis setzen zu
müssen, war bei ursprünglicher NSARGabe um 27 % vermindert, besonders,
bei intravenös Gabe.
Ganz klar vorne lagen die NSAR im
Hinblick auf unerwünschten Wirkungen. Die Rate war hier nur rund halb so
hoch wie nach der Gabe von Opioiden.
NSAR zeigten sich überdies, was die
Mirabegron kann Beschwerden von
Stentpatienten lindern
Patienten, denen nach retrograder Entfernung von Harnkonkrementen ein
Stent in den Ureter eingelegt wird, klagen häufig über Schmerzen und andere
Symptome. Laut einer Studie kann ihnen mit der Gabe von Mirabegron
geholfen werden.
D
ie meisten Patienten mit Ureterstents nach Eingriffen am harnableitenden System fühlen sich damit nicht
besonders wohl: 80 % haben Schmerzen,
58 % sind nicht voll arbeitsfähig und 32
% berichten von sexuellen Problemen.
Speziell können Stents die Symptome einer überaktiven Blase verursachen, mit
häufigem Harndrang und suprapubischen Schmerzen durch unwillkürliche
Kontraktionen. In der Vergangenheit ist
daher versucht worden, der Situation
mithilfe von Antimuskarinika oder Alpha-1-Blockern Herr zu werden. Die Resultate fielen allerdings gemischt aus.
Urologen haben nun in einer Studie
untersucht, wie sich die Gabe von Mira-
URO-NEWS 2018; 22 (7-8)
begron auf die von ureteralen Stents ausgelösten Probleme auswirkt. Der Beta3-Adrenozeptoragonist ist für die Therapie der überaktiven Blase zugelassen. 96
Patienten, die nach unilateraler retrograder Ureteroskopie oder einem retrograden intrarenalen Eingriff zur Steinextraktion einen Stent gelegt bekommen
hatten, nahmen an der Studie teil. Sie
wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die
Probanden der einen Gruppe erhielten
einmal täglich 50 mg Mirabegron, die
der anderen Gruppe dienten als Kontrollen. Zu Beginn und nach Ziehen des
Stents – in der Regel zwei Wochen später
– wurden die Patienten untersucht und
nach ihren Beschwerden gefragt.
Schmerzreduktion betraf, Paracetamol
überlegen. Eine rettende Analgetikadosis
war seltener vonnöten. Es mussten elf Patienten mit NSAR behandelt werden, damit im Vergleich mit Paracetamol einem
Patienten eine Rettungsmedikation erspart blieb. Bezüglich der Nebenwirkungen gab es wie erwartet keine Unterschiede zwischen den Nichtopioidanalgetika.
Fazit: „Um Patienten mit akuter renaler
Kolik ihre Schmerzen zu erleichtern,
sind NSAR den Opioiden und Paracetamol mindestens ebenbürtig“, fasst das
Studienteam zusammen. Erbrechen
komme seltener vor, eine schmerzbrechende Medikation sei weniger oft nötig.
Insgesamt, so die Wissenschaftler, legten die Resultate nahe, „dass NSAR die
bevorzugte Option für Notfallpatienten
mit Nierenkolik und adäquater renaler
Funktion sein sollten“. Dr. Robert Bublak
Pathan SA et al. A Systematic Review and
Meta-analysis Comparing the Efficacy of
Nonsteroidal Anti-inflammatory Drugs,
Opioids, and Paracetamol in the Treatment of
Acute Renal Colic. Eur Urol. 2018; 73: 583-95.
Es zeigte sich, dass sich unter Mirabegron manche, aber nicht alle Symptome
besserten. Patienten, die Mirabegron
einnahmen, hatten signifikant geringere Schmerzen, auch mit Blick auf häufiges Wasserlassen, Harndrang und Nykturie standen sie besser da. Was sonstige
Symptome seitens der Harnwege sowie
das allgemeine Befinden betraf, hatten
sie zwar tendenziell Vorteile gegenüber
der Kontrollgruppe; statistisch signifikant waren die Unterschiede jedoch
nicht.
Fazit: „Die Einnahme von 50 mg Mirabegron einmal täglich hat das Potenzial,
die mit Ureterstents verbundenen Unannehmlichkeiten zu vermindern“, schreiben die Studienautoren in ihrem Resümee. Um diesen Nutzen weiter auszuloten, bedürfe es großangelegter prospektiver und placebokontrollierter Studien.
Dr. Robert Bublak
Tae BS et al. Does mirabegron relieve ureteral
stent-related discomfort?: A prospective,
randomized, multicenter study. BJU Int. 2018;
https://doi.org/10.1111/bju.14416.
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