Bei Nierenkolik NSAR statt Opioid geben?
Schmerz
Notfall-Analgesie
Bei Nierenkolik NSAR
statt Opioid geben?
Die gängige Praxis, bei Nierenkolik ein Opioid i.v. zu
geben, ist offenbar nicht optimal. Eine wirksamere
Schmerzlinderung wurde in einer randomisierten, kontrollierten Studie mit der i.m.-Applikation eines nichtsteroidalen Antirheumatikums (NSAR) erreicht.
oder Ultraschall Harnleitersteine nachgewiesen werden konnten (n = 1.316), betrugen die Anteile der Patienten mit mindestens halbierter Schmerzintensität
69%, 68% und 60%. Unter dieser Voraussetzung waren sowohl Diclofenac i.m. als
auch Paracetamol i.v. der Morphingabe
überlegen.
Länger anhaltende Wirkung und
seltenere Nebenwirkungen
Die NSAR-Gruppe benötigte 30 Minuten
nach der ersten Analgesie seltener eine
Rescue-Analgesie mit demselben Wirkstoff als die beiden anderen Gruppen
(12% vs. 20% bzw. 23%). Auch nach 60
Minuten war der Anteil der Patienten mit
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Die Präferenz für intravenöse Opioide
zum Akut-Management von Nierenkoliken beruht auf der Annahme, dass damit
eine schnellere Resorption und eine effektivere Schmerzreduktion zu erzielen
ist als mit einer intramuskulären Analgesie. Eine doppelblinde, randomisierte und kontrollierte Studie stellt diese
Auffassung jedoch infrage. Für einen
Großteil der Patienten, die mit Nierenkolik eine Notaufnahme aufsuchen,
könnte ein NSAR i.m. demnach das Analgetikum der Wahl sein. Wie die Studienautoren aus Katar und Australien
berichten, war intramuskuläres Diclofenac sicher und sorgte, im Vergleich zu
Morphin i.v. und Paracetamol i.v., für die
schnellste, wirksamste und anhaltendste
Schmerzlinderung.
An der Studie waren 1.644 Notaufnahme-Patienten mit V. a. Nierenkolik beteiligt. Die Schmerzen hatten sie auf einer
numerischen Rating-Skala (NRS) von
1–10 im Median mit 8 Punkten bewertet.
547 Teilnehmer erhielten das NSAR Diclofenac (75 mg/3 ml i.m.), 548 Paracetamol (1 g/100 ml i.v.) und 549 Morphin
(0,1 mg/kg KG i.v.). Um die Studientherapie verblinden zu können, bekamen
alle Patienten drei Injektionen, eine mit
Wirkstoff und zwei mit Placebo.
Schnellere Schmerzreduktion
Eine Schmerzreduktion von mindestens
50% nach 30 Minuten, das primäre Studienziel, wurde mit Diclofenac von 68%,
mit Paracetamol von 66% und mit Morphin von 61% der Patienten erreicht. Der
Unterschied von Diclofenac, aber nicht
der von Paracetamol zu Morphin war signifikant.
Wurde die Auswertung auf diejenigen
Patienten beschränkt, bei denen per CT
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05 • 2016
Bei Schmerzen
durch Nierenkolik
ist eine schnelle
und effektive
Analgesie
erforderlich.
persistierenden Schmerzen (NRS > 2) unter Diclofenac am geringsten (24% vs.
30% bzw. 38%).
Unerwünschte Ereignisse wurden unter Diclofenac und Paracetamol seltener
registriert als unter dem Opioid (1% vs.
1% vs. 3%). Bei einer Nachuntersuchung
zwei Wochen später wurde in der NSARGruppe zwar häufiger ein erhöhtes Serumkreatininwert festgestellt als unter
Morphin. Bis zur vierten Woche hatten
sich aber alle Werte normalisiert. Kein
Patient musste zur Dialyse.
Patienten mit Niereninsuffizienz
ausgeschlossen
Nach Ansicht der Studienautoren um Sameer Pathan „widersprechen die Ergebnisse der klinischen Glaubenslehre, wonach eine intravenöse Analgesie, zumal
mit Narkotika, schneller und effektiver
ist“. Die Resultate hätten daher „tiefgreifende Konsequenzen“ für die Erstversorgung von Nierenkolikpatienten: „NSAR
i.m. sollten als Erstlinientherapie betrachtet werden.“ Die Sorge, durch eine
einmalige NSAR-Injektion Komplikationen wie Muskelnekrosen, MagenDarm-Blutungen oder Dialysepflicht zu
verursachen, sehen die Ärzte aufgrund
ihrer Untersuchung als weitgehend unbegründet an.
In diesem Zusammenhang ist allerdings unbedingt zu beachten, dass Patienten mit Niereninsuffizienz von der
Studie ausgeschlossen waren,
ebenso Patienten mit Leberschäden,
Asthma
oder
Schwangerschaft. Sie werden
daher von Pathan und Kollegen ausdrücklich von der Empfehlung zur NSAR-Gabe ausgenommen.
(Beate Schumacher)
Pathan SA et al. Delivering safe and effective analgesia for management of renal colic in the emergency department: a double-blind, multigroup,
randomised controlled trial. Lancet 2016, online 15.
März; doi: 10.1016/S0140-6736(16)00652-8
(...truncated)