Die BASF geht — Was geht uns das an?
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DIE ZUNEHMENDEN REGLEMENTIERUNGEN STELLEN DEN
WISSENSSTANDORT DEUTSCHLAND INFRAGE UND REDUZIEREN DIE
MGLICHKEITEN ZU EINEM WISSENSBASIERTEN DIALOG MIT DER
FFENTLICHKEIT.
Am 16. Januar 2012 gab die BASF bekannt,
dass sie die Unternehmensgesellschaft BASF
Plant Science in Deutschland einstellt und
die Aktivitten im Bereich Grne
Gentechnik in die USA verlagert. Als Begrndung
wurde genannt, dass die Akzeptanz in
Deutschland nicht vorhanden und
Entwicklungsarbeit in Deutschland bzw.
Mitteleuropa daher perspektivlos sei. Die Konsequenz:
Es werden zuknftig mit gentechnischen
Methoden auch keine Pflanzen mehr
entwickelt, die an die Bedrfnisse in Mitteleuropa
angepasst sind. Ob das wirklich sinnvoll ist,
darf bezweifelt werden. Ist die Grne
Gentechnik damit endgltig gescheitert, wie
Ulrike Hfgen, Umweltministerin in
RheinlandPfalz feststellt?
Fakt ist, dass weltweit ca. 150 Millionen
Hektar transgene Nutzpflanzen angebaut
werden Tendenz steigend. Gescheitert ist die
Grne Gentechnik allerdings in
Mitteleuropa, wo sie in den 1980er-Jahren mit Jeff Schell
und Marc von Montagu begann. Es gelang
einer starken, international aufgestellten
Interessenvertretung, eine sehr erfolgreiche
Protestbewegung zu initiieren, nach und nach
ihren Einfluss auszubauen und schlielich
sogar Einfluss auf die Sprache zu nehmen
(Genmanipulation, Genfood,
Gengemse usw.). Fr uns Wissenschaftler ist es
erschreckend und deprimierend, dass alle
Anstrengungen, die Menschen zu
informieren und eine wissensbasierte Diskussion zu
fhren, gescheitert sind. Die Entscheidung
gegen die Grne Gentechnik fiel fast
ausschlielich emotional, solide
Forschungsergebnisse spielten dabei so gut wie keine
Rolle, wohingegen manch fragwrdige Studie
erstaunliche Popularitt erlangte.
Der Rckzug der BASF bedeutet nicht, dass
in Deutschland die Forschung vllig
eingestellt wird, er ist aber ein deutliches Signal
und wirft Fragen auf: Inwieweit ist es
gerechtfertigt, noch in die relevanten
pflanzenbiotechnologischen Studiengnge zu
investieren, wenn deren anwendungsorientierte
Absolventen allein fr das Ausland
ausgebildet werden? Welche Einflussmglichkeiten
hat Deutschland in Zukunft noch in der
internationalen Forschung und Entwicklung im
Bereich der Grnen Gentechnik?
Last but not least: Was haben wir als
Wissenschaftler falsch gemacht? Zunchst nicht
viel: Den berhmten Elfenbeinturm gibt es
nicht mehr. Forschungsinstitute und
Universitten haben mit viel Engagement die Tren
geffnet, sie haben gute ffentlichkeitsarbeit
geleistet und tun dies noch. Sie beteiligen sich
an der Unterrichtsgestaltung in Schulen und
stehen zur Diskussion zur Verfgung. Die
Fehler liegen meines Erachtens in der
Wissenschaft selbst, in ihrer Eigenschaft,
Ergebnisse zu hinterfragen und stets Zweifel zu
haben. Politiker und Gentechnikgegner
machen dagegen klare Aussagen egal, ob
sie nun richtig sind oder nicht. Hinzu kommt,
dass ein Vortrag oder eine Laborfhrung nicht
so spektakulr und medienwirksam sind wie
ein Traktor-Konvoi oder eine Aktion im
Supermarkt (zu der man Wissenschaftler wohl
kaum motivieren knnte). Nicht zuletzt hngt
der Kampf um die ffentliche Meinung
weniger von Argumenten als vom Geld ab.
Greenpeace beispielsweise hat in Deutschland ein
Spendenaufkommen von knapp 50 Millionen
Euro, aus dem rund 160 Mitarbeiter
finanziert werden. Von solchen Voraussetzungen
knnen Wissenschaftler nur trumen
besonders die stark zersplitterten
Biowissenschaften.
Fachgesellschaften bernehmen wichtige
Funktionen fr ihre Community. Eine noch
so fundierte Stellungnahme einer
Fachgesellschaft mit 500 oder auch 2.000
Mitgliedern reizt die Medien aber weniger als 50.000
Unterschriften gegen Gendreck.
Die einzige Chance, biowissenschaftliche
Themen mit gesellschaftlichem Bezug auf
einer rationalen Basis in der ffentlichkeit
zu diskutieren, liegt in einer starken,
sichtbaren biowissenschaftlichen Community mit
all ihren Facetten. Der VBIO arbeitet daran,
eine solche Community aufzubauen. Dabei
werden wir hufig von Kollegen aus
Fachgesellschaften gefragt, was sie denn von einer
VBIO-Mitgliedschaft htten? Einfacher zu
beantworten ist die Gegenfrage: Welche
Chancen verpassen die Biowissenschaftler ohne
eine starke Interessenvertretung? Der
Rckzug der BASF Plant Science ist hier nur ein
Beispiel von vielen. nderungen bei
Tierschutz, Biostoffverordnung,
Gentechnikgesetz, Gendiagnostik, Tiertransporten und
anderes mehr werden die
Arbeitsmglichkeiten vieler Biowissenschaftler und die
Ausbildung des Nachwuchses an Schule und
Hochschule beeintrchtigen. Auf lange Sicht
stellen die zunehmenden Reglementierungen
damit den Wissensstandort Deutschland
infrage und reduzieren die Mglichkeiten, einen
wissensbasierten Dialog mit der
ffentlichkeit zu fhren, noch weiter.
Daher ist es geradezu berlebenswichtig,
dass wir Biowissenschaftler jenseits der
Fchergrenzen gemeinsam mit einer
krftigen Stimme sprechen. Und diese krftige
Stimme kann nach Lage der Dinge
eigentlich nur der VBIO sein, davon bin ich
berzeugt.
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