Adjuvante Therapie schon für Stadium-II-Melanome?
Dermatoonkologie
Kongressbericht
© bkindler / Getty Images / iStock
8. European Post-Chicago
Melanoma/Skin-Cancer
Meeting
Bereits zum 8. Mal trafen sich
Experten in München, um nach
dem ASCO die wichtigsten Daten aus der Dermatoonkologie
zu diskutieren. Im Fokus stand
unter anderem die adjuvante
Therapie bei Melanompatienten.
++ Post-Chicago Melanoma ++
Adjuvante Therapie schon für Stadium-II-Melanome?
In der Behandlung des malignen Melanoms gewinnt die adjuvante
Therapie an Bedeutung. Experten erwarten, dass sie zukünftig schon
früher genutzt wird.
W
ie weit runter sollen wir gehen?“
fragte James Larkin, London,
Großbritannien, und meinte das minimale Risiko, bei dem eine adjuvante Therapie des malignen Melanoms gerechtfertigt ist. Larkin nannte eine Reihe von
Faktoren, die bei der Nutzen-RisikoAbwägung zu berücksichtigen sind: etwa
die Höhe des Rezidivrisikos oder die Toxizität. „Das ist anders als im Stadium IV,
weil die Patienten möglicherweise durch
die Operation schon geheilt sind“,
ergänzte er. Außerdem wisse man noch
wenig über mittel- und langfristige Effekte der neuen Medikamente.
Larkin empfiehlt eine adjuvante Therapie „generell für Melanome ab dem Stadium IIIB“ mit zielgerichteten Therapeutika oder Checkpointhemmern. Im Stadium IIIA hält er dagegen eine differenziertere Betrachtung für notwendig: Die
meisten Patienten würden durch die
Operation geheilt und bräuchten daher
keine adjuvante Therapie. „Nur dass wir
nicht wissen, welche Patienten das sind.“
Zudem müsse bei einer adjuvanten Behandlung mit Checkpointhemmern bei
einigen Patienten mit bleibenden Nebenwirkungen gerechnet werden. Erste Daten über den Nutzen einer adjuvanten
16
Therapie schon im Stadium IIIA kommen
aus der COMBI-AD-Studie [Larkin J et
al. ASCO. 2018;Abstr 9591]: Unter Dabrafenib plus Trametinib war im Vergleich
zu Placebo das rezidivfreie Überleben
signifikant länger. Voraussetzung für die
Studienteilnahme waren Lymphknotenmetastasen von mindestens 1 mm Durchmesser. „Ich denke in dieser speziellen
Gruppe mit Stadium-IIIA-Melanomen,
für die wir Studiendaten haben, sollten
wir mit den Patienten über eine adjuvante Therapie sprechen“, sagte Larkin. Er
hält es für „wahrscheinlich, dass die
adjuvante Therapie zukünftig für die
meisten Patienten mit Stadium-III-Melanomen empfohlen wird“. Im Staidum
IIIA müsse diese Entscheidung aber in
Anbetracht von Nutzen und Risiko sehr
sorgfältig diskutiert werden.
Jean Jacques Grob, Marseille, Frankreich, ging sogar noch einen Schritt weiter. Die größte Chance auf das Ansprechen einer adjuvanten Therapie habe
man in den Tumorstadien 1 und 2, in denen es weniger klonale Heterogenität
und ein intaktes Immunsystem gebe.
„Es sollte einfacher sein, Dracheneier zu
zerstören als den Drachen zu jagen“, so
Grob. Dies werde auch durch die COM-
BI-AD-Resultate gestützt, nach denen
Dabrafenib plus Trametinib das Rezidivrisiko bei IIIA-Melanomen stärker
reduziert als bei IIIC-Melanomen.
Grob hält eine adjuvante Therapie
schon im Stadium II für möglich. Die
große Zahl der zu behandelnden Patienten sieht er – mit Verweis auf andere Präventionsmaßnahmen – nicht als prinzipielle Hürde. Auch nicht als Barriere für
pharmakologische Studien. Außerdem
werde man in den nächsten Jahren möglicherweise Biomarker finden, um die
Zahl der infrage kommenden Patienten
noch einzugrenzen. Für die adjuvante
Therapie im Stadium II würde Grob derzeit wegen der nur transienten Nebenwirkungen den BRAF/MEK-Inhibitoren
den Vorzug gegenüber den PD-1-Hemmern geben. Zur Optimierung der Behandlung müsse man testen, ob nicht
drei bis vier Monate zur Eradikation der
Tumorzellklone schon ausreichten. Kürzere Behandlungszeiten würden auch
ein engeres Monitoring im Hinblick auf
unerwünschte Wirkungen ermöglichen.
In Zukunft, so die provokante Hypothese von Grob, werde sich die medikamentöse Behandlung von Melanomen
deutlich nach vorn verlagern.
Beate Schumacher
Bericht vom 8th European Post-Chicago Melanoma/Skin Cancer Meeting vom 28. bis 29. Juni
2018 in München
Im Focus Onkologie 2018; 21 (9)
(...truncated)