Verknüpfung von Mikrobiom- und Antibiotikaresistenzforschung
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K A R R I E R E , KÖ P F E & KO N Z E P T E
Exzellenzcluster Tübingen
Verknüpfung von Mikrobiom- und
Antibiotikaresistenzforschung
ANDREAS PESCHEL
INTERFAKULTÄRES INSTITUT FÜR MIKROBIOLOGIE UND INFEKTIONSMEDIZIN (IMIT), UNIVERSITÄT TÜBINGEN
DOI: 10.1007/s12268-019-1033-y
© Springer-Verlag 2019
ó Die Universität Tübingen erhält mit dem
neu bewilligten Exzellenzcluster EXC2124
„Controlling Microbes to Fight Infection“
(CMFI) ein Forschungsnetzwerk, das die
Weiterentwicklung der Infektions- und
Mikrobiologie am Standort und die Erschließung neuer innovativer Forschungsrichtungen ermöglichen wird. Das CMFI-Cluster baut
auf der Expertise des Tübinger Standorts in
den Bereichen bakterielle Wirkstoffe, Infektionsbiologie und Physiologie auf, die bereits
vor zehn Jahren zur Gründung des Interfakultären Instituts für Mikrobiologie und
Infektionsmedizin (IMIT) geführt haben.
Die molekularen Mechanismen von Infektionen werden im Rahmen des CMFI-Clusters in den Kontext komplexer Wirt-assoziierter mikrobieller Konsortien gestellt und
mit den Themen der Mikrobiom- und Antibiotikaresistenzforschung verknüpft. Die
Mikrobiomforschung wurde erst in den letzten Jahren durch neue Methoden der Hochdurchsatzsequenzierung möglich, wird aber
bislang überwiegend von klinischen, immunologischen und bioinformatischen Disziplinen und kaum von Mikrobiologen betrieben.
Das CMFI-Koordinationsteam – Andreas
Peschel (IMIT, Infektionsbiologie), Heike
Brötz-Oesterhelt (IMIT, Mikrobielle Wirkstoffe) und Ruth Ley (Max-Plank-Institut für
Entwicklungsbiologie, Mikrobiomforschung)
– repräsentiert die verschiedenen Schwer-
punkte des Clusters, das innovative neue
Richtungen erschließen soll.
Mikrobiome besiedeln die Oberflächen des
menschlichen Körpers und beeinflussen dessen Gesundheit durch komplexe metabolische
und immunmodulatorische Aktivitäten. Das
Mikrobiom ist aber auch ein Reservoir für
fakultative Pathogene, die die meisten schweren Blutstrominfektionen auslösen (Abb. 1).
Die weltweite Zunahme antibiotikaresistenter bakterieller Pathogene (ARBPs) und
das Zurückfahren der industriellen Antibiotikaentwicklung gefährden die medizinischen
Errungenschaften des 20. Jahrhunderts und
lassen eine künftige postantibiotische Ära
befürchten. Es ist daher von größter Bedeutung, die Entstehung und Mikrobiombesiedlung durch ARBPs einzudämmen. Die vielfach verwendeten Breitbandantibiotika schädigen jedoch das Mikrobiom als Ganzes und
begünstigen die ARBP-Verbreitung. Ein Paradigmenwechsel in der Infektionskontrolle ist
nötig: Der undifferenzierte Einsatz von Antibiotika muss gestoppt und zielgerichtete
Wirkstoffe, die sich positiv auf Mikrobiome
auswirken, müssen entwickelt werden.
Nützliche Bakterien können Pathogene in
Schach halten, aber die entsprechenden Mechanismen sind bislang kaum verstanden und
nutzbar. Nur eine engere Zusammenarbeit
molekularer, bioinformatischer und klinischer
Disziplinen wie im CMFI wird es ermöglichen,
die Mechanismen der Mikrobiomdynamik aufzuklären. In Tübingen wurden bereits richtungsweisende Erkenntnisse erzielt, beispiels-
weise zu neuen, das Mikrobiom steuernden
Antibiotika, metabolischen Aktivitäten und epithelialen Abwehrmechanismen.
Das CMFI-Exzellenzcluster wird Prinzipien
des Wettbewerbs und der Fitness von für den
Menschen nützlichen oder schädlichen Bakterien erforschen und nachhaltige, multidisziplinäre Strategien gegen Infektionen durch
ARBPs und andere Pathogene erarbeiten. In
innovativen Modellsystemen soll untersucht
werden, wie das Mikrobiom eindringende
Pathogene abwehren kann. Neuartige mikrobiomspezifische Interventionen werden in
präklinischen und frühen klinischen Studien
erprobt. Durch Zusammenführung komplementärer Forschungsrichtungen zu molekularen, zellulären, Community- und MikrobenWirt-Interaktionen, verbunden durch Omics,
Bildgebung und Bioinformatik, wird das
Cluster zu einer integrativen Mikrobiologie
beitragen, die den Herausforderungen des
21. Jahrhunderts gewachsen ist.
ó
Korrespondenzadresse:
Prof. Dr. Andreas Peschel
Interfakultäres Institut für
Mikrobiologie und Infektionsmedizin
Lehrstuhl Infektionsbiologie
Eberhard-Karls-Universität
Tübingen
Auf der Morgenstelle 28
D-72076 Tübingen
Tel.: 07071-2975935
www.imit.uni-tuebingen.de/
InfectBiol
¯ Abb. 1: Die meisten fakultativ pathogenen Bakterien nutzen das Mikrobiom des Menschen als ihr wichtigstes Reservoir und als Ausgangspunkt
für schwere invasive Infektionen. Vor allem antibiotikaresistente bakterielle Pathogene (ARBPs) verbreiten sich in Mikrobiomen und bilden eine
zunehmende globale Bedrohung. Gutartige „kommensale“ Bakterien können die ARBP-Besiedlung verhindern. Die zugrunde liegenden Mechanismen gilt es aufzuklären und für innovative Präventions- und Interventionsstrategien zu nutzen.
BIOspektrum | 02.19 | 25. Jahrgang
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