Superaufgelöste Mikroskopie: Pilze unter Beobachtung
380
W I S S EN S CH AFT · ME TH ODE N
Mykologie
Superaufgelöste Mikroskopie:
Pilze unter Beobachtung
SEBASTIAN SPUTH 1, SABINE PANZER 1, CHRISTIAN STIGLOHER 2 , ULRICH TERPITZ 1
1 LEHRSTUHL FÜR BIOTECHNOLOGIE UND BIOPHYSIK, BIOZENTRUM, UNIVERSITÄT
WÜRZBURG
2 ZENTRALE ABTEILUNG FÜR MIKROSKOPIE, BIOZENTRUM, UNIVERSITÄT WÜRZBURG
The diffraction limit of light confines fluorescence imaging of subcellular structures in fungi. Different super-resolution methods are
available for the analysis of fungi that we briefly discuss. We exploit
the filamentous fungus Fusarium fujikuroi expressing a YFP-labeled
membrane protein showing the benefit of correlative light- and electron microscopy (CLEM), that combines structured illumination
microscopy (SIM) and scanning election microscopy (SEM).
DOI: 10.1007/s12268-021-1592-6
© Die Autoren 2021
ó Um zellbiologische Vorgänge in Pilzen zu
untersuchen, kennzeichnen Mykologen
A
bestimmte subzelluläre Strukturen mit spezifischen Fluoreszenzfarbstoffen oder fluo-
B
C
˚ Abb. 1: Korrelative Licht- und Elektronenmikroskopie (LEM) an Dünnschnitten (65-100 nm
dick) von Fusarium fujikuroi-CarO-YFP in LR-White. A, Übersicht über den experimentellen Ablauf
für die korrelative Licht- und Elektronenmikroskopie. B, SIM-Aufnahmen. Die Zellwand wurde mit
Calcofluor eingefärbt (türkis, links oben), YFP mit einem mit Alexa488-markierten Antikörper
(pink, links unten). Überlagerung rechts. Maßstab: 5 μm. C, TEM-Aufnahme. Die Ultrastruktur der
Hyphe ist deutlich zu erkennen. CW: Zellwand; ER: Endoplasmatisches Retikulum; M: Mitochondrium; N: Nucleus; V: Vakuole. Maßstab: 500 nm.
reszierenden Proteinen wie dem gelb fluoreszierenden Protein (yellow fluorescent protein,
YFP). Die fädigen Pilzzellen (Hyphen) sind
meist sehr dünn und weisen Durchmesser
zwischen zwei und drei Mikrometer auf. Bei
der mikroskopischen Untersuchung der
Hyphen stoßen Mykologen daher schnell auf
ein Hindernis: das Abbe-Limit.
Die mikroskopische Auflösung von
Pilzen ist begrenzt
Der Physiker und Optiker Ernst Abbe stellte
im 19. Jahrhundert fest, dass aufgrund der
Welleneigenschaften des Lichts keine noch
so optimierte Optik fähig ist, Lichtstrahlen
beliebig fein zu bündeln und dass die gebündelten Bereiche mindestens die Größe in
etwa der halben Wellenlänge des eingesetzten Lichts haben. Anders ausgedrückt, können feine Details im mikroskopischen Untersuchungsobjekt nicht mehr getrennt dargestellt werden, wenn sie näher beieinanderliegen als ungefähr die halbe Wellenlänge des
Lichts. Blaues Licht weist mit um die
400 Nanometer die kürzesten Wellenlängen
innerhalb des sichtbaren Lichts auf. Damit
liegt das Abbe-Limit je nach verwendeter
Optik im Bereich von 150–200 Nanometern.
Neue mikroskopische Verfahren
erhöhen die Auflösung
In den letzten Jahren wurden viele verschiedene Methoden entwickelt, die das AbbeLimit umgehen und die Auflösung der Fluoreszenzmikroskope deutlich verbessern.
Diese Methoden werden unter dem Begriff
„Superaufgelöste Fluoreszenzmikroskopie“
zusammengefasst.
Besonders deutlich ist die Auflösungsverbesserung bei der Lokalisationsmikroskopie,
die Techniken wie PALM (photoactivated
localisation microscopy) und dSTORM (direct
stochastic optical reconstruction microscopy)
umfasst [1]. Die hierbei verwendeten Fluorophore geben normalerweise nach Anregung
spontan innerhalb weniger Nanosekunden
längerwelliges und energieärmeres Licht ab
(Emission). Jedoch ist es mithilfe von sehr
starken Lichtintensitäten und SauerstoffBIOspektrum | 04.21 | 27. Jahrgang
381
A
B
C
˚ Abb. 2: Korrelative Licht- und Elektronenmikroskopie von Fusarium fujikuroi-CarO-YFP. A, REM-Aufnahme mit korreliertem Fluoreszenzsignal der
SIM-Aufnahmen mit Zellwand (türkis) und CarO-YFP (rot). Maßstab: 5 μm. B, Detailausschnitt. Von dieser Zelle wurde ein Z-Bildstapel erzeugt. Maßstab:
1 μm. C, Aus dem Bildstapel lässt sich nun ein Modell berechnen. Maßstab: 1 μm.
mangel möglich, die Fluorophore im dunklen
Zustand zu stabilisieren. Betrachtet man eine
solche Probe, blinken einzelne Fluorophore
nur kurz auf, um anschließend lange Zeit
dunkel zu bleiben. Mit sensitiven Hochgeschwindigkeitskameras kann dieses Blinken
als Bilderserie aufgenommen werden. In
jedem Bild erscheinen Fluorophore als
Punktspreizfunktion mit einem Maximum,
dessen Lage durch eine einfache mathematische Analyse bestimmt werden kann. Werden alle diese Maxima in ein neues Bild übertragen, entsteht ein rekonstruiertes neues
Bild, das unter optimalen Bedingungen auch
Strukturen auflösen kann, die weniger als
20 Nanometer Abstand haben. Lokalisationsmikroskopie erfordert allerdings insbesondere bei Pilzen teils intensive Protokolloptimierungen.
Seit wenigen Jahren gibt es für die Beobachtung von Strukturen jenseits des AbbeLimits einen neuen Ansatz, die Expansionsmikroskopie (ExM) [2]. Statt das Mikroskop
zu modifizieren, vergrößert man bei dieser
Technik die Probe selbst. Dies erreicht man,
indem man Farbstoffe in einem Hydrogel
verankert, das sich dann bei Entsalzung in
Wasser ausdehnt. ExM wurde bereits erfolgreich an Pilzen wie Aspergillus fumigatus,
Fusarium oxysporum und Ustilago maydis
etabliert [3].
Für die regelmäßige Arbeit mit Pilzen hat
sich in unserem Labor die Strukturierte Illuminationsmikroskopie (SIM) [4] bewährt. Bei
BIOspektrum | 04.21 | 27. Jahrgang
SIM befindet sich ein rotierendes Gitter im
Strahlengang des Anregungslichts, das
Beleuchtungsmuster in der Probe erzeugt.
Das resultierende Fluoreszenzbild enthält
auch Strukturinformationen jenseits der Auflösungsgrenze. Alle Bilder der verschiedenen
Einstrahlwinkel werden miteinander verrechnet, und so wird ein neues superaufgelöstes Bild rekonstruiert. Die Aufnahmen
können in verschiedenen Z-Ebenen erfolgen,
um somit ein 3D-Bild zu erzeugen. SIM ist
auch bei lebenden Zellen anwendbar. So lässt
sich z. B. der pH-Gradient innerhalb von Pilzzellen darstellen, wie kürzlich am Maisbeulenbrand U. maydis gezeigt [5].
Gemeinsame Fluoreszenz- und
Elektronenmikroskopie
Klassischerweise wird und wurde die Elektronenmikroskopie (EM) verwendet, um mit
einer Auflösung von unter einem Nanometer
Strukturinfomationen weit jenseits des AbbeLimits zu erzielen. Allerdings erfordert die
EM im Vergleich zur Lichtmikroskopie langwierige Fixierungs- und Einbettungsschritte
der Probe. Die Ausgabe erfolgt in Graustufen,
Farben werden nicht dargestellt. Daher ist es
bestechend, die Vorteile von EM und Fluoreszenzmikroskopie zu verbinden. Man nennt
diese Technik korrelative Licht- und Elektronenmikroskopie (CLEM), wobei Fluoreszenzsignale in elektronenmikroskopischen Bildern einer Struktur zugeordnet werden können. Erst die verbesserte Auflösung der
modernen fluoreszenzmikroskopischen Verfahren sowie die wachsende Rechenkapazität
von Computern ermöglichte eine systematische und sinnvolle Verknüpfung der Bildinformationen von Fluoreszenz- und Elektronenmikroskopie.
Wir testeten, inwieweit dieser CLEMAnsatz an Pilzen praktiziert werden kann.
Für diesen Versuch wählten wir den
Schlauchpilz (Ascomycet) (...truncated)