AMNOG – Erste Erfahrungen und mögliche Auswirkungen auf die Klinische Forschung
Maike Bestehorn
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Ralph Tunder
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R. Tunder Health Care Management Institute (HCMI), EBS Business School Schlo Reichardshausen
, Oestrich-Winkel, Deutschland
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M. Bestehorn ProMedCon GmbH, Ebenhausen, Deutschland
Background and Objective: On January 1st 2012 the German Law for Reforming the Market for Pharmaceuticals (Arzneimittelverordnungsgesetz: AMNOG) came into force. This law stipulated an early benefit assessment for new drugs for the first time. The acknowledgement of an additional benefit compared to the standard of care is a precondition for price negotiations with payers. 13 Pharmaceutical companies, launching a new agent in 2011, provided 19 benefit assessment dossiers to the Federal Joint Committee. The German Scientific Association for Market Access (DFGMA) decided to execute an expert survey as early as possible. The aim of the expert survey was to explore experiences during the compilation of the early benefit dossier, the implication of the law on clinical research and the requirements for the benefit assessment process. Method: 10 experts, directly involved in the production of the early benefit dossier, from 9 pharmaceutical companies reported in telephone interviews of about 60 minute duration on their experiences, and discussed possible implications. Results: The most important issues are: (a) the appropriate comparator set forth by the G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss), (b) post-hoc groupings of subgroups and subgroup analyses and, (c) exclusion of surrogate parameters. The criteria for the selection of the appropriate comparator
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are not clearly defined. Without clinical trials with the
required comparator it seems to be nearly impossible to get a
positive benefit assessment. Post-hoc subgroup analyses are
critical for methodological reasons, because for unplanned
subgroups the numbers for statistical analyses are
inadequate and the results are lacking appropriate confidence
levels. The exclusion of surrogate parameters also dilutes the
results of clinical trials.
Conclusion: The requirements of the early benefit
assessment in Germany should be considered in the very early
phases of the development of a new drug. For pipeline
candidates in phase I a sound analysis of reimbursement and
market access issues should be performed. Phase II should
include a much broader investigation than nowadays of the
potential of the new agent, i.e. searching for patient groups
with higher risk or special benefits, proof of concept studies
optionally with several comparators and the assessment of
appropriate patient relevant endpoints. Phase III trials must
aim for superiority at least for a specified patient group.
With regard to the benefit assessment process, improved
coordination and unification of the requirements for the
regulatory and reimbursement authorities seem to be desirable.
The requirements should be clear, pragmatic and feasible to
ensure medical innovations in Germany.
1 Hintergrund, Ziel und Methode der Studie
Am 01.01.2011 trat das Arzneimittelneuordnungsgesetz
(AMNOG) in Kraft. Dieses Gesetz sieht in 35a SGB V
eine bisher in Deutschland nicht geforderte frhe
Nutzenbewertung fr neue Arzneimittel vor. Der Gemeinsame
Bundesausschuss (G-BA) hat in 2011 daraufhin fr 23 neue
Arzneimittel Verfahren zur frhen Nutzenbewertung eingeleitet,
worauf 13 Hersteller fr 19 Produkte ihre Dossiers
eingereicht haben. Obwohl noch nicht alle Verfahren aus 2011 bis
zum 1. Quartal 2012 durch Beschlussfassung des G-BA
abgeschlossen waren, befragte die Deutsche Fachgesellschaft
fr Market Access (DFGMA) die betroffenen Unternehmen
zu ihren Erfahrungen mit der frhen Nutzenbewertung.
Ziel der Experten-Umfrage war es, frhzeitig einen
Einblick zu bekommen, inwieweit das AMNOG die klinische
Forschung beeinflusst, um hieraus zu antizipieren, welche
neuen Anforderungen und Rahmenbedingungen bei der
Entwicklung neuer Medikamente in Zukunft zu
bercksichtigen sind. Es ging daher nicht um die quantitative Erfassung
bestimmter Probleme und Lsungsmglichkeiten, sondern
mehr um eine mglichst umfassende Aufdeckung von
kritischen Faktoren, die einerseits bei der Entwicklung neuer
Arzneimittel im Hinblick auf eine erfolgreiche frhe
Nutzenbewertung berprft oder bercksichtigt werden sollten
und die andererseits den Prozess der klinischen Prfungen
beeinflussen. Um diesem Ziel gerecht zu werden, wurde das
offene, leitfadengesttzte Gesprch gewhlt.
Bei der Ansprache der Teilnehmer im Februar 2012 lagen
erst fr zwei Produkte die Beschlussfassungen des G-BA
vor, so dass ein Groteil der Teilnehmer darum bat, die
Gesprche nach diesem Zeitpunkt durchzufhren. Daher
erfolgte die sukzessive Durchfhrung der Gesprche von
Februar bis Mai 2012.
Die Anzahl der Interviews ist mit zehn Teilnehmern aus
neun Firmen absolut gesehen klein, allerdings hatten in 2011
nur 13 Firmen ein Nutzendossier nach 35a SGB V
abgegeben. Die Gesprche, die im Durchschnitt ca. 60 Minuten
dauerten, waren sehr detailreich, beleuchteten viele
unterschiedliche Aspekte und ergaben daher einen guten
berblick, welche Probleme auftraten, was das fr die klinische
Forschung in Zukunft bedeuten knnte und wie der Prozess
zu Nutzenbewertung fr alle Beteiligten verbessert werden
knnte.
Die Interviewteilnehmer kamen aus den Abteilungen
Market Access, Gesundheitskonomie, Health Outcome,
Medical Affairs, Marketing und Klinische Forschung und
waren in den meisten Fllen die Projektleiter fr das/(die)
Nutzendossier(s). In vier Fllen wurden Mitarbeiter
benannt, die mageblich an der Erstellung der Nutzendossiers
beteiligt waren.
2 Ergebnisse
Die Gesprche deckten sehr schnell drei wesentliche
Hauptproblemfelder bei der Erstellung von Nutzendossiers auf:
Die Lsung der damit verbundenen Fragen ist fr eine
erfolgreiche frhe Nutzenbewertung so entscheidend, dass
sich die Gesprche in erster Linie um diese Themen
drehten. Diese Problemfelder wurden bereits in der
ffentlichkeit adressiert und in einem Expertengesprch des G-BA
vom 22.03.2012 [6] diskutiert, so dass sich dieser Bericht
auf die Auswirkungen der frhen Nutzenbewertung auf die
Klinische Forschung konzentrieren kann.
2.1 Problemfeld: Vergleichstherapie
2.1.1 Situation
Zu 16 der 19 Nutzendossiers hatten die Hersteller
Beratungsgesprche des G-BA in Anspruch genommen
(s. Tab. 1). Nach Ansicht der Interviewpartner lieen die
Gesprche kaum Mglichkeiten zum Dialog zu und
entsprachen eher einer Verlesung eines G-BA Beschlusses zur
zweckmigen Vergleichstherapie (ZVT). Der Beschluss
zur ZVT wurde dabei zunchst weder begrndet noch in
irgendeiner Form diskutiert oder beraten. Da die klinischen
Studien zu einer Zeit geplant und begonnen wurden, als vom
AMNOG noch keine Rede war, enthielten auch nur acht
Dossiers bereits die geforderten Studien mit der ZVT fr
die gesamte Zulassungspopulation. In weiteren fnf
Dossiers waren wenigstens fr eine Subgruppe der
Zulassungspopulation Studien fr die geforderte ZVT vorhanden. Die
restlichen sechs Dossiers enthielten keine Studien zur
geforderten ZVT (...truncated)