Expertise werdender Pflegefachpersonen an der Schwelle zur Verantwortungsübernahme

Apr 2026

This article in the journal ‘Gruppe. Interaktion. Organisation. (GIO)’ focuses on observations of team dynamics between trainee and established nursing professionals when contributing expertise within nursing facilities. In Germany, in accordance with the Nursing Professions Act, nursing professionals in training are now prioritised with cross-disciplinary personal skills (e.g. communication skills). Nevertheless, many drop out of training prematurely. One reason for this is the transition shock—an emotionally stressful state of overload caused by a role conflict in practice. In this context, it is well known what a positive influence team integration measures and the experience of self-efficacy can have. Nevertheless, a minefield of potential conflicts continues to lurk, especially in transition phases in practice. Due to their strongly personnel-oriented education, prospective nursing professionals experience their professional expertise and communicate it accordingly. This, in turn, is often perceived as alienating by established colleagues. The article explains the role that transformational leadership qualities and organisational change can play in conflict resolution and how they can help to bring together diverse expertise in care facilities.

Article PDF cannot be displayed. You can download it here:

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s11612-026-00880-1.pdf

Expertise werdender Pflegefachpersonen an der Schwelle zur Verantwortungsübernahme

Gruppe. Interaktion. Organisation. Zeitschrift für angewandte Organisationspsychologie https://doi.org/10.1007/s11612-026-00880-1 HAUPTBEITRÄGE – THEMENTEIL Expertise werdender Pflegefachpersonen an der Schwelle zur Verantwortungsübernahme (K)ein Weg zu Transformation in Führung und Organisation Johanna Aigner1 · Henriette Schulz1 · Julia Noll1 · Florian Fischer1 Eingegangen: 15. November 2025 / Angenommen: 13. April 2026 © The Author(s) 2026, modifizierte Publikation 2026 Zusammenfassung Dieser Beitrag in der Zeitschrift „Gruppe. Interaktion. Organisation. (GIO)“ stellt Beobachtungen zur Einbringung von Expertise werdender Pflegefachpersonen innerhalb von Pflegeeinrichtungen in den Vordergrund. In Deutschland werden Pflegefachpersonen in Ausbildung entsprechend dem Pflegeberufegesetz heute prioritär mit übergreifenden personalen Kompetenzen (z. B. kommunikative Kompetenzen) ausgestattet. Dennoch brechen viele die Ausbildung vorzeitig ab. Ursächlich dafür ist mitunter der Transitionsschock – ein emotional belastender Überforderungszustand durch einen Rollenkonflikt in der Praxis. Bekannt ist in diesem Kontext, welchen positiven Einfluss Maßnahmen der Teamintegration und das Erleben von Selbstwirksamkeit haben können. Trotzdem lauert weiterhin insbesondere in Übergangsphasen in der Praxis ein Minenfeld aus möglichen Konflikten. Aufgrund ihrer stark personal ausgerichteten Edukation erleben werdende Pflegefachpersonen ihre fachliche Expertise und kommunizieren diese entsprechend. Dies wird von erfahrenen Kolleg:innen wiederum häufig als befremdlich aufgefasst. Erläutert wird in dem Beitrag, welche Rolle transformationale Führungsqualitäten und der Organisationswandel für eine Konfliktlösung spielen können und wie diese dazu beitragen können, heterogene Expertisen in Pflegeeinrichtungen zusammenzubringen. Schlüsselwörter Pflegefachpersonen · Verantwortungsübernahme · Transitionsschock · Transformationale Führung · Organisationsentwicklung Abstract This article in the journal ‘Gruppe. Interaktion. Organisation. (GIO)’ focuses on observations of team dynamics between trainee and established nursing professionals when contributing expertise within nursing facilities. In Germany, in accordance with the Nursing Professions Act, nursing professionals in training are now prioritised with cross-disciplinary personal skills (e.g. communication skills). Nevertheless, many drop out of training prematurely. One reason for this is the transition shock—an emotionally stressful state of overload caused by a role conflict in practice. In this context, it is well known what a positive influence team integration measures and the experience of self-efficacy can have. Nevertheless, a minefield of potential conflicts continues to lurk, especially in transition phases in practice. Due to their strongly personnel-oriented education, prospective nursing professionals experience their professional expertise and communicate it accordingly. This, in turn, is often perceived as alienating by established colleagues. The article explains the role that transformational leadership qualities and organisational change can play in conflict resolution and how they can help to bring together diverse expertise in care facilities. Keywords Nursing · Accountability · Transition shock · Transformational leadership · Organizational development  Johanna Aigner 1 Bayerisches Zentrum Pflege Digital, Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten, Kempten, Deutschland K J. Aigner et al. 1 Einleitung Der Transitionsschock (respektive Praxisschock) bezeichnet eine akute Phase der Rollenanpassung, die insbesondere beim Übergang von der Ausbildung in eine verantwortliche berufliche Praxis auftritt. Er ist geprägt durch starke emotionale Reaktionen wie Ängste und Gefühle der Unzulänglichkeit (Müller 2020). Im Zentrum steht eine individuell empfundene Abweichung der idealisierten Erwartungen zur Realität im Berufsstart, z. B. in Bezug auf die Zusammenarbeit im Team oder die Möglichkeiten zur Entwicklung wichtiger Kompetenzen (Mielenz et al. 2023). Dies geht einher mit dem Erleben von Überforderung, z. B. durch eine Übernahme von Verantwortung ohne ausreichende Vorbereitung (Hampton et al. 2021) bei unzureichend empfundener Anleitung oder mangelnden Rückmeldungen (Mielenz et al. 2023). Auch eine fehlende Teamintegration gilt als Risikofaktor für den Schock, der bis zum Berufsausstieg führen kann. Entsprechende Faktoren lassen sich insbesondere in der Langzeitpflege beobachten (Ryan et al. 2018). So geben werdende Pflegefachpersonen beim Berufseinstieg häufig an, sich isoliert zu fühlen (Sneltvedt und Bondas 2015), keine Bedenken äußern zu können und trotz Unsicherheit Entscheidungen treffen zu müssen (Whitmore et al. 2019). Ist jedoch eine Zusammenarbeit sowie darüber hinaus ein gemeinsames Lernen möglich, wirkt dies dem Transitionsschock protektiv entgegen (Bauer und Drummer 2024). Weitere protektive Faktoren sind eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung (Garcia González und Peters 2021) sowie eine kontinuierliche pädagogische Begleitung im Kontext von wertschätzender und fürsorglicher Kommunikation (Hampton et al. 2021). Der Transitionsschock stellt aus vielerlei Hinsicht eine besondere Herausforderung im Kontext der Berufspflege dar, da die beschriebene Problematik die Qualität der Versorgung beeinträchtigen kann (Labrague und De los Santos 2020). Darüber hinaus können entsprechend negative Empfindungen von Berufseinsteigenden zu einer Aufgabe des Berufes führen (Mielenz et al. 2023) und befeuern somit den Fachkräftemangel in der professionellen Pflege. Einen erfolgreichen Übergang zwischen Ausbildung und verantwortlicher Tätigkeit anstrebend wurde im Jahr 2020 die generalistische Pflegeausbildung in Deutschland eingeführt. Dabei werden Auszubildende auf Grundlage eines strukturierten Ausbildungsplans in der Praxis innerhalb der jeweiligen Organisation begleitet, um auf die beruflichen Herausforderungen und Aufgaben als Pflegefachpersonen vorbereitet zu werden. Nach wie vor wird die praktische Ausbildung aber häufig als nicht ausreichend betrachtet (Benz 2025) und führt in der Konsequenz zu wiederkehrenden Konflikten in Praxiseinrichtungen (Brinker-Meyendriesch 2025). So ist ein Missverhältnis in der Inanspruchnahme von Unterstützung zu beobachten, denn K auf der einen Seite werden bestimmten Personen (im Fall der professionellen Pflege den Praxisanleiter:innen) Aufgaben der Kompetenzentwicklung zugeteilt, während werdende Pflegefachpersonen auf der anderen Seite zu ihrer Unterstützung häufig andere Pflegefachpersonen heranziehen – sei es aufgrund von Sympathie oder ihrer Verfügbarkeit. Es läge daher nahe, bewusst weitere Pflegefachpersonen als Mentor:innen einzusetzen (Zhao et al. 2024) und darüber Berufsanfänger:innen teamübergreifend in der (Weiter-)Entwicklung ihrer zentralen personalen Fähigkeiten zu unterstützen. Erforderliche Fähigkeiten liegen mitunter in der Organisation, Gestaltung und Steue (...truncated)


This is a preview of a remote PDF: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s11612-026-00880-1.pdf
Article home page: https://link.springer.com/article/10.1007/s11612-026-00880-1

Johanna Aigner, Henriette Schulz, Julia Noll, Florian Fischer. Expertise werdender Pflegefachpersonen an der Schwelle zur Verantwortungsübernahme, 2026, pp. 1-8, DOI: 10.1007/s11612-026-00880-1