Interferon beta-1a. Langfristig gute Wirkung und Verträglichkeit
aktuell
Interferon beta-1a
Langfristig gute Wirkung und Verträglichkeit
senermaßen effektive Behandlung
der schubförmigen multiplen Sklerose
(MS) beginnt mit der Einführung von
Interferon beta-1b (IFNβ-1b) in den
frühen 90er Jahren, berichtete Univ.Prof. Dr. Siegrid Fuchs, Graz. Diese Substanz hat wie andere β-Interferone
sowie Glatirameracetat (GA) die Schub
raten über 2 Jahre in den Zulassungsstudien um gute 30 % verringert und
bei 30 bis 40 % der Patienten Schubfreiheit erreicht. Allerdings, so Fuchs,
haben wir nicht nur Schübe gezählt,
sondern auch das Fortschreiten der
Behinderung erfasst und damit das,
worum es eigentlich geht. Mit IFNβ-1a
(zum Beispiel Rebif® 44 µg) konnte die
EDSS-Progression (Expanded Disability
Status Scale) signifikant reduziert werden. Bei IFNβ-1b und GA war der Effekt
nicht signifikant.
Über die Jahre sind die Ziele der
MS-Therapie immer anspruchsvoller geworden. Man will heute Freiheit
von klinischer und MR-Aktivität, zusammengefasst als Freiheit von Krankheitsaktivität erreichen. Das neueste
Schlagwort lautet NEDA (No Evidence
of Disease Activity). Allerdings ist die
umfassende Bewertung der Erkrankung mit NEDA hauptsächlich in Studien praktikabel und eignet sich eher
weniger für die tägliche Praxis.
In die Bewertung des Nutzens einer
Behandlung müssen Patienten intensiv mit einbezogen werden. Denn ihre
Vorstellungen unterscheiden sich oft
von denen des Arztes. Auch die Bereitschaft, therapiebedingte Risiken einzugehen, variiert abhängig von der jeweiligen Persönlichkeit des Betroffenen.
Bei den meist jungen Patienten spielen die Familiensituation und Themen
wie Kinderwunsch oder Schwangerschaft eine wichtige Rolle. Die neuen
MS-Therapeutika können sich in dieser
Hinsicht durchaus als problematisch
erweisen, da sie mit erhöhter Infekt
anfälligkeit, Gefahr von Virusinfektionen oder der progressive multifokale
Leukenzephalopathie (PML) einhergehen können, erklärte Fuchs. Vor allem aber fehlen bei diesen Substanzen
noch die Erfahrungen über eine langfristige Anwendung.
Herausforderung transkulturelle
Arzt-Patienten-Beziehung
Mit der Migration erwachsen der medizinischen Versorgung neue Herausforderungen. An der Medizinischen
Universität in Innsbruck hat man entsprechend bereits vor drei Jahren eine
transkulturelle MS-Ambulanz eingerichtet, erklärte Univ.-Prof. Dr. Thomas
Berger. Von 2800 MS-Patientinnen in
Tirol stammen etwa 3,6 % aus der Türkei, etwa der gleiche Anteil kommt aus
Südosteuropa. Im Zusammenhang von
Migration und Gesundheit spielen Aspekte wie der kulturelle Hintergrund
der Migranten mit Sprache, Religion,
Traditionen sowie soziale Bindungen
eine bedeutende Rolle. Wichtig ist
auch der Migrationsprozess als kritisches Lebensereignis sowie die Situation, mit der Menschen nach der Flucht
konfrontiert werden wie Diskriminierung, Status als Minorität, Konfrontation mit einer fremden Kultur. Nicht zu
vernachlässigen sind die soziale Lage
der Betroffenen bezüglich Ressourcen,
Bildung, Beruf, Geschlecht.
Als konkrete Herausforderungen in
der Ambulanz nannte Berger sprachliche Barrieren oder mangelnde Kenntnisse über Gesundheits- und Versicherungssystem in Österreich. Oftmals
haben Migranten eine andere Vorstellung, was Gesundheit, Krankheit
und den Umgang damit bedeutet. Für
manche bedeutet Krankheit eine gottgegebene Strafe oder gilt als schicksalshaft.
Die Sprachbarriere kann Probleme
und Frust auf beiden Seiten hervorrufen. Manche Patienten erscheinen
mit einem Kind oder dem Ehepartner
als Laiendolmetscher. Dass dabei die
Mitteilung speziell intimer Nachrichten schwierig ist, ist nachvollziehbar.
Oft weiß man nicht, was letztlich an
Information übermittelt wurde. Gerade Kinder von MS-Patienten mit Migrationshintergrund, die einerseits
dolmetschen und sich gleichzeitig
am Behandlungsprozess ihrer Mutter oder Vater beteiligen müssen, stehen manchmal unter enormem Druck.
Professionelle externe Dolmetscher
weisen zumindest nicht die Empathie
gegenüber dem Kranken aus wie Familienmitglieder.
Sehr hilfreich ist eine bilinguale medizinische Betreuung, entweder persönlich durch einen „kultureigenen“
Arzt oder Ärztin, andererseits mit Hilfe
von Informationsmaterialien in der jeweiligen Landessprache. Damit bietet
sich die Chance, das transkulturelle Gefälle zum Wohle von Arzt und Patienten zumindest teilweise zu überwinden. Auch wenn die Betreuung von
MS-Patienten mit Migrationshintergrund eine echte Herausforderung bedeutet, kann sie für jemanden, der sich
für Lebensgeschichten anderer Menschen interessiert, auch zu einem großen Gewinn werden, führte Berger abschließend aus.
psychopraxis. neuropraxis
2016 · 19:97
DOI 10.1007/s00739-016-0320-3
Online publiziert: 21. April 2016
© Springer-Verlag Wien 2016
Univ.-Prof. Dr.
Siegrid Fuchs
©©Privat
FF
Die moderne und nachgewie-
©©LKH-Univ.-Klinikum Graz
Über die Jahre sind die Ziele der MS-Therapie immer anspruchsvoller geworden. In die Bewertung des
Nutzens einer Behandlung müssen Patienten intensiv mit einbezogen werden.
Univ.-Prof. Dr.
Thomas Berger
Quelle:
Lunchsymposium
„Reise in das Univer
sum der Therapie
der Multiplen Skle
rose“ veranstaltet von
Merck anlässlich der
13. Jahrestagung der
Österreichischen
Gesellschaft für
Neurologie am
16. März 2016 in Inns
bruck/Martin Bischoff
psychopraxis. neuropraxis 3 · 2016
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