Nutzungsmuster von Internet und Computerspielen
originalarbeit
Neuropsychiatr
DOI 10.1007/s40211-016-0205-y
Nutzungsmuster von Internet und Computerspielen
Ergebnisse einer Beobachtungsstudie an Tiroler Jugendlichen
David Riedl · Andrea Stöckl · Charlotte Nussbaumer · Gerhard Rumpold · Kathrin Sevecke · Martin Fuchs
Eingegangen: 27. Juni 2016 / Angenommen: 22. Oktober 2016
© Der/die Autor(en) 2016. Dieser Artikel ist eine Open-Access-Publikation.
Zusammenfassung
Grundlagen Der Gebrauch von digitalen Medien wie
Internet und Computerspielen ist vor allem in der
Gruppe von Jugendlichen so stark angestiegen, dass
in der westlichen Welt nahezu alle jungen Menschen
mehr oder weniger regelmäßig einschlägige Technologien gebrauchen. Vor diesem Hintergrund werden
seit einigen Jahren auch Nutzungsformen mit möglichen schädlichen Auswirkungen auf Jugendliche erfasst. Ziel unserer Studie war deshalb, die Prävalenz
von pathologischem Mediengebrauch in einer Stichprobe von Tiroler Jugendlichen zu erheben.
Methodik 398 SchülerInnen (mittleres Alter: 15,2 ±
2,3 Jahre, 34,2 % weiblich) wurden mittels strukturierter Fragebögen zum Internetnutzungs- und Computerspielverhalten sowie zur Selbstwirksamkeit befragt.
Ergebnisse Im Einklang mit bisherigen Studien zeigte
sich in unserer Stichprobe eine Prävalenz von 7,7 % für
problematischen Internet-Gebrauch sowie von 3,3 %
für suchtartigen Internet-Gebrauch (CIUS). 5,4 % der
untersuchten SchülerInnen zeigten suchtartiges Computerspielverhalten (CSV-S). Als wichtigster Einflussfaktor beeinflusste das Geschlecht der ProbandInnen
signifikant die Ergebnisse: Intensivnutzer in den Bereichen Internet und Computerspiele waren häufiger
junge Männer, junge Frauen hingegen zeigten signifikant seltener suchtartigen Computerspiel-Gebrauch.
Schlussfolgerungen Ein signifikanter Teil der befragten Jugendlichen aus der Tiroler Normalbevölkerung
D. Riedl · A. Stöckl · G. Rumpold
Univ.-Klinik für Medizinische Psychologie, Medizinische
Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich
C. Nussbaumer · K. Sevecke · Dr. M. Fuchs ()
Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Department
Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Universität
Innsbruck, Innrain 52, 6020 Innsbruck, Österreich
K
zeigte Schwierigkeiten in der Entwicklung von kompetenter Mediennutzung. Dies könnte ein Hinweis auf
die steigende Bedeutung von Präventionsarbeit, z. B.
in Form von Medienpädagogik sein. In einem Folgeprojekt sollen Jugendliche mit psychischen Erkrankungen hinsichtlich ihres Nutzungsverhaltens untersucht und mit der Schulstichprobe verglichen werden.
Schlüsselwörter Internet · Computerspiele · Abhängigkeit · Gebrauch · Jugendliche
Usage patterns of internet and computer games
Results of an observational study of Tyrolean
adolescents
Summary
Background The use of digital media such as the Internet and Computer games has greatly increased. In the
western world, almost all young people regularly use
these relevant technologies. Against this background,
forms of use with possible negative consequences for
young people have been recognized and scientifically
examined. The aim of our study was therefore to investigate the prevalence of pathological use of these
technologies in a sample of young Tyrolean people.
Methods 398 students (average age 15.2 years, SD ±
2.3 years, 34.2% female) were interviewed by means of
the structured questionnaires CIUS (Internet), CSV-S
(Computer games) and SWE (Self efficacy). Additionally, socio demographic data were collected.
Results In line with previous studies, 7.7% of the adolescents of our sample showed criteria for problematic
internet use, 3.3% for pathological internet use. 5.4%
of the sample reported pathological computer game
usage. The most important aspect to influence our results was the gender of the subjects. Intensive users in
the field of Internet and Computer games were more
often young men, young women, however, showed
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significantly less signs of pathological computer game
use.
Conclusions A significant percentage of Tyrolean
adolescents showed difficulties in the development of
competent media use, indicating the growing significance of prevention measures such as media education. In a follow-up project, a sample of adolescents
with mental disorders will be examined concerning
their media use and be compared with our schoolsample.
Keywords Internet · Computer games · Addiction ·
Adolescents
Hintergrund
Internetfähige Computer und moderne Kommunikationstechnologien haben in private Haushalte Einzug
gefunden und sind aus dem Alltag von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen kaum mehr wegzudenken. 1997 nutzten lediglich 6,3 % der befragten 14- bis
19-jährigen deutschen Jugendlichen fallweise das Internet, ab 2010 war diese Nutzungsrate auf 100 % angestiegen und ist seither nicht wieder gesunken. 2015
nutzten bereits über 90 % der befragten Jugendlichen
das Internet täglich [1]. In Österreich sind acht von
zehn Haushalten mit einer Internetverbindung ausgestattet, womit Österreich über dem europäischen
Schnitt liegt. In der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen benutzten 2013 nahezu 100 % der Österreicher
(99,6 %) das Internet [2]. Eine Nutzungsrate von 100 %
konnte auch für deutsche Jugendliche im Alter von
14–19 Jahren gefunden und seit 2010 jährlich repliziert
werden [3]. Die Nutzungsrate von mobilem Internet
(„zumindest seltener Gebrauch“) in der Altersgruppe
der 14- bis 29-Jährigen stieg von 31 % (2011) auf aktuell 81 % (2015) an. Während 2010 lediglich 9 % der befragten Jugendlichen mobiles Internet als „unverzichtbar“ ansahen, stimmten 2015 bereits fast die Hälfte
(48 %) der befragten Jugendlichen dieser Aussage zu.
Ortsunabhängig online sein zu können scheint genauso selbstverständlich zu werden, wie unterwegs telefonieren zu können, ohne nach Münzfernsprechern
suchen zu müssen [4].
Sowohl auf nationaler wie auch auf internationaler
Ebene wurden in den letzten Jahren Befunde repliziert, die zeigen, dass in etwa 20 % aller Kinder und
Jugendlichen von psychischen Störungen betroffen
sind [5, 6]. Die weltweit stark ansteigende Nutzungsintensität des Internet vor allem bei Jugendlichen
stimulierte einschlägige Forschung bereits relativ früh
zu der Fragestellung, ob auch der Gebrauch neuer
Technologien auf pathologische Art und Weise erfolgen könnte, und ob ein solcher „pathologischer Gebrauch von Internet“ (PGI) schädlich für die psychische Gesundheit von jungen Menschen sein könnte.
Hinsichtlich der zugrundeliegenden Pathophysiologie
wird suchtartiger Internetgebrauch als Verhaltenssucht oder Störung der Impulskontrolle aufgefasst [7,
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8]. Im Jahr 2013 wurde „Internet Gaming Disorder“
in den Abschnitt der noch weiter zu beforschenden
Störungen des DSM-5 aufgenommen [9], und es ist
damit zu rechnen, dass auch im voraussichtlich 2017
erscheinenden ICD-11 eine entsprechende Erwähnung vorkommt. „Internetsucht“ soll dort als eine
exzessiv betriebene Verhal (...truncated)