Nutzungsmuster von Internet und Computerspielen

neuropsychiatrie, Nov 2016

Grundlagen Der Gebrauch von digitalen Medien wie Internet und Computerspielen ist vor allem in der Gruppe von Jugendlichen so stark angestiegen, dass in der westlichen Welt nahezu alle jungen Menschen mehr oder weniger regelmäßig einschlägige Technologien gebrauchen. Vor diesem Hintergrund werden seit einigen Jahren auch Nutzungsformen mit möglichen schädlichen Auswirkungen auf Jugendliche erfasst. Ziel unserer Studie war deshalb, die Prävalenz von pathologischem Mediengebrauch in einer Stichprobe von Tiroler Jugendlichen zu erheben. Methodik 398 SchülerInnen (mittleres Alter: 15,2 ± 2,3 Jahre, 34,2 % weiblich) wurden mittels strukturierter Fragebögen zum Internetnutzungs- und Computerspielverhalten sowie zur Selbstwirksamkeit befragt. Ergebnisse Im Einklang mit bisherigen Studien zeigte sich in unserer Stichprobe eine Prävalenz von 7,7 % für problematischen Internet-Gebrauch sowie von 3,3 % für suchtartigen Internet-Gebrauch (CIUS). 5,4 % der untersuchten SchülerInnen zeigten suchtartiges Computerspielverhalten (CSV-S). Als wichtigster Einflussfaktor beeinflusste das Geschlecht der ProbandInnen signifikant die Ergebnisse: Intensivnutzer in den Bereichen Internet und Computerspiele waren häufiger junge Männer, junge Frauen hingegen zeigten signifikant seltener suchtartigen Computerspiel-Gebrauch. Schlussfolgerungen Ein signifikanter Teil der befragten Jugendlichen aus der Tiroler Normalbevölkerung zeigte Schwierigkeiten in der Entwicklung von kompetenter Mediennutzung. Dies könnte ein Hinweis auf die steigende Bedeutung von Präventionsarbeit, z. B. in Form von Medienpädagogik sein. In einem Folgeprojekt sollen Jugendliche mit psychischen Erkrankungen hinsichtlich ihres Nutzungsverhaltens untersucht und mit der Schulstichprobe verglichen werden.

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Nutzungsmuster von Internet und Computerspielen

originalarbeit Neuropsychiatr DOI 10.1007/s40211-016-0205-y Nutzungsmuster von Internet und Computerspielen Ergebnisse einer Beobachtungsstudie an Tiroler Jugendlichen David Riedl · Andrea Stöckl · Charlotte Nussbaumer · Gerhard Rumpold · Kathrin Sevecke · Martin Fuchs Eingegangen: 27. Juni 2016 / Angenommen: 22. Oktober 2016 © Der/die Autor(en) 2016. Dieser Artikel ist eine Open-Access-Publikation. Zusammenfassung Grundlagen Der Gebrauch von digitalen Medien wie Internet und Computerspielen ist vor allem in der Gruppe von Jugendlichen so stark angestiegen, dass in der westlichen Welt nahezu alle jungen Menschen mehr oder weniger regelmäßig einschlägige Technologien gebrauchen. Vor diesem Hintergrund werden seit einigen Jahren auch Nutzungsformen mit möglichen schädlichen Auswirkungen auf Jugendliche erfasst. Ziel unserer Studie war deshalb, die Prävalenz von pathologischem Mediengebrauch in einer Stichprobe von Tiroler Jugendlichen zu erheben. Methodik 398 SchülerInnen (mittleres Alter: 15,2 ± 2,3 Jahre, 34,2 % weiblich) wurden mittels strukturierter Fragebögen zum Internetnutzungs- und Computerspielverhalten sowie zur Selbstwirksamkeit befragt. Ergebnisse Im Einklang mit bisherigen Studien zeigte sich in unserer Stichprobe eine Prävalenz von 7,7 % für problematischen Internet-Gebrauch sowie von 3,3 % für suchtartigen Internet-Gebrauch (CIUS). 5,4 % der untersuchten SchülerInnen zeigten suchtartiges Computerspielverhalten (CSV-S). Als wichtigster Einflussfaktor beeinflusste das Geschlecht der ProbandInnen signifikant die Ergebnisse: Intensivnutzer in den Bereichen Internet und Computerspiele waren häufiger junge Männer, junge Frauen hingegen zeigten signifikant seltener suchtartigen Computerspiel-Gebrauch. Schlussfolgerungen Ein signifikanter Teil der befragten Jugendlichen aus der Tiroler Normalbevölkerung D. Riedl · A. Stöckl · G. Rumpold Univ.-Klinik für Medizinische Psychologie, Medizinische Universität Innsbruck, Innsbruck, Österreich C. Nussbaumer · K. Sevecke · Dr. M. Fuchs () Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Department Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Universität Innsbruck, Innrain 52, 6020 Innsbruck, Österreich K zeigte Schwierigkeiten in der Entwicklung von kompetenter Mediennutzung. Dies könnte ein Hinweis auf die steigende Bedeutung von Präventionsarbeit, z. B. in Form von Medienpädagogik sein. In einem Folgeprojekt sollen Jugendliche mit psychischen Erkrankungen hinsichtlich ihres Nutzungsverhaltens untersucht und mit der Schulstichprobe verglichen werden. Schlüsselwörter Internet · Computerspiele · Abhängigkeit · Gebrauch · Jugendliche Usage patterns of internet and computer games Results of an observational study of Tyrolean adolescents Summary Background The use of digital media such as the Internet and Computer games has greatly increased. In the western world, almost all young people regularly use these relevant technologies. Against this background, forms of use with possible negative consequences for young people have been recognized and scientifically examined. The aim of our study was therefore to investigate the prevalence of pathological use of these technologies in a sample of young Tyrolean people. Methods 398 students (average age 15.2 years, SD ± 2.3 years, 34.2% female) were interviewed by means of the structured questionnaires CIUS (Internet), CSV-S (Computer games) and SWE (Self efficacy). Additionally, socio demographic data were collected. Results In line with previous studies, 7.7% of the adolescents of our sample showed criteria for problematic internet use, 3.3% for pathological internet use. 5.4% of the sample reported pathological computer game usage. The most important aspect to influence our results was the gender of the subjects. Intensive users in the field of Internet and Computer games were more often young men, young women, however, showed Nutzungsmuster von Internet und Computerspielen originalarbeit significantly less signs of pathological computer game use. Conclusions A significant percentage of Tyrolean adolescents showed difficulties in the development of competent media use, indicating the growing significance of prevention measures such as media education. In a follow-up project, a sample of adolescents with mental disorders will be examined concerning their media use and be compared with our schoolsample. Keywords Internet · Computer games · Addiction · Adolescents Hintergrund Internetfähige Computer und moderne Kommunikationstechnologien haben in private Haushalte Einzug gefunden und sind aus dem Alltag von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen kaum mehr wegzudenken. 1997 nutzten lediglich 6,3 % der befragten 14- bis 19-jährigen deutschen Jugendlichen fallweise das Internet, ab 2010 war diese Nutzungsrate auf 100 % angestiegen und ist seither nicht wieder gesunken. 2015 nutzten bereits über 90 % der befragten Jugendlichen das Internet täglich [1]. In Österreich sind acht von zehn Haushalten mit einer Internetverbindung ausgestattet, womit Österreich über dem europäischen Schnitt liegt. In der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen benutzten 2013 nahezu 100 % der Österreicher (99,6 %) das Internet [2]. Eine Nutzungsrate von 100 % konnte auch für deutsche Jugendliche im Alter von 14–19 Jahren gefunden und seit 2010 jährlich repliziert werden [3]. Die Nutzungsrate von mobilem Internet („zumindest seltener Gebrauch“) in der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen stieg von 31 % (2011) auf aktuell 81 % (2015) an. Während 2010 lediglich 9 % der befragten Jugendlichen mobiles Internet als „unverzichtbar“ ansahen, stimmten 2015 bereits fast die Hälfte (48 %) der befragten Jugendlichen dieser Aussage zu. Ortsunabhängig online sein zu können scheint genauso selbstverständlich zu werden, wie unterwegs telefonieren zu können, ohne nach Münzfernsprechern suchen zu müssen [4]. Sowohl auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene wurden in den letzten Jahren Befunde repliziert, die zeigen, dass in etwa 20 % aller Kinder und Jugendlichen von psychischen Störungen betroffen sind [5, 6]. Die weltweit stark ansteigende Nutzungsintensität des Internet vor allem bei Jugendlichen stimulierte einschlägige Forschung bereits relativ früh zu der Fragestellung, ob auch der Gebrauch neuer Technologien auf pathologische Art und Weise erfolgen könnte, und ob ein solcher „pathologischer Gebrauch von Internet“ (PGI) schädlich für die psychische Gesundheit von jungen Menschen sein könnte. Hinsichtlich der zugrundeliegenden Pathophysiologie wird suchtartiger Internetgebrauch als Verhaltenssucht oder Störung der Impulskontrolle aufgefasst [7, Nutzungsmuster von Internet und Computerspielen 8]. Im Jahr 2013 wurde „Internet Gaming Disorder“ in den Abschnitt der noch weiter zu beforschenden Störungen des DSM-5 aufgenommen [9], und es ist damit zu rechnen, dass auch im voraussichtlich 2017 erscheinenden ICD-11 eine entsprechende Erwähnung vorkommt. „Internetsucht“ soll dort als eine exzessiv betriebene Verhal (...truncated)


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David Riedl, Andrea Stöckl, Charlotte Nussbaumer, Gerhard Rumpold, Kathrin Sevecke, Dr. Martin Fuchs. Nutzungsmuster von Internet und Computerspielen, neuropsychiatrie, 2016, pp. 181-190, Volume 30, Issue 4, DOI: 10.1007/s40211-016-0205-y