Synkopen im Alter: vasovagale Ursachen?
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aktuelle medizin – kritisch gelesen
Synkopen im Alter: vasovagale Ursachen?
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– Kommentar
Eine Synkope ist ein anfallsartiger,
plötzlicher, kurzzeitiger Tonus- und Bewusstseinsverlust infolge zerebraler Minderperfusion, die durch Hinstürzen und
dadurch verbesserte Gehirndurchblutung
selbstlimitiert ist. Abhängig von der Ätiologie kann man zwischen Synkopen mit
guter und solchen mit ernsterer Prognose
unterscheiden. Die reflexvermittelten
Synkopen, deren häufigster Vertreter die
vasovagale Synkope ist und die orthostatische Synkopen signalisieren keine
erhöhte Sterblichkeit, während Synkopen
durch Herzrhythmusstörungen und strukturelle Herz- und Lungenerkrankungen
ernster zu bewerten sind.
Die vorliegende Arbeit weist uns darauf
hin, dass die vasovagale Synkope (VVS) im
Alter häufiger ist als bisher angenommen.
Von den gut 1000 mittels Kipptischuntersuchung diagnostizierten Patienten mit
VVS waren fast zwei Drittel älter als 60
Jahre mit einem Häufigkeitsgipfel im
8. Lebensjahrzehnt. Synkopen in diesem Lebensalter haben häufig mehrere
Gründe. Der typischen vasovagalen
Symptomatik (Herzklopfen, Schwindel,
weiche Knie, schwarz vor den Augen,
kalter Schweiß, Blässe ...) überlagern sich
26
z.B. Medikamentennebenwirkungen und
Exsikkkose und die protektiven Mechanismen sind schwächer als beim Jüngeren, so
dass es nicht verwundert, dass die Symptomatik untypisch ist und Warnsymptome seltener wahrgenommen werden.
Bei der geriatrischen Differenzialdiagnose
„Sturz unklarer Ursache“ sollte man also
vermehrt an vasovagale Mechanismen
denken.
Neben einer sorgfältigen Anamnese,
zu der auch die Befragung von Zeugen
gehört, ist das EKG eine wichtige Untersuchung. Wenn hier und ggf. im Echokardiogramm keine Hinweise auf eine
Herzerkrankung vorliegen, kann eine
Kipptischuntersuchung die Verdachtsdiagnose VVS erhärten. Die meisten Stürze im
Alter sind indes nicht synkopal, also ohne
Bewusstseinsverlust und multikausal. Die
vorliegende Studie zeigt uns aber, dass
dies einen vasovagalen Mechanismus
als Ursache nicht ausschließt. Häufige
weitere Gründe sind Inaktivität, Arthrose,
Z. n. Schlaganfall mit beeinträchtigter
Mobilität, Demenz, orthostatische Hypotonie, Exsikkose, schlechter Visus und vor
allem die sturzbegünstigenden Nebenwirkungen von Medikamenten. Synkopen
sind eine diagnostische Herausforderung.
Etwa ein Drittel bleibt ohne fassbare
Ursache und stellt oft eine erhebliche
Verunsicherung und Bedrohung für die
betroffenen Patienten dar. Für den praktizierenden Arzt, der alte Menschen betreut,
scheinen mir folgende Punkte wichtig:
Nicht synkopale Stürze machen den
Löwenanteil aller Stürze im Alter aus,
wirkungsvolle Behandlungsansätze existieren (z.B. Muskel- und Koordinationstraining, Hinsetzen bei Warnsymptomen,
Absetzen sturzbegünstigender Medikamente ...).
Bei den synkopalen Stürzen machen
kardiale Ursachen etwa 10% aus, andere
Ursachen sind Schlaganfall/TIA (4%),
orthostatischer Blutdruckabfall (9%),
zerebrale Anfälle (5%), Medikamentennebenwirkungen (7%), vasovagale Synkopen
(20%) und eine große Gruppe mit etwa
30%, deren Ursache bisher als unklar angesehen wurde, in die aber sicherlich atypische vasovagale Fälle mit einfließen.
Viele der hochbetagten Sturzpatienten
können vom Hausarzt diagnostiziert und
effizient behandelt werden. Bei rezidivierenden Stürzen und der Frage nach
spezialisierter Diagnostik, z.B. mittels
Kipptisch, kann an ein neurologisches
oder geriatrisches Zentrum überwiesen
J. Zeeh ó
werden.
ó
G. W. Duncan et al.
Vasovagal syncope in the older person: differences in presentation between older and
younger patients. Age and Ageing 39 (2010)
465–470
Bei Älteren kommt die vasovagale
Synkope oft ohne Vorwarnung.
© Photos.com plus
In einer Sturz- und Synkopensprechstunde in England fand sich bei 1060
Patienten, die im Rahmen einer Synkopenabklärung mittels Kipptischuntersuchung als vasovagal klassifiziert wurden, ein überraschend
hoher Anteil Älterer (60% älter als
60 Jahre, stärkste Gruppe mit 260
Patienten die 70- bis 80-Jährigen).
MMW-Fortschr. Med. Nr. 43 / 2010 (152. Jg.)
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