Synkopen im Alter: vasovagale Ursachen?

MMW - Fortschritte der Medizin, Oct 2010

In einer Sturz- und Synkopensprechstunde in England fand sich bei 1060 Patienten, die im Rahmen einer Synkopenabklärung mittels Kipptischuntersuchung als vasovagal klassifiziert wurden, ein überraschend hoher Anteil Älterer (60% älter als 60 Jahre, stärkste Gruppe mit 260 Patienten die 70- bis 80-Jährigen).

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Synkopen im Alter: vasovagale Ursachen?

– aktuelle medizin – kritisch gelesen Synkopen im Alter: vasovagale Ursachen? – "EIäDIESENäËLTERENäGINGäDIEä3YNKOPEä MITäWENIGERä6ORWARNSYMPTOMENäUNDä šFTERSäOHNEäVOLLSTØNDIGENä"EWUSSTSEINS VERLUSTäEINHERä$ASäFÓRä*ÓNGEREäTYPISCHEä !USLšSESZENARIOä LANGESä 3TEHEN ä HEI”Eä 5MGEBUNGSTEMPERATURä ETC ä WARä SEL TENERä $IEä !UTORENä SCHLIE”ENä DARAUS ä DASSä BEIä ALTENä 0ATIENTENä MITä UNKLARENä 3TÓRZENäTROTZäATYPISCHERä0RØSENTATIONäANä EINEäVASOVAGALEä'ENESEäGEDACHTäWERDENä SOLLTEä – Kommentar Eine Synkope ist ein anfallsartiger, plötzlicher, kurzzeitiger Tonus- und Bewusstseinsverlust infolge zerebraler Minderperfusion, die durch Hinstürzen und dadurch verbesserte Gehirndurchblutung selbstlimitiert ist. Abhängig von der Ätiologie kann man zwischen Synkopen mit guter und solchen mit ernsterer Prognose unterscheiden. Die reflexvermittelten Synkopen, deren häufigster Vertreter die vasovagale Synkope ist und die orthostatische Synkopen signalisieren keine erhöhte Sterblichkeit, während Synkopen durch Herzrhythmusstörungen und strukturelle Herz- und Lungenerkrankungen ernster zu bewerten sind. Die vorliegende Arbeit weist uns darauf hin, dass die vasovagale Synkope (VVS) im Alter häufiger ist als bisher angenommen. Von den gut 1000 mittels Kipptischuntersuchung diagnostizierten Patienten mit VVS waren fast zwei Drittel älter als 60 Jahre mit einem Häufigkeitsgipfel im 8. Lebensjahrzehnt. Synkopen in diesem Lebensalter haben häufig mehrere Gründe. Der typischen vasovagalen Symptomatik (Herzklopfen, Schwindel, weiche Knie, schwarz vor den Augen, kalter Schweiß, Blässe ...) überlagern sich 26 z.B. Medikamentennebenwirkungen und Exsikkkose und die protektiven Mechanismen sind schwächer als beim Jüngeren, so dass es nicht verwundert, dass die Symptomatik untypisch ist und Warnsymptome seltener wahrgenommen werden. Bei der geriatrischen Differenzialdiagnose „Sturz unklarer Ursache“ sollte man also vermehrt an vasovagale Mechanismen denken. Neben einer sorgfältigen Anamnese, zu der auch die Befragung von Zeugen gehört, ist das EKG eine wichtige Untersuchung. Wenn hier und ggf. im Echokardiogramm keine Hinweise auf eine Herzerkrankung vorliegen, kann eine Kipptischuntersuchung die Verdachtsdiagnose VVS erhärten. Die meisten Stürze im Alter sind indes nicht synkopal, also ohne Bewusstseinsverlust und multikausal. Die vorliegende Studie zeigt uns aber, dass dies einen vasovagalen Mechanismus als Ursache nicht ausschließt. Häufige weitere Gründe sind Inaktivität, Arthrose, Z. n. Schlaganfall mit beeinträchtigter Mobilität, Demenz, orthostatische Hypotonie, Exsikkose, schlechter Visus und vor allem die sturzbegünstigenden Nebenwirkungen von Medikamenten. Synkopen sind eine diagnostische Herausforderung. Etwa ein Drittel bleibt ohne fassbare Ursache und stellt oft eine erhebliche Verunsicherung und Bedrohung für die betroffenen Patienten dar. Für den praktizierenden Arzt, der alte Menschen betreut, scheinen mir folgende Punkte wichtig:  Nicht synkopale Stürze machen den Löwenanteil aller Stürze im Alter aus, wirkungsvolle Behandlungsansätze existieren (z.B. Muskel- und Koordinationstraining, Hinsetzen bei Warnsymptomen, Absetzen sturzbegünstigender Medikamente ...).  Bei den synkopalen Stürzen machen kardiale Ursachen etwa 10% aus, andere Ursachen sind Schlaganfall/TIA (4%), orthostatischer Blutdruckabfall (9%), zerebrale Anfälle (5%), Medikamentennebenwirkungen (7%), vasovagale Synkopen (20%) und eine große Gruppe mit etwa 30%, deren Ursache bisher als unklar angesehen wurde, in die aber sicherlich atypische vasovagale Fälle mit einfließen. Viele der hochbetagten Sturzpatienten können vom Hausarzt diagnostiziert und effizient behandelt werden. Bei rezidivierenden Stürzen und der Frage nach spezialisierter Diagnostik, z.B. mittels Kipptisch, kann an ein neurologisches oder geriatrisches Zentrum überwiesen J. Zeeh ó werden. ó G. W. Duncan et al. Vasovagal syncope in the older person: differences in presentation between older and younger patients. Age and Ageing 39 (2010) 465–470 Bei Älteren kommt die vasovagale Synkope oft ohne Vorwarnung. © Photos.com plus In einer Sturz- und Synkopensprechstunde in England fand sich bei 1060 Patienten, die im Rahmen einer Synkopenabklärung mittels Kipptischuntersuchung als vasovagal klassifiziert wurden, ein überraschend hoher Anteil Älterer (60% älter als 60 Jahre, stärkste Gruppe mit 260 Patienten die 70- bis 80-Jährigen). MMW-Fortschr. Med. Nr. 43 / 2010 (152. Jg.) (...truncated)


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J. Zeeh. Synkopen im Alter: vasovagale Ursachen?, MMW - Fortschritte der Medizin, 2010, pp. 26, Volume 152, Issue 43, DOI: 10.1007/BF03367284