Abklärung von Synkopen: So gehen Sie vor
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Kardiologische Ursachen nicht übersehen!
Abklärung von Synkopen:
So gehen Sie vor
Meist ist sie ein harmloses Ereignis. Eine Synkope kann aber auch Vorbote eines akuten
Herztodes sein. Aus diesem Grund ist es so wichtig, ein solches Ereignis sorgfältig abzuklären.
Dabei sollte man nicht die diagnostische Schrotschussflinte einsetzen.
Orthostatische Blutdruckmessung
ist unverzichtbar
Bei der differenzialdiagnostischen Abklärung einer Synkope müssen drei Fragen beantwortet werden:
• Handelt es sich um eine echte Synkope oder um ein synkopenähnliches Ereignis?
• Ist eine ätiologische Diagnose evident?
• Besteht ein erhöhtes Risiko für ein
kardiales, potenziell tödliches Ereignis?
Apparative
Stufendiagnostik
Einfach umgekippt – am häufigsten ist es
eine vasovagale Synkope.
Am Anfang der Diagnostik sollte eine
ausführliche Anamnese stehen. „Diese
ist oft schon diagnoseweisend, sodass
keine weiteren Untersuchungen nötig
sind“, so Becker. Gefragt werden muss
nach (vermuteten) Auslösern, vegetativen Begleitsymptomen, Zeitpunkt des
Bewusstseinsverlustes, Anfallshäufigkeit,
kardialen Vorerkrankungen und Medikamenten. Bei der körperlichen Untersuchung sollte nicht nur auf die Herzfrequenz bzw. den Rhythmus, sondern auch
auf den Hydratationszustand und etwaige Herzgeräusche geachtet werden.
Unverzichtbar ist die Blutdruckmessung im Liegen und Stehen. Von einer
orthostatischen Hypotension spricht
man, wenn nach orthostatischer Belastung der systolische Blutdruck um ≥ 20
mmHg bzw. der diastolische Wert um ≥
10 mmHg abfällt oder der systolische
Blutdruck auf < 90 mmHg sinkt. „Liegt
bereits ein anamnestischer Verdacht auf
eine Orthostase vor, so liefert die orthostatische Blutdruckmessung den Beweis“, so Becker.
Zur kardiologischen Basisdiagnostik gehört ein 12-Kanal-EKG, das eine Rhythmusstörung
nachweisen
oder ausschließen und Hinweise auf eine strukturelle
Herzerkrankung
liefern
kann. Ist die Ursache nach
diesen
Untersuchungen
nicht geklärt, sollte sich das
weitere Vorgehen an der Verdachtsdiagnose orientieren.
Eine Farbdopplerechokardiografie
sollte nur dann durchgeführt werden,
wenn es Hinweise für eine strukturelle
Herzerkrankung gibt. Dasselbe gilt für
das MRT. Eine Belastungsuntersuchung
ist nur sinnvoll, wenn sich anamnestische
Hinweise für eine KHK ergeben oder die
Synkope unter Belastung aufgetreten ist.
Die Kipptisch-Untersuchung ist indiziert, wenn die Synkope in einem Hochrisiko-Setting wie einer Verletzung aufgetreten ist oder die Synkope rezidiviert,
ohne dass eine kardiale Ursache vorliegt.
Die Karotis-Sinus-Massage wird empfohlen bei über 40-jährigen Patienten,
wenn sich sonst keine Erklärung findet.
Pathologisch ist eine Asystolie von mehr
als 3 Sekunden und/oder ein Abfall des
systolischen Blutdrucks um > 50 mmHg.
Führt dies alles nicht zur Klärung und
besteht weiterhin Verdacht auf ein
rhythmogenes Ereignis, so sollte die Indikation für die Implantation eines
Loop-recorders gestellt werden.
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(Symbolbild mit Fotomodellen)
_ „Die Synkope ist keine
Krankheit, sondern ein
Symptom, das immer einer
genauen, vor allem kardiologischen Abklärung bedarf“,
erklärte Prof. Rüdiger
Becker, Chefarzt der kardiologischen Abteilung im
Krankenhaus Wolfsburg.
Meist sei eine Synkope
harmlos, sie könne aber auch
Vorbote eines akuten Herztodes sein. „Bei einer kardialen Synkope ist die Mortalität um das Zwei- bis Dreifache im Vergleich zu einer nicht-kardialen Synkope
erhöht“, so Becker. Bei einer kardialen
Synkope liegt die 1-Jahres-Mortalität
immerhin bei ca. 30%.
Gemäß der Pathogenese werden die
Synkopen in drei Gruppen eingeteilt:
Reflex-vermittelt, orthostatisch und kardial-bedingt. In ca. 20 bis 30% der Fälle
bleibt die Ursache trotz intensiver diagnostischer Bemühungen allerdings unklar.
Dr. Peter Stiefelhagen
■ 6. Hannover Herz Lungen Messe, 23.2.2018
MMW Fortschritte der Medizin
2018 . S1 / 160
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