Damit alte Patienten nicht austrocknen
aktuelle medizin – kongressberichte
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Mit Subkutaninfusionen gegen die Exsikkose
Damit alte Patienten nicht austrocknen
Alte Menschen haben oft ein beeinträchtigtes Durstgefühl und trinken deshalb zu wenig. Ein großes Problem in dieser Altersgruppe ist daher die Dehydratation. Ebenso effektiv wie die intravenöse Infusionstherapie, aber weniger
aufwendig und kostengünstiger ist in dieser Situation die Subkutaninfusion.
Subkutan vs. intravenös
Eine im letzten Jahr publizierte Metaanalyse spricht nun zweifelsfrei dafür,
dass die Subkutaninfusion (auch als
Hypodermoclysis bezeichnet) der intravenösen Infusion in puncto Wirksamkeit auf keinen Fall hinterherhinkt
und wegen der geringeren Kosten sowie der einfacheren Schulung des Pflegepersonals sogar zusätzliche Vorteile
besitzt (Remington et al.; J Am Geriatr
Soc 2007;55:2051–2055).
In der Analyse wurden acht Studien
ausgewertet. Teilnehmer waren Patienten (71–85 Jahre), die in Langzeitpflegeheimen, akut-geriatrischen oder akutpalliativen Stationen oder Hospizen betreut wurden. Primär sollte geklärt werden, ob die Subkutaninfusion bei leichter bis mäßiger Dehydratation effektiv
und sicher ist und wie sie im Vergleich
zur intravenösen Infusion abschneidet.
Tendenziell weniger lokale
Irritationen
Grundsätzlich wird eine subkutane Infusionstherapie eher längere Zeit gegeben als die intravenöse: Die Thera-
MMW-Fortschr. Med. Nr. 23 / 2008 (150. Jg.)
piezeiten in den Studien lagen im ersten Fall zwischen 4 und 21 Tagen, bei
intravenöser Infusion zwischen fünf
und sechs Tagen. Beide Therapien sind
als sicher einzuschätzen. Bei den
Komplikationen handelte es sich meist
um lokale Reaktionen wie Rötung,
Schwellung oder Cellulitis, die bei der
intravenösen Infusion eher stärker
ausgeprägt waren als bei der Hypodermoclysis. Lokale Irritationen entwickeln sich meist dann, wenn die Nadel
Rehydratation über Nacht
drei Tage an der gleichen Stelle liegt.
Ein weiterer Vorteil der s.c. Infusion:
Sieber empfahl, den Applikationsort alSie kann gut auch über Nacht verable 24 bis 48 Stunden zu wechseln. Das
reicht werden. „Daher brauchen die
Infusionsbesteck sollte nach drei bis
Patienten nicht immobilisiert zu werfünf Tagen gewechselt werden.
den, sodass typische geriatrische ProEine mögliche Komplikation beider
bleme wie nosokomiale Infektionen
Therapieformen ist die Flüssigkeitsüoder Druckgeschwüre vermieden werberlastung mit Hyponatriämie. „Schieden“, betonte Sieber. Aufgrund der poßen Sie also mit der Infusionstherapie
sitiven Datenlage hofft er, dass die
nicht über das Ziel hinaus, sonst müsSubkutaninfusion künftig wieder versen Sie mit Diuretika gegensteuern“,
mehrt eingesetzt wird.
warnte Sieber. Pro Tag sollten nicht
Dr. Katharina Arnheim ó
mehr als 3000 ml 0,9%-ige Kochsalzoder 5%-ige Glukoselösung verabreicht
ó Praxis-Update 2008, 2. Allgemein-Medizinwerden. Schwere systemische KompliUpdate-Seminar, Berlin, 18./19. April 2008
kationen wie eine
Sepsis traten nie
Exsikkose: Gerade im Sommer
auf.
kann das Problem bei alten
Menschen rasch lebensgefährlich
Einfacher und
werden.
kostengünstiger
Auch bei der
Wirksamkeit gab
es keine signifikanten Unterschiede zwischen
s.c. und i.v. Infusion. Die Laborparameter besserten sich in
ähnlicher Weise.
Foto: arteria photography
– „Die Dehydratation ist ein häufiges
klinisches Syndrom bei hochbetagten
Menschen“, konstatierte Prof. Dr. Cornel Sieber, Nürnberg, und erinnerte an
den Hitzesommer 2003, als in Frankreich über 10 000 alte Menschen aufgrund der hohen Temperaturen starben. Doch trotz der vorhandenen Daten, die die Subkutaninfusion zur Prävention und Therapie einer leichten
bis moderaten Dehydratation als effektiv ausweisen, wird diese Methode
noch zu selten eingesetzt, in Deutschland z. T. kontrovers diskutiert.
Unter der Subkutaninfusion waren die
Patienten erheblich seltener agitiert als
bei intravenöser Infusion. Die Praktikabilität beider Maßnahmen wurde
vom Pflegepersonal gleich bewertet.
Die Ärzte schätzten jedoch die Subkutaninfusion als einfacher ein.
Auf jeden Fall kann die Subkutaninfusion rascher gestartet werden: Es
dauert nur etwa 3,5 Minuten, bis sie
gelegt ist, während die intravenöse Infusion fast doppelt so viel Zeit in Anspruch nimmt. Wegen des geringeren
Materialverbrauchs und der kürzeren
Inanspruchnahme des Pflegepersonals
sind die Kosten für die Subkutaninfusion rund viermal geringer.
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