Damit alte Patienten nicht austrocknen

MMW - Fortschritte der Medizin, Jun 2008

Alte Menschen haben oft ein beeinträchtigtes Durstgefühl und trinken deshalb zu wenig. Ein großes Problem in dieser Altersgruppe ist daher die Dehydratation. Ebenso effektiv wie die intravenöse Infusionstherapie, aber weniger aufwendig und kostengünstiger ist in dieser Situation die Subkutaninfusion.

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Damit alte Patienten nicht austrocknen

aktuelle medizin – kongressberichte – Mit Subkutaninfusionen gegen die Exsikkose Damit alte Patienten nicht austrocknen Alte Menschen haben oft ein beeinträchtigtes Durstgefühl und trinken deshalb zu wenig. Ein großes Problem in dieser Altersgruppe ist daher die Dehydratation. Ebenso effektiv wie die intravenöse Infusionstherapie, aber weniger aufwendig und kostengünstiger ist in dieser Situation die Subkutaninfusion. Subkutan vs. intravenös Eine im letzten Jahr publizierte Metaanalyse spricht nun zweifelsfrei dafür, dass die Subkutaninfusion (auch als Hypodermoclysis bezeichnet) der intravenösen Infusion in puncto Wirksamkeit auf keinen Fall hinterherhinkt und wegen der geringeren Kosten sowie der einfacheren Schulung des Pflegepersonals sogar zusätzliche Vorteile besitzt (Remington et al.; J Am Geriatr Soc 2007;55:2051–2055). In der Analyse wurden acht Studien ausgewertet. Teilnehmer waren Patienten (71–85 Jahre), die in Langzeitpflegeheimen, akut-geriatrischen oder akutpalliativen Stationen oder Hospizen betreut wurden. Primär sollte geklärt werden, ob die Subkutaninfusion bei leichter bis mäßiger Dehydratation effektiv und sicher ist und wie sie im Vergleich zur intravenösen Infusion abschneidet. Tendenziell weniger lokale Irritationen Grundsätzlich wird eine subkutane Infusionstherapie eher längere Zeit gegeben als die intravenöse: Die Thera- MMW-Fortschr. Med. Nr. 23 / 2008 (150. Jg.) piezeiten in den Studien lagen im ersten Fall zwischen 4 und 21 Tagen, bei intravenöser Infusion zwischen fünf und sechs Tagen. Beide Therapien sind als sicher einzuschätzen. Bei den Komplikationen handelte es sich meist um lokale Reaktionen wie Rötung, Schwellung oder Cellulitis, die bei der intravenösen Infusion eher stärker ausgeprägt waren als bei der Hypodermoclysis. Lokale Irritationen entwickeln sich meist dann, wenn die Nadel Rehydratation über Nacht drei Tage an der gleichen Stelle liegt. Ein weiterer Vorteil der s.c. Infusion: Sieber empfahl, den Applikationsort alSie kann gut auch über Nacht verable 24 bis 48 Stunden zu wechseln. Das reicht werden. „Daher brauchen die Infusionsbesteck sollte nach drei bis Patienten nicht immobilisiert zu werfünf Tagen gewechselt werden. den, sodass typische geriatrische ProEine mögliche Komplikation beider bleme wie nosokomiale Infektionen Therapieformen ist die Flüssigkeitsüoder Druckgeschwüre vermieden werberlastung mit Hyponatriämie. „Schieden“, betonte Sieber. Aufgrund der poßen Sie also mit der Infusionstherapie sitiven Datenlage hofft er, dass die nicht über das Ziel hinaus, sonst müsSubkutaninfusion künftig wieder versen Sie mit Diuretika gegensteuern“, mehrt eingesetzt wird. warnte Sieber. Pro Tag sollten nicht Dr. Katharina Arnheim ó mehr als 3000 ml 0,9%-ige Kochsalzoder 5%-ige Glukoselösung verabreicht ó Praxis-Update 2008, 2. Allgemein-Medizinwerden. Schwere systemische KompliUpdate-Seminar, Berlin, 18./19. April 2008 kationen wie eine Sepsis traten nie Exsikkose: Gerade im Sommer auf. kann das Problem bei alten Menschen rasch lebensgefährlich Einfacher und werden. kostengünstiger Auch bei der Wirksamkeit gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen s.c. und i.v. Infusion. Die Laborparameter besserten sich in ähnlicher Weise. Foto: arteria photography – „Die Dehydratation ist ein häufiges klinisches Syndrom bei hochbetagten Menschen“, konstatierte Prof. Dr. Cornel Sieber, Nürnberg, und erinnerte an den Hitzesommer 2003, als in Frankreich über 10 000 alte Menschen aufgrund der hohen Temperaturen starben. Doch trotz der vorhandenen Daten, die die Subkutaninfusion zur Prävention und Therapie einer leichten bis moderaten Dehydratation als effektiv ausweisen, wird diese Methode noch zu selten eingesetzt, in Deutschland z. T. kontrovers diskutiert. Unter der Subkutaninfusion waren die Patienten erheblich seltener agitiert als bei intravenöser Infusion. Die Praktikabilität beider Maßnahmen wurde vom Pflegepersonal gleich bewertet. Die Ärzte schätzten jedoch die Subkutaninfusion als einfacher ein. Auf jeden Fall kann die Subkutaninfusion rascher gestartet werden: Es dauert nur etwa 3,5 Minuten, bis sie gelegt ist, während die intravenöse Infusion fast doppelt so viel Zeit in Anspruch nimmt. Wegen des geringeren Materialverbrauchs und der kürzeren Inanspruchnahme des Pflegepersonals sind die Kosten für die Subkutaninfusion rund viermal geringer. 19 (...truncated)


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Dr. Katharina Arnheim. Damit alte Patienten nicht austrocknen, MMW - Fortschritte der Medizin, 2008, pp. 19, Volume 150, Issue 23, DOI: 10.1007/BF03365488