Highlights vom Pneumologen-Kongress, Lübeck, 9.–12. April 2008
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aktuelle medizin – kongressberichte
Highlights vom Pneumologen-Kongress, Lübeck, 9.–12. April 2008
GESTEIGERTE SYMPATHIKUSAKTIVITÄT
Auch an Pseudoallergien denken!
Obstruktive Schlafapnoe
erhöht das kardiale Risiko
– Manifestiert sich bei einem Patienten
unter einer medikamentösen Therapie eine
Atemwegsobstruktion, Rhinitis, Urtikaria
oder ein Angioödem, wird man zunächst
eine allergische Reaktion vermuten. Viele
Medikamente können aber auch eine Pseudoallergie verursachen. Darunter versteht
man, so Priv.-Doz. Jens Schreiber, Magdeburg, das klinische Bild einer allergischen
Reaktion, das aber nicht immunologisch
vermittelt wird, sondern durch eine direkte
Mediatorfreisetzung mit nachfolgender
direkter Komplementaktivierung.
Das bekannteste Beispiel einer Pseudoallergie ist die Analgetikaintoleranz bei
Gabe von NSAR. Nicht selten sind Pseudoallergien auch bei Röntgenkontrastmitteln. Interessanterweise gehören auch
Glukokortikosteroide dazu. Als Risikogruppen für eine Pseudoallergie unter Glukokortikosteroiden gelten Patienten mit
Atopie, Analgetikaintoleranz oder immunsuppressiver Therapie. Weitere Substanzklassen, die eine Pseudoallergie auslösen
können, sind Opiate, Muskelrelaxanzien,
ACE-Hemmer und Lokalanästhetika. Bei
Foto: H. S. Füeßl
MEDIKAMENTÖS BEHANDELTER PATIENT MIT ALLERGISCHEN SYMPTOMEN
Durch eine unspezifische Mastzellaktivierung können bestimmte Medikamente eine Pseudoallergie auslösen.
Volumenersatzmitteln und Plasmaproteinlösungen sind pseudoallergische Reaktionen heute seltener geworden.
Das Problem bei den Pseudoallergien ist,
dass die üblichen Methoden der allergologischen Diagnostik versagen. Das „Darandenken“ und die gezielte Suche sind
der entscheidende Schritt zur Identifikation und Elimination einer Pseudoallergie,
so Schreiber. Die Therapie der manifesten
Pseudoallergie unterscheidet sich nicht
wesentlich von der echter Allergien.
INFEKTION MIT MYKOBAKTERIEN
Es muss nicht immer Tuberkulose sein
– Wenn bei einem Patienten mit pulmonaler Symptomatik Mykobakterien nachgewiesen werden, handelt es sich nicht
immer um eine Tuberkulose. Dank besserer Diagnostik werden seit einigen Jahren
häufiger nicht tuberkulöse Mykobakterien
diagnostiziert, so Dr. Ulf Greinert, Borstel.
Pulmonale Erkrankungen durch nicht tuberkulöse Mykobakterien treten vor allem
bei immunkompromittierten Patienten
und Patienten mit COPD oder anderen
pulmonalen Vorerkrankungen auf.
Das radiologische Bild einer Infektion mit
nicht tuberkulösen Mykobakterien ist vielgestaltig. Es gibt infiltrative bzw. kavernöse Veränderungen wie bei einer Tuberkulose. Aber auch nodulär-bronchiektatische
Veränderungen sind möglich, ebenso wie
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beidseitige Milchglasverschattungen wie
bei einer exogenen allergischen Alveolitis.
Eine Indikation zur Therapie besteht immer dann, wenn mittels Bildgebung pulmonale Veränderungen nachweisbar sind,
eine Mykobakterienspezies nachgewiesen
ist und keine anderen pathogenen Keime
identifiziert werden können.
Therapeutisch empfiehlt sich die Gabe von
Clarithromycin oder Azithromycin in Kombination mit Ethambutol oder Rifampicin.
Die Therapie sollte zwölf Monate über die
kulturelle Negativierung hinaus durchgeführt werden. Bei fehlender Rückbildungstendenz lokalisierter pulmonaler Veränderungen in den ersten Monaten muss auch
eine Resektion des befallenen Lungenareals erwogen werden.
– Das obstruktive Schlaf-Apnoe-Syndrom gilt heute als wichtiger kardialer
Risikofaktor. Neben der blutdrucksteigernden Wirkung wird auch ein negativer
Einfluss auf den Lipidstoffwechsel beobachtet, so Dr. Jan Börgel, Bochum. Auch
der Kohlenhydratstoffwechsel wird ungünstig beeinflusst. Deshalb findet sich
bei Diabetikern gehäuft ein obstruktives
Schlaf-Apnoe-Syndrom. Umgekehrt kann
die Insulinsensitivität von diabetischen
wie von nicht diabetischen Schlaf-ApnoePatienten bereits durch zwei Nächte einer nasalen CPAP-Therapie deutlich und
langfristig verbessert werden.
Die kausale Verbindung zwischen schlafbezogenen Atmungsstörungen und metabolischem Syndrom könnte die gesteigerte Sympathikusaktivität bei SchlafApnoe-Patienten sein, so Börgel.
LUNGENFUNKTION
Alter ist keine Krankheit
– Mit zunehmendem Alter nimmt die
Lungenfunktionsleistung ab. Verantwortlich dafür ist in erster Linie die Abnahme
der Lungenelastizität. Dazu kommt eine
verminderte Atemexkursion des Brustkorbs als Folge einer eingeschränkten Gelenkmobilität, so Prof. Christian Grohé,
Berlin. Diese Abnahme der Lungenfunktion muss nicht mit einer Dyspnoe einhergehen. Doch wenn pulmonale Komorbiditäten oder eine starke Adipositas hinzukommen, führt dies zu einer deutlichen
Verschlechterung der funktionellen Leistungen. Durch regelmäßige sportliche Tätigkeit kann dieser Alterungsprozess aufgehalten werden.
Darüber hinaus kommt es im Alter zu Veränderungen der humoralen und zellulären
Immunität im Bereich der Lunge. Auch
dies dürfte die Manifestation bzw. Progression der COPD und evtl. auch die Manifestation pulmonaler Infektionen begünstigen. Dr. med. Peter Stiefelhagen ó
MMW-Fortschr. Med. Nr. 19 / 2008 (150. Jg.)
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