Vertrauenswürdige Roboter
Elektrotechnik & Informationstechnik (2017) 134/6: 291–292. DOI 10.1007/s00502-017-0521-3
VORWORT
Vertrauenswürdige Roboter
M. Vincze
Online publiziert am 18. September 2017
© Springer-Verlag GmbH Austria 2017
Roboter produzieren Autos
und andere Güter, spielen
in Filmen und kommen fast
täglich in Nachrichten vor.
Roboter und Automatisierung bilden die Grundlage
von effektiven Produktionsstätten und schaffen damit
einen signifikanten Beitrag
der gesamten Wertschöpfung in Österreich. Und
trotzdem haftet Robotern
hierzulande ein Makel des
Undurchsichtigen, ja GeAo. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.
fährlichen oder sogar Untechn. Markus Vincze
kontrollierbaren an, wohingegen in Japan Dinge und
auch Maschinen beseelt sind und Erstaunen hervorrufen, sobald sie
selbst etwas tun, sprechen oder sich bewegen. Ein sprechender Lift,
automatische Reaktionen von Smartphones oder Maschinen, die immer wieder die gleichen Bewegungen ausführen, gehören mittlerweile auch bei uns zum Alltag.
Während Medien meist überspitzte Bilder von den Fähigkeiten
heutiger Roboter präsentieren, geht die Entwicklung von Robotern
langsamer voran, als kreative Geister vordenken. Um dem entgegenzuwirken, haben die Mitglieder der GMAR – Gesellschaft für Mess-,
Automatisierungs- und Robotertechnik Beiträge zusammengestellt,
um auf die Fähigkeiten von Robotern gezielt einzugehen. Nur wenn
wir verstehen, welche Fähigkeiten Roboter mitbringen, können wir
von ihnen das erwarten, was uns schlussendlich als Hilfe und Unterstützung dient.
Diese Ausgabe der e&i präsentiert die Entwicklungen für die
nächste Generation an Robotern, denen wir Menschen vertrauen
und ihnen auch etwas zutrauen können – vertrauenswürdige Roboter (trustworthy robots). Diese Roboter werden sich auszeichnen
durch zuverlässige Aufgabenausführung, sicheres Verhalten, ein erstes Verstehen ihrer Umwelt und eine für uns Menschen intuitive Bedienung. Vertrauenswürdige Roboter folgen relevanten rechtlichen
Grundlagen, setzen neueste Standards um, werden nach ethischen
Kriterien entwickelt und arbeiten nach sicheren Verfahren in der realen und virtuellen Umwelt.
Die Fähigkeiten vertrauenswürdiger Roboter werden mit der Zeit
steigen und weiterentwickelt werden. Roboter werden erklären können, was sie tun und warum. Dadurch werden Menschen besser
verstehen, was wir den Maschinen zutrauen und wo und wie wir
sie einsetzen können, und daraus wird sich ein besseres Verständnis für die neue Technologie und insbesondere ein Vertrauen in den
gesicherten Einsatz bilden. Es bleibt in den Händen der Menschen,
wie wir diese Maschinen und Roboter einsetzen wollen. Vertrauenswürdige Roboter könnten Österreich zentral positionieren, um Zukunftstechniken nicht nur zu benützen, sondern aktiv zu erforschen
und mitzugestalten.
September 2017 134. Jahrgang
Diese Ausgabe umfasst fünf Beiträge namhafter österreichischer
Institutionen, um dem Ziel vertrauenswürdiger Robot näher zu kommen. Der erste Beitrag von Hangl, Ugur, Piater [1] fasst den Ansatz
der Developmental Robotik zusammen.
Ganz speziell auf die Sicherheit von Robotern und Robotersystemen geht der Artikel von Dieber, Schlotzhauer und Brandstötter [2] ein. Hier wird vor allem der Trend hervorgehoben,
die Roboter hinter ihren Schutzzäunen hervorzuholen. Zukünftige Roboter, hier vor allem Industrieroboterarme, werden mit den
Menschen kooperieren und flexibel sowie rasch für neue Einsätze bereitgestellt werden. Der Artikel zeigt, welche Möglichkeiten
und Normen es gibt, um diesen Anforderungen gerecht zu werden.
Roboter werden von Benutzern als vertrauenswürdig eingestuft,
wenn sie nur erwartete Bewegungen machen. Dies bedeutet aber
auch, dass Roboter die jeweilige Situation korrekt wahrnehmen
müssen, um vorhersagbar zu reagieren. Der nächste Beitrag – Vincze, Zillich, Prankl [3] – fasst neue Ergebnisse in der Modellierung und Erkennung von Objekten und Objektklassen zusammen.
Dank moderner Tiefenbildkameras steigen die Möglichkeiten, Objekte und deren Umgebung immer besser zu erkennen und zu
verstehen. Neue Objekte können rasch eingelernt und wiedererkannt und dann entsprechend mit dem Roboter gegriffen werden.
Abschließend gehen zwei Beiträge auf besondere Anwendungen
ein. Akkaladevi, Plasch, Pichler [4] stellen einen Ansatz vor, um rasch
neue Prozesse in der Fertigung mit dem Roboter zu lernen, die Parameter zu adaptieren und den neuen Prozess auszuführen. Aufgaben im Rahmen der Mensch-Roboter-Kooperation werden durch
einen aufgabenbasierten Formalismus im System XRob beschrieben.
Somit ist der Benutzer in der Lage, verschiedene Ebenen der geteilten Autonomie zwischen Mensch und Roboter umzusetzen. Ein
Einsatzfall in der industriellen Fertigung veranschaulicht den Ansatz.
Der letzte Beitrag kommt aus dem aufstrebenden Bereich der
Robotik in der Landwirtschaft. Hier spielen Roboter eine wichtige Rolle, da auf Äckern, Feldern und im Wald eine hohe Variabilität gegeben ist und entsprechend eine hohe Flexibilität bei den
eingesetzten Systemen gefordert wird. Kubinger, Peschak, Wöber,
Sulz [5] zeigen in ihrem Beitrag, welches Einsatzpotential bildgebende Sensorsysteme in der Agrarrobotik zukünftig haben werden.
Literatur
1. Hangl, S., Ugur, E. Piater, J. (2017): Autonomous robots: potential, advances and future
directions, doi:10.1007/s00502-017-0516-0.
Vincze, Markus, Institut für Automatisierungs- und Regelungstechnik, Technische
Universität Wien, Gußhausstraße 25-29, 1040 Wien, Österreich
(E-Mail: )
© Springer-Verlag GmbH Austria
heft 6.2017
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M. Vincze Vertrauenswürdige Roboter
2. Dieber, B., Schlotzhauer, A. Brandstötter, M. (2017): Safety & Security – Erfolgsfaktoren
von sensitiven Robotertechnologien, doi:10.1007/s00502-017-0512-4.
3. Vincze, M., Zillich, M. Prankl, J. (2017): Roboter lernen, mit Gegenständen umzugehen:
neue Entwicklungen und Chancen, doi:10.1007/s00502-017-0515-1.
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4. Chandra Akkaladevi, S., Plasch, M. Pichler, A. (2017): Skill-basiertes Lernen für Montageprozesse, doi:10.1007/s00502-017-0514-2.
5. Kubinger, W., Peschak, B., Wöber, W. Sulz, C. (2017): Bildgebende Sensorsysteme für
robotische Systeme in der Agrar- und Landtechnik, doi:10.1007/s00502-017-0513-3.
e&i elektrotechnik und informationstechnik
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