Probleme mit dem γ-Nagel - Optimierungsmöglichkeiten
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Dr. Bernhard Karich Chirurgische Klinik, Kreiskrankenhaus Bautzen, Klinikum Bautzen-Bischofswerda, Flinzstrae 1, 02625 Bautzen
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Bei der Versorgung pertrochanterer
Femurfrakturen nehmen intramedullre
Implantate inzwischen den fhrenden Rang ein.
Grnde dafr sind die hohe
Belastungsstabilitt und die minimalinvasive
Operationstechnik, die den berwiegend geriatrischen
und oft multimorbiden Patienten zugute
kommen. Erster Vertreter dieser
Implantatgruppe ist der von Grosse und Kempf
entwickelte g-Nagel. Er zeigt besonders bei
instabilen Frakturen bessere Ergebnisse als die
bisher als Standard geltende dynamische
Hftschraube. Das in der Anfangsphase teils
heftig umstrittene Funktionsprinzip ist
inzwischen in verschiedenen Variationen als
Standardmethode etabliert. Aufgrund der in
der Einfhrungsphase hohen
Komplikationsraten hatte der g-Nagel den Ruf eines
anspruchsvollen Implantats. Die kritische
Analyse der implantatspezifischen Probleme des
Standard-g-Nagels fhrte zu einer
Optimierung dieses Implantats und des zugehrigen
Instrumentariums mit deutlich reduzierter
Komplikationsrate und verbessertem
Handling. In diesem Beitrag wird der aktuelle
Stand der Entwicklung dargestellt, wobei auf
die jeweiligen Komponenten einzeln
eingegangen wird. Der Entwicklungsprozess wird
durch die abschlieend dargestellten
eigenen Untersuchungsergebnisse belegt.
Pertrochantere Femurfraktur g-Nagel
Trochanterer g-Nagel Titan-g-Nagel
Klingenschraube
Die pertrochantere Femurfraktur ist
eine typische Verletzung im hheren
Lebensalter mit stetig ansteigender
Hufigkeit. Die Versorgung dieser Fraktur
fordert ein stabiles Implantat, das die
Mobilisierung der betagten Patienten
unter sofortiger Vollbelastung erlaubt.
Eine schlechte Knochenqualitt und
hufig hohe Komorbiditt sind weitere
Probleme der Alterstraumatologie. Eine
schnelle und mglichst
minimalinvasive Operationstechnik mit sicherer
Verankerung des Implantats sind
Bedingungen, die heute an ein modernes
Implantat gestellt werden.
Der 1988 erstmalig vorgestellte
g-Nagel, als dessen Vorbild Kntschers
Y-Nagel gilt, ist ein Implantat, welches
diese Forderungen erfllen kann [7].
Die ersten Publikationen Anfang
der 90er Jahre berichteten einerseits
ber hervorragende Ergebnisse,
andererseits wurden teilweise erhebliche
Komplikationen beschrieben (Tabelle 1).
Befrworter und Skeptiker zitieren
hufig die jeweils zutreffenden
Publikationen aus dieser Zeit.
Grnde fr die hohen
Komplikationsraten der ersten Jahre sind
Tabelle 1
Die hufigsten Komplikationen des
Standard-g-Nagels laut
Literaturangaben bis 1995 [2, 3, 4, 6, 8, 9, 11,
12, 13]
Femurschaftfraktur oder
Kortikalisausbruch
Hftschraubenausbruch
(Cut out)
Sekundre Rotation des
Kopf-Hals-Fragments
Distale Fehlbohrung
Die wesentlichsten
implantatspezifischen Komplikationen waren
intraoperative Schaftsprengung,
postoperative Frakturen an der
Nagelspitze,
Hftschraubenausbrche mit oder
ohne Kopfrotation und
distale Fehlbohrungen (Abb. 1).
Springer-Verlag 2003
Problems with the gamma nail.
Possibilities for improvement
Intramedullary nailing implants have now
assumed the first place in the treatment of
pertrochanteric fractures.The reasons for
their popularity are their high fatigue
strength and the minimally invasive surgical
technique required for their use.These
advantages are of great benefit to the mainly
geriatric and frequently multitraumatized
patients concerned.The main device in this
implant group is the gamma nail, which was
originally developed by Grosse and Kempf.
The gamma nail yielded results superior to
those obtained with the dynamic hip screw,
which had been the standard so far,
especially when it was used in the treatment of
unstable fractures. Although there was some
vigorous debate over the original principles
of the gamma nail, the current system is
widely accepted and is available in different
variants. However, owing to the high
complication rate when the system was first
introduced, the original gamma nail acquired the
reputation of being an implant whose use
made high demands.The critical analysis of
implant-specific problems associated with
the original gamma nail resulted in
improvements to the implant and the instruments,
with a noticeably reduced complication rate
and better surgical technique.This article
describes its current state of development.The
various components are discussed
individually.The results of our own investigation
appear at the end of the report, reflecting this
development process.
Pertrochanteric fractures Gamma nail
Trochanteric gamma nail Titanium gamma
nail U-blade
Unbestritten ist, dass die richtige
Lagerung des Patienten und die exakte
Einhaltung der Operationstechnik
entscheidend fr den Erfolg der
Osteosynthese sind.
Eigene Untersuchungen aus den
Jahren von 19951997 gaben den Anlass,
das Design des Implantats zu verndern.
Hinzukommen Weiterentwicklungen
der Hftschraube und des
Instrumentariums. Das Ergebnis ist ein modulares
System, welches den heutigen
Ansprchen einer modernen
Frakturversorgung gerecht wird.
Optimierung
der Schaftkomponente
Die starke Valguskrmmung des
Standard-g-Nagels von 10 wurde bereits in
der Einfhrungsphase von einigen
Autoren kritisiert. Nachdem Benum [2]
1992 eine Studie mit einer 6-Variante
und hohen Komplikationsrate von 11%
publiziert hatte, wurde die Diskussion
ber die Valgusvorschrnkung fr
lngere Zeit beendet.
Im eigenen Krankengut traten
aufgrund des Konflikts zwischen engem
Markraum und der starken
Nagelkrmmung erhebliche intraoperative
Probleme auf. Dies war der Anlass, eine
Analyse von postoperativen
Rntgenaufnahmen nach g-Nagel-Implantation
durchzufhren.
In 60% der untersuchten Flle fand
sich eine 3-Punkt-Verklemmmung (Abb.
2) des Nagels im Markraum trotz einer
distalen Bohrung von bis zu 4 mm ber
dem Nageldurchmesser! Besonders
schwierig wurde die Situation bei engem
Markraum in Kombination mit einer
Varuskonfiguration des Femurs. Folge
einer Nagelverklemmung knnen die
unzureichende Nagelinsertion und daraus
resultierend eine kraniale
HftschrauAbb. 1ac
Komplikationen des
Standard-g-Nagels. Schaftfissur an der
Nagelspitze (a),
Schaftfraktur an der Nagelspitze (b),
Cut out der
Schenkelhalsschraube (c)
3-Punkt-Verklemmung des
Standardbenposition sein. Unter Belastung
kommt es zu einer
Druckbeanspruchung der lateralen Kortikalis. Hufig
klagen die Patienten dann ber einen
unspezifischen Oberschenkelschmerz.
Im Extremfall kann es zu einer
Schaftfraktur an der Nagelspitze kommen.
Durch Reduktion der
Valgusvorschrnkung auf 5 konnten die
notwendige distale Markraumbohrung
reduziert und die Insertion des Implantats
deutlich erleichtert werden (Abb. 3). In
einer eigenen Untersuchung konnten die
Vorteile durch eine Verkrzung der
Operationszeit und eine bessere
Hftschraubenlage belegt werden. Der fr
den Standard-g-Nagel nahezu typische
Oberschenkelschmerz wurde ebenfalls
nicht mehr beobachtet.
Da distal berwiegend nur mit
einer Schraube verriegelt wurde, war die
Verkrzung des Implantats auf 180 mm (...truncated)